
Pentagon im Clinch mit KI-Entwickler: Anthropic verweigert Freigabe für autonome Waffensysteme

Ein bemerkenswerter Machtkampf entbrennt zwischen dem amerikanischen Verteidigungsministerium und dem KI-Unternehmen Anthropic. Im Kern geht es um nichts Geringeres als die Frage, ob künstliche Intelligenz künftig eigenständig Waffen steuern und die eigene Bevölkerung überwachen darf. Was sich hier abspielt, ist ein Lehrstück über die Grenzen zwischen technologischem Fortschritt und ethischer Verantwortung.
Ein Vertrag über 200 Millionen Dollar – und ein fundamentaler Streit
Nach wochenlangen Verhandlungen im Rahmen eines Vertrags mit einem Volumen von bis zu 200 Millionen Dollar befinden sich das Pentagon und Anthropic in einer Pattsituation. Das Verteidigungsministerium, das unter der Trump-Administration bezeichnenderweise in "Department of War" umbenannt wurde, pocht auf sein Recht, kommerzielle KI-Technologie unabhängig von den Nutzungsrichtlinien der Unternehmen einzusetzen – solange dies mit amerikanischem Recht vereinbar sei.
Anthropic hingegen zieht eine klare rote Linie: Die Sicherheitsvorkehrungen, die eine autonome Zielerfassung von Waffen und die Überwachung amerikanischer Bürger im Inland verhindern sollen, stehen nicht zur Disposition. Eine Position, die in Zeiten zunehmender staatlicher Überwachungstendenzen durchaus bemerkenswert erscheint.
Silicon Valley zwischen Staatsaufträgen und Gewissen
Der Konflikt offenbart ein grundsätzliches Dilemma der Tech-Branche. Jahrelang herrschte Eiszeit zwischen Washington und dem Silicon Valley. Nun, da die Beziehungen aufgetaut sind und lukrative Regierungsaufträge winken, stellt sich die Frage: Wie weit darf die Zusammenarbeit gehen?
Anthropic ist keineswegs das einzige Unternehmen mit Pentagon-Verträgen. Auch Googles Mutterkonzern Alphabet, Elon Musks xAI und OpenAI haben im vergangenen Jahr Aufträge erhalten. Doch Anthropic scheint als einziges Unternehmen bereit zu sein, dem Druck der Regierung standzuhalten.
CEO Amodei warnt vor autoritären Tendenzen
In einem bemerkenswerten Essay auf seinem persönlichen Blog warnte Anthropic-Chef Dario Amodei diese Woche eindringlich davor, dass KI die nationale Verteidigung zwar unterstützen solle – jedoch nicht auf eine Weise, die Amerika seinen "autokratischen Gegnern" ähnlicher mache. Eine Aussage, die man durchaus als versteckte Kritik an der aktuellen Regierungspolitik interpretieren darf.
Die tödlichen Schüsse auf US-Bürger, die gegen Einwanderungsdurchsetzungsmaßnahmen in Minneapolis protestierten, bezeichnete Amodei als "Horror".
Diese Vorfälle haben die Besorgnis in Teilen des Silicon Valley über den möglichen Einsatz ihrer Technologien für staatliche Gewalt verstärkt. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet jene Unternehmen, die einst als Vorreiter grenzenloser Freiheit galten, nun zu Hütern ethischer Grenzen werden könnten.
Ein Präzedenzfall mit weitreichenden Folgen
Was sich hier abspielt, ist mehr als ein Vertragsstreit. Es ist ein Testfall dafür, ob die Tech-Industrie dem Druck einer Regierung widerstehen kann, die zunehmend auf Kontrolle und Überwachung setzt. Die Entscheidung, die Anthropic trifft, könnte Signalwirkung für die gesamte Branche haben.
Für den aufmerksamen Beobachter zeigt dieser Konflikt einmal mehr, wie fragil das Gleichgewicht zwischen staatlicher Macht und individueller Freiheit geworden ist. In einer Zeit, in der auch in Deutschland die Überwachungstendenzen zunehmen und die Bürgerrechte unter dem Deckmantel der Sicherheit beschnitten werden, sollte man genau hinschauen, welche Entwicklungen sich jenseits des Atlantiks anbahnen.












