
Polizei-Flucht aus Berlin: Nach Linken-Sieg wollen Dutzende weg!

Seit dem Wahlsieg der Linken in Berlin am 6. September wollen auffallend viele Polizisten die Hauptstadt verlassen. Mindestens 72 Beamte haben Medienberichten zufolge inzwischen eine Versetzung in ein anderes Bundesland angefragt oder beantragt. Die Gewerkschaften warnen vor einem Aderlass, der Berlins Sicherheit auf Jahre schwächen könnte.
Dreimal so viele wie im ganzen Vorjahr
Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 wurden in Berlin 22 Versetzungen vollzogen. Jetzt kommen in wenigen Wochen mehr als dreimal so viele Interessenten zusammen. Ermittelt hat das Focus Online mit einer Umfrage unter allen Landesregierungen.
Die meisten zieht es in den Südwesten. Laut dem Bericht haben sich 58 Berliner Beamte in Baden-Württemberg gemeldet, zehn in Bayern, drei in Thüringen und einer in Bremen. Zwei Bundesländer hätten nicht geantwortet.
Offiziell bestätigt die Berliner Polizei bisher nur sieben förmliche Anträge seit dem Wahltag. Das widerspricht den anderen Zahlen nicht: Wer wechseln will, kann sich zunächst direkt beim neuen Bundesland melden und stellt den förmlichen Antrag in Berlin erst später.
Eine Wahl mit Folgen
Die Linke um Spitzenkandidatin Elif Eralp hat die Wahl zum Abgeordnetenhaus Medienberichten zufolge mit rund 26 Prozent klar gewonnen, vor CDU und AfD. Inzwischen haben Linke, Grüne und SPD ihre Sondierungen abgeschlossen. Ein rot-rot-grünes Bündnis zeichnet sich ab, und laut Berichten stehen sogar Enteignungen großer Wohnungskonzerne auf der Agenda.
Die Partei war mit einem ausgesprochen polizeikritischen Programm angetreten. Berichten zufolge will sie bei der Polizei sparen und deren Befugnisse zurückfahren. Wie motiviert ist ein Streifenpolizist noch, wenn die künftige Landesregierung ihn eher als Problem sieht denn als Stütze?
"Dann haben wir ein Problem"
Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin, findet die Entwicklung besorgniserregend. Er sagte gegenüber Focus Online:
„Die Zahl überrascht uns nicht, in den wenigen Wochen ist das aber viel und wenn es Schule macht, haben wir ein Problem.“
Rein rechnerisch verliere Berlin damit fast eine ganze Hundertschaft. Wiederhole sich das jedes Jahr, sei in zwei Jahren personell ein kompletter Polizeiabschnitt verschwunden, warnt Jendro. Im Berliner Polizeivollzugsdienst arbeiten derzeit rund 18.500 Kräfte.
Junge Beamte verzichten auf ihre Pension
Besonders heikel findet die Gewerkschaft eine Beobachtung bei jungen Beamten. Manche gäben ihren Dienst in Berlin ganz auf, verzichteten auf geringe Pensionsansprüche und bewürben sich anderswo neu. Das sei auf Dauer bedrohlich, so Jendro.
Bisher war ein Wechsel zwischen den Ländern schwierig. Die Innenminister hatten vereinbart, sich gegenseitig keine Beamten abzuwerben, Fachleute sprechen von „Raub-Ernennungen“. Diese Absprache scheine nun „obsolet“, sagt der Gewerkschafter. In der Truppe herrsche seit der Wahl „große Sorge“, viele hielten die politische Zukunft für „völlig unklar“. Dazu kämen hohe Belastung und eine Besoldung, die Jendro „weiterhin unterirdisch“ nennt.
Der Süden wirbt um Berlins Polizisten
Mehrere Bundesländer haben auf die Stimmung reagiert und werben gezielt um Berliner Beamte. Baden-Württembergs Innenminister und Vize-Regierungschef Manuel Hagel (CDU) griff die Berliner Linke nach der Wahl scharf an. Die Berliner Polizei sei zu schade für eine linke Führung, die ihr Mittel und Befugnisse nehmen wolle, sagte er. Und weiter:
„Bei uns in Baden-Württemberg wissen wir, was wir an unseren Polizistinnen und Polizisten haben.“
Auch das Brandenburger Innenministerium unter Jan Redmann (CDU) warb Ende September auf Instagram um Nachwuchs aus Berlin. Wer sich um die politische Zukunft seines Heimatlandes sorge, solle sich doch Brandenburg ansehen, hieß es dort.
Frank Teichert, Berliner Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), spricht von einem Warnsignal:
„Wer morgen regieren will, muss heute denen Rückendeckung geben, die für unsere Sicherheit den Kopf hinhalten.“
Die Kriminalitätsstatistik meldet bundesweit Rekordwerte, und die Zahl der Messerangriffe steigt. Ausgerechnet jetzt verliert die Hauptstadt Polizisten. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier, wie politische Signale wirken: Wer die eigene Polizei geringschätzt, sollte sich nicht wundern, wenn sie sich anderswo bewirbt. Die Rechnung dafür zahlen am Ende die Bürger Berlins.

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