
Selenskyj warnt: Iran-Krieg stärkt Putin – und schwächt die Ukraine dramatisch
Während sich die Welt gebannt auf den eskalierenden Konflikt zwischen Israel und dem Iran richtet, schlägt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Alarm. Seine Botschaft ist unmissverständlich: Je länger der Krieg im Nahen Osten andauert, desto stärker wird Russland – und desto schwächer wird die Ukraine. Eine Analyse, die man nicht von der Hand weisen kann.
Moskaus stiller Triumph
In einem Interview legte Selenskyj seine Einschätzung schonungslos offen dar. Er sei sich sicher, dass Russland einen langen Krieg im Nahen Osten wolle. Die Vorteile für Moskau lägen auf der Hand: Die Vereinigten Staaten konzentrierten sich zunehmend auf den Nahen Osten und könnten ihre militärische Hilfe für die Ukraine drosseln. Gleichzeitig seien die Sanktionen gegen russische Energieexporte teilweise gelockert worden. Er sehe ausschließlich Vorteile für Russland, wenn der Krieg mit dem Iran andauere.
Die Logik dahinter ist bestechend einfach – und genau deshalb so beunruhigend. Steigende Ölpreise füllen Putins Kriegskasse. Weichere Sanktionen öffnen Handelskorridore. Und die schwindende Aufmerksamkeit des Westens für die Ukraine führt unweigerlich zu engeren Waffenlieferungen. „Ich bin nicht nur besorgt, ich bin mir sicher, dass wir solche Herausforderungen haben werden. Absolut", so Selenskyj.
Russland und Iran: Eine unheilige Allianz
Besonders brisant sind Selenskyjs Anschuldigungen bezüglich einer direkten russischen Unterstützung für den Iran. Moskau teile Satellitenbilder mit Teheran – im selben Format, wie es bereits im Ukraine-Krieg praktiziert worden sei. Eine Behauptung, die angesichts der zunehmenden geopolitischen Verflechtungen zwischen beiden Ländern durchaus plausibel erscheint.
Die steigende Nachfrage nach Abfangraketen im Nahen Osten verschärft das Problem für Kiew zusätzlich. Patriot-Systeme, die Selenskyj seit Monaten als überlebenswichtig für sein Land bezeichnet, werden nun auch anderswo dringend benötigt. Es ist ein Verteilungskampf um begrenzte Ressourcen – und die Ukraine droht, den Kürzeren zu ziehen.
Vom Bittsteller zum Friedenstauben-Imitator
Die vielleicht ironischste Wendung in diesem geopolitischen Drama: Ausgerechnet Selenskyj, der über Jahre hinweg jegliche Verhandlungen mit Moskau unter Einschluss territorialer Zugeständnisse kategorisch ablehnte und stattdessen einen konstanten Strom westlicher Waffen forderte, gibt sich nun als Friedensvermittler. Sein Rat an die Konfliktparteien im Nahen Osten? Den Krieg so schnell wie möglich beenden und Verhandlungen aufnehmen – notfalls auch auf diplomatischem Wege, selbst wenn man nicht direkt miteinander an einem Tisch sitzen könne.
Man muss kein Zyniker sein, um die Doppelmoral zu erkennen. Was Selenskyj anderen empfiehlt, lehnt er für sich selbst beharrlich ab. Doch die Verzweiflung scheint zu wachsen.
Neue Allianzen am Golf
Angesichts der nachlassenden Unterstützung durch die Trump-Administration hat Selenskyj seine Strategie grundlegend neu ausgerichtet. Statt weiterhin ausschließlich auf NATO-Partner zu setzen, umwirbt er nun die reichen Öl- und Gasmonarchien am Persischen Golf. In den vergangenen Tagen traf er sich mit den Führern Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate, Katars und Jordaniens.
Der Clou dabei: Die Ukraine versucht, sich vom reinen Empfänger militärischer Hilfe zum Lieferanten zu wandeln. Insbesondere kostengünstige Anti-Drohnen-Technologien, die im Krieg gegen Russland aus der Not heraus entwickelt wurden, sollen nun exportiert werden. Selenskyj bezeichnete seine Nahost-Reise als Erfolg und verkündete, Luftverteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien, Katar und den VAE ausgehandelt zu haben.
Trumps Prioritätenverschiebung als Katalysator
Die Sorgen Selenskyjs sind keineswegs unbegründet. US-Präsident Donald Trump hat bereits signalisiert, für die Ukraine bestimmte Waffen in den Nahen Osten umzuleiten, wo sie im Rahmen der „Operation Epic Fury" und zum Schutz regionaler Verbündeter sowie zunehmend exponierter US-Stützpunkte dringend benötigt würden. Für Kiew ist das ein Albtraum-Szenario.
Was wir hier beobachten, ist ein geopolitisches Nullsummenspiel in seiner reinsten Form. Jede Rakete, die in den Nahen Osten geht, fehlt in der Ukraine. Jeder Dollar, der für den Iran-Konflikt ausgegeben wird, steht nicht mehr für Kiew zur Verfügung. Und Putin? Der lehnt sich zurück und profitiert – von steigenden Energiepreisen, gelockerten Sanktionen und einer zunehmend überforderten westlichen Allianz, die an zu vielen Fronten gleichzeitig kämpft.
Für Deutschland und Europa sollte diese Entwicklung ein Weckruf sein. Die Frage, wie lange sich der Westen eine Politik der multiplen Konfrontation leisten kann, ohne dabei seine eigenen wirtschaftlichen Grundlagen zu zerstören, wird mit jedem Tag drängender. Statt ideologiegetriebener Außenpolitik bräuchte es nüchternen Realismus – eine Tugend, die in Berlin und Brüssel leider seit Jahren Mangelware ist.
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