
Pulverfass Naher Osten: Steht die Welt vor der großen Energie-Explosion?

Es sind Nachrichten, die man in dieser Schärfe seit Jahrzehnten nicht mehr gehört hat. Der Nahe Osten steuert offenbar auf eine Eskalation zu, wie sie sich die meisten Beobachter in ihren düstersten Prognosen nicht ausgemalt hatten. Wer geglaubt hatte, die Region käme zur Ruhe, wird gerade eines Besseren belehrt. Und mittendrin: die Straße von Hormus – jene schmale Wasserstraße, durch die ein gewaltiger Teil der weltweiten Ölversorgung fließt.
Trumps unmissverständliche Drohung
US-Präsident Donald Trump hat keinen Zweifel daran gelassen, wie Washington auf eine iranische Provokation reagieren würde. Jede Rakete, jede Drohne, jedes Geschoss, das der Iran auf Schiffe in der Straße von Hormus abfeuere, werde – so die Botschaft aus dem Weißen Haus – mit der Zerstörung einer iranischen Brücke oder eines Kraftwerks beantwortet. Eine Sprache, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt.
Und die Ereignisse überschlagen sich bereits. Berichten zufolge steht ein Tanker nach einer Explosion in der Meerenge in Flammen, Kuwait soll unter Drohnenbeschuss geraten sein, und die Huthi-Milizen reklamieren Angriffe auf zwei saudische Tanker im Roten Meer für sich. Zwei potenzielle Nadelöhre der globalen Energieversorgung geraten damit gleichzeitig ins Visier.
Militärischer Aufmarsch und geopolitisches Spiel mit dem Feuer
Die USA sollen Streitkräfte in die Region verlegen, schwere Bomber würden vorbereitet, Geheimdienste koordinierten ihre Operationen. Aus Teheran heißt es unterdessen, es werde keine Sicherheit geben, solange die eigene Sicherheit nicht garantiert sei – was manche Beobachter als kaum verhüllte Kriegserklärung gegen die gesamte Infrastruktur der Region deuten.
Sind Hormus und das Rote Meer eine Brücke zu weit für die USA oder für den Iran? Diese Frage entscheidet über Krieg oder Frieden – und über den Ölpreis der kommenden Monate.
Besonders brisant: Iranische Angriffe auf westliche Einrichtungen im Nahen Osten werfen die Frage nach einer möglichen russischen Beteiligung auf. Damit verschmölze der Nahost-Konflikt gefährlich mit dem Ukraine-Krieg. Und mittendrin – wie so oft – ein NATO- und EU-Mitglied: Bulgarien soll US-Militäroperationen von seinem Territorium aus unterstützen und könnte damit ins Fadenkreuz iranischer Vergeltung geraten. Die kollektiven Beistandsklauseln lassen grüßen.
Was das für die Energiepreise bedeutet
Die Brent-Sorte notierte am Morgen bereits bei rund 95,5 Dollar. Kommt es zur militärischen Eskalation, dürften die Preise weiter steigen. Doch die nüchterne Analyse mahnt: Ein schrankenloser Krieg ließe sich von keiner Seite lange durchhalten – weder von den USA noch von Israel, dem Iran oder den Golfstaaten. Und schon gar nicht von einer ohnehin taumelnden Weltwirtschaft. Möglicherweise erleben wir also den Anfang vom Ende der Krise. Möglicherweise aber auch den Beginn einer Katastrophe.
Neo-Merkantilismus: Die Rückkehr des alten Denkens
Während im Nahen Osten die Waffen sprechen, tobt an anderer Front ein Kampf der Ideen. Die einst so unerschütterlichen Verfechter des grenzenlosen Freihandels rudern zurück. Von einem „merkantilistischen Zeitalter" ist plötzlich die Rede, von nationalen Sicherheitsinteressen, von Handelsbilanzen als strategischer Waffe. Länder, die jahrzehntelang auf billige Konsumgüter aus Fernost setzten, entdecken die Verletzlichkeit dieser Abhängigkeit.
Es ist bemerkenswert, wie eine Wirtschaftspublizistik, die jahrelang jede Warnung vor eben dieser Entwicklung belächelte, nun eine wahre Kehrtwende vollzieht. Doch der reflexartige Einwand bleibt: „Aber die Preise werden steigen!" Als ob dies das einzige Argument wäre. Als ob eine Großmacht sich dauerhaft von anderen bei lebenswichtigen Medikamenten, kritischen Rohstoffen und Schlüsseltechnologien abhängig machen dürfte. Genau hier zeigt sich, wie realitätsfern manche ökonomischen Dogmen inzwischen geworden sind.
Europas Schwäche im großen Spiel
Und die EU? Sie taumelt zwischen Realpolitik und Realschwäche. Während sie Sanktionsmissionen im Indischen Ozean plant, bleibt russisches Flüssiggas praktischerweise ausgenommen. Man möchte fast schmunzeln, wäre die Lage nicht so ernst. Ambitionierte Klimaziele werden derweil selbst von Studien als „unerreichbares Wolkenkuckucksheim" abgetan – ein Urteil, das man auch mancher deutscher Energiepolitik ins Stammbuch schreiben dürfte.
Was Anleger jetzt bedenken sollten
In Zeiten, in denen Meerengen zu Pulverfässern werden, Weltmächte am Rande des Krieges balancieren und selbst die alten Gewissheiten der Ökonomie zerbröseln, zeigt sich einmal mehr der Wert krisenfester Vermögensanlagen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie in geopolitischen Stürmen ihren Wert bewahren – unabhängig davon, welche Brücke am Ende gesprengt wird und welche nicht. Als solides Fundament eines breit gestreuten Vermögens sind sie eine sinnvolle Ergänzung, gerade wenn die politischen und wirtschaftlichen Fliehkräfte zunehmen.
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