
Schulden-Reflex der SPD: Miersch will Schuldenbremse aushebeln â Union tobt
Es hat keine zwei Monate gedauert, bis die Genossen in der schwarz-roten Koalition den vertrauten Pfad einschlagen, den sie schon in der gescheiterten Ampel mit Inbrunst beschritten hatten: Neue Schulden, immer neue Schulden. Diesmal ist es SPD-Fraktionschef Matthias Miersch, der angesichts der Iran-Krise reflexartig nach dem altbekannten Allheilmittel der Sozialdemokraten greift â dem Aussetzen der Schuldenbremse. Beim Koalitionspartner Union löst der VorstoĂ blanke Empörung aus.
Die Notlage als Dauerzustand?
Miersch, im Interview mit der Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung, mahnte, der Staat mĂŒsse einen wirtschaftlichen Zusammenbruch verhindern. Im schlimmsten Fall mĂŒssten âalle Optionen auf den Tischâ â inklusive der Ausrufung einer Haushaltsnotlage und der Aufnahme neuer Kredite. Was der SPD-Fraktionschef damit meint, ist nichts anderes als die juristische HintertĂŒr im Grundgesetz, die es dem Bund in âauĂergewöhnlichen Notsituationenâ erlaubt, die Schuldenbremse zu umgehen. Eine HintertĂŒr, durch die in den vergangenen Jahren bereits Milliarden geschleust wurden â mit verheerenden Folgen fĂŒr die Inflation und die Zinsbelastung der Bundesrepublik.
Linnemann: âPolitische Faulheitâ
CDU-GeneralsekretĂ€r Carsten Linnemann reagierte gegenĂŒber Bild mit ungewohnter SchĂ€rfe: Wer angesichts der Krise sofort nach neuen Schulden rufe, der zeige nichts anderes als âpolitische Faulheitâ. Stattdessen brauche es Anreize fĂŒr mehr Arbeit, einen radikalen BĂŒrokratieabbau und Innovationen. Sparen sei das Gebot der Stunde, nicht das AnhĂ€ufen weiterer Schuldenberge auf Kosten kommender Generationen. Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann stellte gegenĂŒber der Deutschen Presse-Agentur klar: âEs gibt keine Anzeichen fĂŒr eine Haushaltsnotlage, sondern einen klaren Auftrag zur Haushaltskonsolidierung.â Die BĂŒrger erwarteten endlich strukturelle Reformen â und keinen weiteren Griff in die leere Staatskasse.
Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Mathias Middelberg warnte davor, dass das Spekulieren ĂŒber neue Schulden zum âselbstverstĂ€ndlichen Reflexâ verkomme. Schon jetzt sei zu beobachten, dass die gigantischen Schuldenpakete fĂŒr Infrastruktur und Bundeswehr die Zinsen in Deutschland nach oben getrieben hĂ€tten. Eine Erkenntnis, die in der Union offenbar spĂ€ter kommt als beim deutschen Steuerzahler, der die Quittung fĂŒr jede neue Schuldenorgie an der Supermarktkasse prĂ€sentiert bekommt.
Der Hormus-Schreck als Argument
Miersch beklagte, niemand könne das Verhalten von US-PrĂ€sident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu vorhersagen. Eine Blockade der StraĂe von Hormus hĂ€tte Auswirkungen, die weit ĂŒber Tankstellen und Flugverkehr hinausreichten â ganze Lieferketten könnten reiĂen. Das stimmt zweifellos. Doch die Schlussfolgerung, deshalb sofort die Schuldenschleusen zu öffnen, statt strukturelle Reformen anzugehen, offenbart die ökonomische Phantasielosigkeit, die in Teilen der politischen Klasse Deutschlands grassiert.
AfD lehnt ab, Linke applaudiert
Michael Espendiller, haushaltspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, fasste die Lage knapp zusammen: âNoch mehr neue Schulden sind pures Gift fĂŒr unser Land.â Wenig ĂŒberraschend dagegen die Reaktion aus den Reihen der Linkspartei: Christian Görke, finanzpolitischer Sprecher der Linksfraktion, hĂ€lt das Aussetzen der Schuldenbremse fĂŒr die âeinfachste Möglichkeitâ, die Bevölkerung schnell zu entlasten. Die Forderung kommt selbstredend mit dem ĂŒblichen sozialistischen Beigeschmack: einer âAbschöpfung der Ăbergewinneâ bei den Ăl-Multis.
Der Tankrabatt als politisches Pflaster
WĂ€hrend im Hintergrund ĂŒber die nĂ€chste Milliardenrunde gestritten wird, hat der Bundestag bereits einen Tankrabatt beschlossen, der ab Anfang Mai fĂŒr zwei Monate die Spritpreise entlasten soll. Rund 17 Cent pro Liter weniger Steuern auf Benzin und Diesel â Kostenpunkt fĂŒr den Staat: 1,6 Milliarden Euro. Auch der Bundesrat hat zugestimmt. Eine klassische SymptombekĂ€mpfung, die das eigentliche Problem nicht löst: Deutschland verbrennt sich an einer Energiepolitik, die jahrelang ideologisch statt pragmatisch ausgerichtet war.
Die Reformkommission â Showveranstaltung mit offenem Ausgang
Seit September tagt eine Expertenkommission, die VorschlĂ€ge erarbeiten soll, wie der Bund InvestitionsspielrĂ€ume schaffen kann, ohne die Schuldenlast explodieren zu lassen. Die SPD treibt die Reform der Schuldenbremse seit Jahren voran, in der Union herrscht â zumindest offiziell â Skepsis. Ob die Empfehlungen der Kommission noch in dieser Wahlperiode umgesetzt werden, steht in den Sternen. Klar ist nur: Der Streit um die Schuldenbremse wird die GroĂe Koalition weiter beschĂ€ftigen â und das Vertrauen der BĂŒrger in eine solide Haushaltspolitik weiter erodieren lassen.
Fazit: Wer schĂŒtzt sein Vermögen vor dem Schulden-Sumpf?
Die Lehre aus diesem neuerlichen Schulden-Schauspiel ist fĂŒr aufmerksame Beobachter klar: Wer auf die StabilitĂ€t der politischen Klasse oder die Werthaltigkeit des Euros setzt, sollte sich nicht wundern, wenn die Kaufkraft seines Ersparten Jahr fĂŒr Jahr dahinschmilzt. Inflation, steigende Zinsen und politische Eskapaden sind kein Naturereignis, sondern das direkte Ergebnis politischer Entscheidungen. Wer sein Vermögen langfristig sichern möchte, kommt um eine breite Streuung kaum herum â und physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich ĂŒber Jahrhunderte als verlĂ€sslicher Anker gegen den Wertverfall des Papiergeldes bewiesen. Sie sind keine Wette, sondern Versicherung.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geĂ€uĂerten EinschĂ€tzungen spiegeln ausschlieĂlich die Meinung unserer Redaktion wider. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich vor Anlageentscheidungen eigenstĂ€ndig zu informieren oder einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Eine Haftung fĂŒr Anlageentscheidungen, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden, ist ausgeschlossen.
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