
Schuldenfalle London: Britanniens Anleihenmarkt schlägt Alarm!

Großbritannien rutscht immer tiefer in die Schuldenfalle. Die Staatsschulden nähern sich der Marke von drei Billionen Pfund, und die Renditen britischer Staatsanleihen stehen so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Premierminister Andy Burnham muss im Oktober seinen ersten Haushalt vorlegen und hat dabei kaum noch Spielraum.
Ein schwarzer Dienstag für Anleihebesitzer
Am Dienstag dieser Woche traf es die Anleger erneut. Die USA meldeten einen Einkaufsmanagerindex von über 58 Punkten, also kräftiges Industriewachstum. Trotzdem stiegen die Renditen stark an, in Frankreich, den USA und Großbritannien um jeweils mehr als 15 Basispunkte.
Dahinter stecken zwei Sorgen: die Angst vor Inflation wegen der Energiepreiskrise und das wachsende Misstrauen gegenüber den stark steigenden Staatsschulden. Die Welt schaut vor allem auf Washington, Tokio und den Haushaltsstreit in Paris. In London entwickelt sich derweil fast unbemerkt die nächste Krise.
Die Zahlen: Ein Loch reißt das nächste auf
In den ersten vier Monaten des Fiskaljahres 2026/27 nahm der Staat 56,7 Milliarden Pfund neue Schulden auf. Das sind 2,3 Milliarden mehr, als das Office for Budget Responsibility (OBR), die unabhängige Haushaltsaufsicht, eingeplant hatte. Besonders auffällig ist der Juli: Wegen der eingehenden Einkommensteuer bringt er normalerweise einen Überschuss. Diesmal gab es ein Defizit von 1,8 Milliarden Pfund. Erwartet worden war ein Plus von 500 Millionen.
Seitdem ist die Lücke laut aktuellen Zahlen der Statistikbehörde ONS größer geworden. Bis Ende August lag die Neuverschuldung bei 77,3 Milliarden Pfund. Das sind 8,1 Milliarden Pfund mehr als geplant.
Die Staatsschuldenquote liegt bei rund 94 Prozent der Wirtschaftsleistung. So hoch war sie zuletzt Anfang der 1960er-Jahre, als das Land noch unter den Folgen des Zweiten Weltkriegs litt. Im Fiskaljahr 2025/26 betrug das Defizit etwa 130 Milliarden Pfund. Die Regierung plant für dieses Jahr mit 116 Milliarden. Kritiker halten diese Zahl schon jetzt für überholt.
Die Zinsen belasten den Haushalt immer stärker
Allein für Zinsen zahlt der britische Staat inzwischen mehr als 111 Milliarden Pfund pro Jahr. Das sind 8,3 Prozent des Haushalts und mehr als die Ausgaben für Verteidigung oder Bildung. Hinzu kommt: Ein großer Teil der britischen Staatsanleihen ist an die Inflation gekoppelt. Steigen die Preise, steigen automatisch auch die Schulden.
Die Anleger ziehen ihre Konsequenzen. Zehnjährige Staatsanleihen rentieren mit 5,2 Prozent so hoch wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Bei 30-jährigen Anleihen waren es zuletzt 5,9 Prozent, der höchste Wert seit 1998. Viele erinnern sich an den Herbst 2022: Damals lösten die Pläne der Regierung Truss ein Chaos am Anleihenmarkt aus, und die Bank of England musste eingreifen.
Burnham und Healey: Versprechen gegen Wirklichkeit
Finanzminister John Healey sagte schon zu Beginn seiner Amtszeit, die Kreditaufnahme sei zu hoch. Allerdings hatte Labour im Wahlkampf allgemeine Steuererhöhungen ausgeschlossen. Übrig bleiben Ausgabenkürzungen, und davor scheut die Regierung bisher zurück. Oppositionsführerin Kemi Badenoch warf Burnham im Unterhaus vor, er glaube, dass alle reicher würden, wenn der Staat nur mehr Geld ausgebe.
Auf den ersten Blick sieht die Wirtschaft gar nicht schlecht aus: Im Juli wuchs sie um 0,4 Prozent. Beobachter führen das aber vor allem auf schuldenfinanzierte Staatsausgaben und einen kleinen KI-Boom zurück. Die Investitionen liegen weiter unter dem Stand von 2019, und der Handel mit der EU ist seit dem Brexit dauerhaft geschwächt.
Eine Warnung für Berlin
Was in London geschieht, sollte man in Berlin ernst nehmen. Auch dort hat die Regierung Merz mit einem Sondervermögen von 500 Milliarden Euro einen gewaltigen neuen Schuldenberg beschlossen, obwohl vorher Haushaltsdisziplin versprochen worden war. Ökonomen warnen seit Langem: Wer sich an echte Reformen nicht herantraut, könnte am Ende versuchen, die Schulden mit Inflation zu entwerten. Den Preis dafür würden vor allem die Sparer zahlen.
Gerade in solchen Zeiten sehen viele Anleger in physischem Gold und Silber eine sinnvolle Ergänzung zur Vermögenssicherung. Edelmetalle sind unabhängig von Zinsversprechen und von der Zahlungsfähigkeit einzelner Staaten.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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