
Pekings Griff nach den Sternen: China fordert Elon Musks Weltraum-Imperium heraus
Während der Westen noch über Energiewende und Klimaziele debattiert, schmiedet das Reich der Mitte bereits Pläne für die nächste industrielle Revolution – und die findet im All statt. China hat angekündigt, innerhalb der nächsten fünf Jahre weltraumbasierte Rechenzentren für künstliche Intelligenz in den Orbit zu schießen. Ein ambitioniertes Vorhaben, das den amerikanischen Tech-Milliardär Elon Musk und sein Raumfahrtunternehmen SpaceX direkt ins Visier nimmt.
Gigawatt-Infrastruktur im Orbit
Der staatliche chinesische Raumfahrtkonzern China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) verkündete laut dem Staatssender CCTV den Bau einer "Gigawatt-Klasse digitaler Weltraum-Infrastruktur". Die neuen Rechenzentren sollen Cloud-, Edge- und Endgeräte-Kapazitäten vereinen und eine tiefgreifende Integration von Rechenleistung, Speicherkapazität und Übertragungsbandbreite ermöglichen. Kurz gesagt: Daten von der Erde sollen künftig direkt im Weltraum verarbeitet werden.
Diese Ankündigung kommt nicht von ungefähr. Bereits im Dezember hatte CASC in einem Strategiepapier die Vision einer industriellen "Space Cloud" bis 2030 skizziert. Die Integration von weltraumbasierter Solarenergie mit KI-Computing wurde dabei als zentrale Säule des kommenden 15. Fünfjahresplans identifiziert – Chinas wirtschaftlicher Entwicklungsfahrplan, der traditionell die strategische Ausrichtung des Landes für Jahre vorgibt.
Musk kontert mit SpaceX-Plänen
Der amerikanische Unternehmer Elon Musk hatte erst kürzlich beim Weltwirtschaftsforum in Davos seine eigenen Ambitionen für orbitale KI-Rechenzentren dargelegt. SpaceX plane, solarbetriebene KI-Satelliten innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre zu starten. "Es ist ein Kinderspiel, solarbetriebene Rechenzentren im Weltraum zu bauen", erklärte Musk selbstbewusst. Der günstigste Standort für KI werde schon bald der Weltraum sein – spätestens in drei Jahren.
Die Logik dahinter ist bestechend einfach: Solarpanele im Orbit können fünfmal mehr Energie erzeugen als ihre erdgebundenen Pendants. Angesichts des enormen Energiebedarfs moderner KI-Systeme könnte dies einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen. SpaceX plant, Mittel aus einem geplanten 25-Milliarden-Dollar-Börsengang für die Entwicklung dieser orbitalen Rechenzentren zu verwenden.
Chinas Achillesferse: Die fehlende Wiederverwendbarkeit
Doch trotz aller Ambitionen hat Peking ein gravierendes Problem: China ist bislang nicht in der Lage, wiederverwendbare Raketen erfolgreich zu testen. SpaceX hingegen hat mit seiner Falcon-9-Rakete längst bewiesen, dass Wiederverwendbarkeit funktioniert. Diese Technologie ermöglichte es der SpaceX-Tochter Starlink, ein nahezu monopolartiges Netzwerk von Satelliten im niedrigen Erdorbit aufzubauen.
Die Wiederverwendbarkeit ist der Schlüssel zur Kostenreduktion bei Raketenstarts – und damit zur wirtschaftlichen Erschließung des Weltraums. China erreichte zwar im vergangenen Jahr einen Rekord von 93 Weltraumstarts, angetrieben von seinen aufstrebenden kommerziellen Raumfahrt-Startups. Doch ohne wiederverwendbare Raketen bleibt jeder Start ein kostspieliges Einmalunternehmen.
Weltraumtourismus als nächster Schritt
Neben den KI-Rechenzentren kündigte CASC auch Pläne für suborbitalen Weltraumtourismus an, der schrittweise zu orbitalem Tourismus ausgebaut werden soll. Bis 2045 will China zur "weltweit führenden Weltraummacht" aufsteigen – ein Ziel, das angesichts der aktuellen Dynamik keineswegs unrealistisch erscheint.
Der neue Wettlauf zum Mond
Die Gründung einer ersten "Schule für interstellare Navigation" an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften unterstreicht Pekings langfristige Strategie. Die Institution soll Talente in Bereichen wie interstellarem Antrieb und Tiefenraumnavigation ausbilden. "Die nächsten 10 bis 20 Jahre werden ein Fenster für Sprungentwicklungen in Chinas interstellarem Navigationsfeld sein", verkündete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.
Die USA stehen in diesem Jahrzehnt vor einem intensiven Wettbewerb mit China um die Rückkehr von Astronauten zum Mond – ein Ziel, das seit der letzten Apollo-Mission 1972 kein Mensch mehr erreicht hat. Während Washington noch mit bürokratischen Hürden und politischen Grabenkämpfen ringt, marschiert Peking mit der für autoritäre Systeme typischen Effizienz voran.
Es ist ein Wettlauf, bei dem es um weit mehr geht als wissenschaftliche Prestige: Die militärischen und strategischen Vorteile der Weltraumdominanz könnten die geopolitische Ordnung des 21. Jahrhunderts entscheidend prägen. Und während Europa sich in Debatten über Gendersternchen und Tempolimits verliert, entscheidet sich hoch über unseren Köpfen möglicherweise die Zukunft der technologischen Vorherrschaft.












