
Rote Linie in Berlin: SPD-Veteranen ziehen die Notbremse gegen Linke!

Drei Tage nach dem Wahlbeben in der Hauptstadt stellen sich altgediente Sozialdemokraten offen gegen die eigene Machtoption. In einem offenen Brief sprechen sich Berlins frühere Regierende Bürgermeister Michael Müller und Walter Momper gegen Koalitionsgespräche mit der Linkspartei aus. Als Grund nennen sie Antisemitismus und mutmaßliche Nähe zum Clanmilieu.
Ein Wahlsieg mit bitterem Beigeschmack
Die Ausgangslage ist gewaltig. Bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 hat die Linke unter Spitzenkandidatin Elif Eralp laut vorläufigem Ergebnis 25,7 Prozent geholt. Das ist mehr als doppelt so viel wie 2023. Die CDU kommt demnach auf 18,8 Prozent, die AfD auf 16,3, die Grünen auf 14,3. Die SPD landet mit 12,1 Prozent abgeschlagen auf dem letzten Platz der Parlamentsparteien.
Rechnerisch käme ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD damit auf gut 52 Prozent der Stimmen. Das Rote Rathaus liegt also greifbar nahe. Doch auf dem Weg dorthin steht jetzt ein Brief, der es in sich hat.
Der Brief: „Pro forma“-Distanzierung
Die Unterzeichner schreiben, sie hätten mit Entsetzen festgestellt, dass die Linke auf ihrer Wahlparty mit dem Anführer einer Organisation gefeiert habe, die international als Unterstützer des Hamas-Terrorismus gelte, und ebenso mit dem Boss eines kriminellen Clans. Die Distanzierung der Partei von Antisemiten erfolge deshalb offenkundig nur „pro forma“.
„Es gehört zu den roten Linien sozialdemokratischer Werte, nicht mit Antisemiten und Terroristen gemeinsame Sache zu machen. Wir sehen deshalb derzeit gegenwärtig keine Basis für Gespräche mit der Linkspartei.“
Das hat besonderes Gewicht, weil gerade Müller die Linke gut kennt. Er selbst führte ab 2016 eine rot-rot-grüne Koalition in Berlin an. Wenn ausgerechnet er jetzt warnt, ist das mehr als parteiinternes Geplänkel.
Jüdische Sozialdemokraten schlagen Alarm
Auch René Röske, Vorsitzender des Berliner Arbeitskreises jüdischer Sozialdemokraten, fordert in einem Schreiben an die Mitglieder, keine Koalition mit den Linken einzugehen. Wer „nie wieder ist jetzt“ ernst meine, so Röske sinngemäß, dürfe nicht mit einer Partei regieren, die solche Umtriebe in ihren Reihen zulasse. Medienberichten zufolge warnt auch der Zentralrat der Juden vor einem solchen Bündnis. Und Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel erklärte, er würde mit keiner antisemitischen Partei koalieren.
Remmo, PFLP-Umfeld und ein Foto mit Folgen
Auslöser des Aufruhrs sind Berichte über Gäste auf Wahlpartys der Linken. Demnach soll Issa Remmo, der als Oberhaupt der berüchtigten Remmo-Großfamilie gilt, auf einer Feier anwesend gewesen sein. Chatnachrichten seines Sohnes legen laut Medienberichten nahe, dass die Familie mit dem Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak in Kontakt stehe.
Zusätzlich sorgte der propalästinensische Aktivist Ibrahim Ibrahim für Kritik. Der Rechercheverein democ stuft ihn als langjährigen Unterstützer der PFLP ein. Diese „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ steht auf der Terrorliste der EU, bestreitet Israels Existenzrecht und verübte in der Vergangenheit Anschläge und Flugzeugentführungen. Auf der Neuköllner Wahlparty ließ sich Ibrahim mit Koçak fotografieren.
Klares Stoppsignal oder bloße Symbolpolitik?
Laut Berichten hat inzwischen auch die SPD-Bundesspitze Grenzen gezogen: Für Antisemitismus und Clankriminelle gebe es „keinen Millimeter Platz“. Die entscheidende Frage lautet aber: Hält diese Haltung, wenn es ernst wird? Die Berliner SPD, ohnehin auf einem historischen Tiefpunkt, müsste sich zwischen Prinzipien und Senatorenposten entscheiden.
Beobachter werden genau hinsehen. Denn wer jahrelang von „Brandmauern“ spricht, muss sich an den eigenen Maßstäben messen lassen, auch dann, wenn die Gefahr von links kommt. Für viele Berliner geht es dabei um mehr als Parteitaktik. Es geht um die Sicherheit jüdischen Lebens und um die Frage, ob der Rechtsstaat gegenüber kriminellen Strukturen noch Zähne zeigt. Ob der Brief der SPD-Veteranen wirkt oder bloß eine Fußnote bleibt, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden.
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