
Ölschock aus Arabien: Drohnen treffen Pipeline – Preis rast auf 110 Dollar

Ein Drohnenangriff auf die saudische East-West-Pipeline hat den Ölmarkt am Donnerstag in Aufruhr versetzt. Der Preis für die US-Sorte WTI schoss im späten Handel auf 110 US-Dollar je Fass – nur um am Freitag wieder um rund zehn Prozent abzustürzen. Willkommen in einem Markt, der nicht mehr von Angebot und Nachfrage regiert wird, sondern von Geopolitik.
Die Umgehungsroute, die keine Sicherheit mehr bietet
Riad bestätigte, dass die Pipeline von mehreren Drohnen getroffen wurde, die dem Bericht zufolge aus dem Irak gestartet waren. Satellitenbilder zeigten eine mächtige Rauchsäule nahe der Ortschaft Al-Meshbaha. Der Betrieb wurde vorsorglich gestoppt.
Ausgerechnet diese Leitung sollte der Ausweg sein: Sie bringt saudisches Öl unter Umgehung der Straße von Hormus ans Rote Meer. Die irakische Regierung leitete Ermittlungen ein und entließ einen zuständigen Militärkommandeur. Wer hinter dem Angriff steckt, ist offen – ebenso, wann wieder Öl fließt.
Zwei Nadelöhre, ein Problem
Fast zeitgleich verschärfte sich die Lage am zweiten Flaschenhals. Medienberichten zufolge brachte die Huthi-Miliz am Freitag weite Teile der jemenitischen Rotmeerküste unter ihre Kontrolle, darunter die Hafenstadt Mokha. Damit sitzt die Gruppe neben Hodeidah an einem weiteren Stützpunkt direkt an der Enge von Bab al-Mandab.
Sollte der kommerzielle Schiffsverkehr dort zum Erliegen kommen, bliebe nur der lange Weg um das Kap der Guten Hoffnung – mit längeren Laufzeiten, höheren Fracht- und Versicherungskosten. Die Wettplattform Polymarket taxiert die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Verkehr durch Hormus bis zum 30. November normalisiert, laut dem Bericht auf magere neun Prozent.
Die EZB kämpft gegen einen Gegner, den sie nicht besiegen kann
Am Donnerstag hob die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte an, der Einlagensatz liegt laut Medienberichten nun bei 2,50 Prozent. Begründung: die von Energiepreisen getriebene Inflation, die im Euroraum zuletzt über drei Prozent kletterte.
Nur: Teurere Kredite dämpfen die Nachfrage – sie schaffen keinen einzigen Tanker mehr Diesel heran. Man bekämpft einen Angebotsschock mit Nachfrageinstrumenten. Aus Sicht unserer Redaktion ist das ökonomische Symbolpolitik, die vor allem Häuslebauer und Mittelstand trifft.
Deutschland zahlt für seine eigene Energiepolitik
Besonders bitter für Deutschland: Im Zuge der Klimapolitik wurden hierzulande Raffineriekapazitäten zurückgefahren. Nun treffen Angriffe auf russische Raffinerien, gedrosselte Dieselexporte Moskaus und die Rückkehr chinesischer Käufer am Rohölmarkt – auf diesen Punkt verweist dem Bericht zufolge der frühere Goldman-Rohstoffchef Jeff Currie – auf ein Land ohne Puffer.
Auch in den USA erreichen die Dieselpreise Rekordstände. Für Präsident Trump könnten hohe Spritpreise vor den Midterms im November zur realen Gefahr werden. Entlastung könnte mittelfristig aus Venezuela kommen: Chevron hat laut dem Bericht Milliardeninvestitionen angekündigt, das extraschwere Rohöl passt zu den Raffinerien an der US-Golfküste.
Das eigentliche Signal für Sparer
In wenigen Tagen treffen sich Xi Jinping und Donald Trump in Washington. Danach dürfte sich zeigen, wohin der wichtigste Markt der Weltwirtschaft läuft.
Für Bürger bleibt die unbequeme Erkenntnis: Energiepreise sind längst ein politisches Risiko. Wer sein Vermögen breit aufstellt, zieht physische Edelmetalle als krisenerprobte Beimischung in Betracht – sie tragen kein Ausfallrisiko einer Notenbank.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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