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09.01.2026
09:41 Uhr

Russland setzt erneut Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen die Ukraine ein

Russland setzt erneut Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen die Ukraine ein

In der Nacht zum Freitag hat Russland einen schweren Raketenangriff auf die Westukraine durchgeführt und dabei nach eigenen Angaben zum zweiten Mal die neuartige Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt. Die Attacke traf Ziele im Gebiet Lwiw, nur etwa 80 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt – und damit in unmittelbarer Nähe zum NATO-Territorium.

Landesweiter Luftalarm in der Ukraine

Die ukrainische Luftwaffe löste gegen 23.30 Uhr Ortszeit für das gesamte Land Luftalarm aus. Es habe die Gefahr eines ballistischen Raketenstarts vom russischen Testgelände Kapustin Jar bestanden, teilten die Streitkräfte mit. Kurz darauf wurden Einschläge im Gebiet Lwiw registriert. Gebietsgouverneur Maksym Kosyzkyj bestätigte über den Nachrichtendienst Telegram, dass ein Objekt der kritischen Infrastruktur getroffen worden sei.

Ukrainische Militärblogs veröffentlichten Videos, die sechs aufeinanderfolgende Einschläge zeigen sollen. Dieses Muster entspricht dem charakteristischen Trefferbild der sechs Gefechtsköpfe, mit denen die Oreschnik-Rakete ausgestattet ist.

Moskau bestätigt Einsatz der gefürchteten Waffe

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den Einsatz der Mittelstreckenrakete. Die Streitkräfte hätten einen massiven Schlag mit hochpräzisen Waffen mittlerer Reichweite ausgeführt, erklärte das Ministerium. Neben der Oreschnik seien auch Drohnen zum Einsatz gekommen. Als Ziele nannte Moskau ukrainische Drohnen-Produktionsstätten sowie Energie-Infrastruktur.

Die Oreschnik erreicht nach Angaben des russischen Präsidenten Wladimir Putin eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde. Die atomwaffenfähige Rakete wurde erstmals im November 2024 ohne nukleare Ladung gegen eine Rüstungsfabrik in Dnipro eingesetzt. Bereits Mitte Dezember wurde sie im verbündeten Belarus stationiert.

Vergeltung für angeblichen Angriff auf Putin-Residenz

Nach Angaben des russischen Ministeriums handelt es sich bei dem Angriff um eine Vergeltungsaktion für eine angebliche Attacke auf die Residenz von Wladimir Putin im nordrussischen Waldai kurz vor dem Jahreswechsel. Der Kreml hatte damals von einem versuchten Terroranschlag gesprochen. Die Ukraine dementiert jedoch, einen solchen Angriff durchgeführt zu haben. Experten bezweifeln die Glaubwürdigkeit der von Russland vorgelegten Informationen.

Schwere Angriffe auch auf Kiew

Die ukrainische Hauptstadt wurde in derselben Nacht von Drohnenschwärmen angegriffen. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete von mindestens vier Toten und 19 Verletzten. Die kritische Infrastruktur sei beschädigt worden, in einigen Stadtteilen seien Strom- und Wasserversorgung unterbrochen. Herabfallende Trümmerteile hätten Wohnhäuser in Brand gesetzt.

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits in seiner Abendansprache vor einem schweren Angriff gewarnt und die Bevölkerung aufgefordert, auf Luftalarm zu achten und Schutzräume aufzusuchen.

Harter Frost verschärft humanitäre Lage

Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur treffen die Ukraine zu einem besonders kritischen Zeitpunkt. Die Temperaturen sollen landesweit unter den Gefrierpunkt sinken, in Kiew und im Norden werden bis zu zehn Grad Frost erwartet. Das Gebiet Dnipropetrowsk durchlebt nach einem früheren Angriff bereits den schlimmsten Blackout seit Kriegsbeginn, Hunderttausende Menschen sind ohne Strom.

Selenskyj kritisierte, Russland setze derzeit mehr auf den Winter als auf Diplomatie und auf ballistische Raketen statt auf Verhandlungen mit den USA.

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