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18.08.2026
08:58 Uhr
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Schulden einfach verbrennen? Der Geniestreich aus Paris

Schulden einfach verbrennen? Der Geniestreich aus Paris
Symbolbild: KI-generiert

Frankreichs prominentester Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon hat in einem Interview mit dem Portal Les Nouveaux Médias einen bemerkenswerten Ausweg aus der Staatsschuldenkrise skizziert: Paris solle sich munter weiter verschulden, die Europäische Zentralbank solle die Anleihen aufkaufen – und danach werde der Berg bilanziell schlicht getilgt. Weg damit. Problem gelöst.

Das Dreiecksgeschäft, das keines ist

Die Begründung klingt fast bestechend. Frankreich sei über die Banque de France Teil des Eurosystems und damit indirekt Miteigentümer der EZB. Kaufe die Notenbank französische Staatsanleihen, kaufe Frankreich also gewissermaßen seine eigenen Schulden – und was man sich selbst schulde, könne man sich auch selbst erlassen.

Nur: Hinter jeder annullierten Anleihe steht kein Buchhaltungsposten, sondern reale Kaufkraft. Wird Zentralbankgeld geschöpft, um Staatsausgaben zu decken, zahlt am Ende der Bürger – über Inflation, über Abgaben, über entwertete Ersparnisse. Nur eben zeitversetzt, damit niemand Ursache und Wirkung zusammenbringt.

Ein Land am fiskalischen Abgrund

Der Kontext macht die Sache brisant. Frankreichs Staatsschuld ist Medienberichten zufolge auf über 3,3 Billionen Euro angewachsen, die Schuldenquote liegt je nach Berechnung zwischen rund 114 und 118 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das Haushaltsdefizit rangiert seit Jahren über der Fünf-Prozent-Marke – laut Analysen dürfte auch 2026 das vierte Jahr in Folge mit einem Minus jenseits von fünf Prozent werden.

Die Ratingagentur S&P hat die Kreditwürdigkeit bereits gesenkt. Und in der Nationalversammlung blockiert ein politisches Patt jede ernsthafte Konsolidierung. Wer keine Mehrheit für Sparsamkeit findet, sucht eben nach einer Zauberformel.

Die EZB hat den Anfang längst gemacht

Ehrlicherweise muss man sagen: Der Tabubruch ist keiner mehr. Seit der Eurokrise vor anderthalb Jahrzehnten kauft die EZB Staatsanleihen in gigantischem Umfang. Mit dem Transmission Protection Instrument steht zudem ein Werkzeug bereit, das Käufe ohne vorab fixierte Obergrenze erlaubt, sobald die Märkte über einzelne Euro-Staaten den Daumen senken.

Mélenchons zweiter Vorschlag: gemeinsame europäische Anleihen, emittiert von der EU-Kommission, im Zinskorridor stabilisiert von der Notenbank. Übersetzt heißt das – Deutschlands Bonität soll französische Zinsen drücken. Die Blaupause existiert bereits: NextGenerationEU, das 750 Milliarden Euro schwere Gemeinschaftsprogramm aus der Corona-Zeit, mit deutscher Haftung im Rücken.

Warum das auch deutsche Sparer angeht

Aus Sicht unserer Redaktion ist der Fall Frankreich kein französisches Problem. Wer glaubt, Schulden ließen sich per Knopfdruck aus der Welt schaffen, kündigt den unausgesprochenen Vertrag zwischen Staat und Bürger auf. Und in Berlin, wo ein 500-Milliarden-Sondervermögen beschlossen wurde, obwohl Friedrich Merz vor der Wahl neue Schulden ausgeschlossen hatte, dürfte der Widerstand gegen Eurobonds überschaubar bleiben.

Beobachter sprechen von einem Finanzcrash in Zeitlupe: erst die Kreditpumpe, dann die Inflation, am Ende Rettungspakete und finanzielle Repression. Wer sich dagegen wappnen will, kommt an der schlichten Frage nicht vorbei, welcher Teil des eigenen Vermögens überhaupt außerhalb dieses Papierkreislaufs liegt. Physisches Gold und Silber lassen sich nicht per Bilanzbuchung annullieren – ein Argument, das in Zeiten kreativer Schuldenpolitik an Gewicht gewinnt.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.

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