
Peking dreht den Geldhahn zu: China weist Banken an, US-Staatsanleihen abzustoßen

Was sich heute Morgen an den globalen Anleihemärkten abspielte, dürfte in Washington für erhebliches Unbehagen sorgen. Ruckartig fielen die Kurse amerikanischer Staatsanleihen, die Renditen schnellten nach oben. Die zehnjährige Laufzeit kletterte von 4,22 auf 4,25 Prozent, die dreißigjährige stieg um drei Basispunkte auf 4,88 Prozent. Der Auslöser? Eine unmissverständliche Ansage aus Peking.
Chinas Regulierer greifen durch
Chinesische Regulierungsbehörden haben den Finanzinstituten des Landes empfohlen – was in einem autoritären System wie dem chinesischen faktisch einer Anordnung gleichkommt –, ihre Bestände an US-Staatsanleihen zu reduzieren. Banken mit besonders hohem Engagement seien angewiesen worden, ihre Positionen herunterzufahren. Konkrete Zielmarken hinsichtlich Umfang oder Zeitrahmen hätten die Beamten zwar nicht vorgegeben, doch die Botschaft sei unmissverständlich gewesen. Offiziell werde die Maßnahme mit Bedenken hinsichtlich der Marktvolatilität und dem Gebot der Risikostreuung begründet.
Bemerkenswert ist dabei eine feine, aber entscheidende Unterscheidung: Die Anweisung gelte nicht für die staatlichen Devisenreserven Chinas, die weiterhin in US-Staatsanleihen investiert bleiben dürften. Peking trennt also säuberlich zwischen dem, was es für strategische Liquiditätssteuerung benötigt, und dem, was es seinen Geschäftsbanken als Risikomanagement verordnet. Man könnte auch sagen: China behält sich die Munition für den Ernstfall, entzieht aber dem amerikanischen Schuldenkarussell systematisch die Nachfrage seiner Privatwirtschaft.
Ein globaler Trend – und Gold als Profiteur
Wer glaubt, es handle sich hier um eine isolierte Maßnahme, der irrt gewaltig. Chinas Vorstoß reiht sich ein in einen wachsenden globalen Trend, bei dem Länder wie Indien und Brasilien ihr Engagement am weltweit größten Anleihemarkt zurückfahren. Die Zweifel am sogenannten amerikanischen Exzeptionalismus – also der Annahme, dass US-Vermögenswerte per se sicher und überlegen seien – wachsen rasant. Der sogenannte „Debasement Trade", also die Wette auf eine schleichende Entwertung des Dollars, gewinnt an Dynamik.
Gareth Berry, Stratege bei der Macquarie Group, brachte es auf den Punkt: Dies sei der jüngste Beweis für eine sich abzeichnende Entwicklung und ein Zeichen dafür, dass die Erwartung langfristiger struktureller Abflüsse aus dem Dollar keine Illusion sei. Vermögensverwalter in den USA, Europa und nun auch in China stimmten möglicherweise „mit den Füßen ab".
Geopolitische Risiken verschärfen die Lage zusätzlich. Die Drohgebärden von US-Präsident Donald Trump gegenüber Grönland, seine aggressiven Zollpolitiken – 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf China – und die daraus resultierenden Vergeltungsszenarien europäischer Länder haben die Unsicherheit an den Märkten massiv befeuert. Die Suche nach alternativen Anlagen, allen voran Gold, hat sich dadurch noch einmal deutlich intensiviert.
Diversifizierung oder Abkehr vom Dollar?
Charu Chanana, Chef-Anlagestratege bei Saxo Capital Markets in Singapur, ordnete die Entwicklung etwas nüchterner ein: Es handle sich derzeit noch eher um eine Diversifizierung als um eine vollständige Abkehr vom Dollar. Dennoch könnte die Maßnahme dem Markt im Rahmen des Debasement-Handels weiteren Spielraum verschaffen. Chinas Reserven und Chinas Banken hätten unterschiedliche Ziele – die Regulierungsbehörden könnten die Regeln für das Engagement der Banken verschärfen, während die Reserven weiterhin liquide US-Dollar-Vermögenswerte für Interventionen oder das Liquiditätsmanagement benötigten.
Interessanterweise stiegen die ausländischen Bestände an US-Staatsanleihen im November noch auf den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Zunahmen in Norwegen, Kanada und Saudi-Arabien glichen dabei einen weiteren monatlichen Rückgang in China aus. Doch wie lange noch? Wenn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ihren Banken systematisch den Appetit auf amerikanische Schuldtitel verdirbt, dürfte das langfristig nicht ohne Folgen bleiben.
Was bedeutet das für den deutschen Anleger?
Für den aufmerksamen Beobachter fügt sich hier ein Bild zusammen, das nachdenklich stimmen sollte. Die Welt entfernt sich – langsam, aber stetig – vom blinden Vertrauen in den US-Dollar als alleinige Reservewährung. Gleichzeitig türmt auch Deutschland mit dem geplanten 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen neue Schuldenberge auf, die künftige Generationen über Steuern und Abgaben werden abtragen müssen. In einer Welt, in der Staaten ihre Währungen systematisch entwerten und geopolitische Spannungen die Finanzmärkte erschüttern, erweist sich physisches Gold einmal mehr als das, was es seit Jahrtausenden ist: ein verlässlicher Anker in stürmischen Zeiten. Wer sein Vermögen langfristig sichern möchte, sollte physische Edelmetalle als unverzichtbaren Bestandteil eines breit diversifizierten Portfolios in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Anlageentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir empfehlen, vor Investitionsentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für etwaige Verluste, die aus der Umsetzung der in diesem Artikel genannten Informationen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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