
Ölschock als E-Auto-Turbo: Studie sieht Kupfer als Nadelöhr

Kriege, Lieferunterbrechungen, teures Benzin: Nach einer neuen Analyse des Beratungshauses Wood Mackenzie könnten ausgerechnet die Turbulenzen an den Ölmärkten der Elektromobilität den entscheidenden Schub geben. Die Studie wurde am Donnerstag vorgestellt. Ihre brisanteste Botschaft betrifft aber nicht die Autos – sondern die Metalle.
Öl als politische Waffe – und der Preis dafür
Dem Bericht zufolge haben die Konflikte rund um die Ölförderstaaten Russland und Iran Regierungen wie Verbrauchern schmerzhaft vor Augen geführt, wie verletzlich sie bei Kraftstoffpreisen und Versorgungssicherheit sind. Genau daraus, so die Autoren, erwachse ein zusätzlicher Anreiz, in Fahrzeugproduktion und Lieferketten jenseits des Verbrenners zu investieren.
Parallel dreht sich das Technologiekarussell schneller. China arbeite an Ladezeiten von fünf Minuten sowie an Natrium-Ionen- und Lithium-Eisenphosphat-Zellen. Westliche Regierungen müssten laut Wood Mackenzie entweder eigene Technologie stärker fördern – oder verstärkt chinesische Patente lizenzieren. Beides klingt nicht nach Souveränität, sondern nach Abhängigkeit mit neuem Etikett.
99 Millionen Barrel: Das Öl verschwindet nicht
Die Prognose der Analysten fällt weniger dramatisch aus, als mancher Klimapolitiker hoffen dürfte: Der weltweite Ölverbrauch könnte bis 2040 auf 99 Millionen Barrel pro Tag sinken – gegenüber heute mehr als 100 Millionen. Nach 15 Jahren Elektro-Offensive wäre das ein Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Ungleich verteilt ist der Wandel obendrein. Für die rohstoffreichen USA erwarten die Autoren einen Anstieg des E-Auto-Marktanteils von heute drei auf 20 Prozent bis 2040. Europa, stärker von Importöl abhängig, könnte von drei Prozent im Jahr 2025 auf 35 Prozent klettern. Ein Mitautor der Studie, David Brown, argumentiert, dass beschleunigte Innovation außerhalb der USA Washington irgendwann zwingen könne, das Thema Verkehrselektrifizierung ernster zu nehmen – wollten amerikanische Hersteller wettbewerbsfähig bleiben.
45 Milliarden Dollar – und ein Engpass namens Kupfer
Rechnerisch reichen die weltweiten Mineralvorkommen laut Wood Mackenzie aus, um die globalen E-Auto-Stückzahlen bis 2040 um 50 Prozent zu steigern. Nur: Vorkommen im Boden sind keine Kabel im Auto. Rund 45 Milliarden Dollar zusätzliche Investitionen in den Metallsektor seien im kommenden Jahrzehnt nötig – der größte Flaschenhals sei Kupfer.
Hinzu kommt die Stromseite. Millionen zusätzlicher Fahrzeuge belasten ohnehin angespannte Netze. Versorger und Regulierer müssten deshalb gesteuertes Laden ausbauen und Ladevorgänge in Zeiten verschieben, in denen Strom reichlich verfügbar ist.
Brüssel rudert zurück – Berlin applaudiert
Die Studie trifft auf ein Europa, das gerade selbst umsteuert: Medienberichten zufolge schlug die EU-Kommission im Dezember 2025 vor, das Verbrenner-Aus 2035 aufzuweichen; statt null CO2 sollen Neuwagenflotten im Schnitt 90 Prozent weniger ausstoßen als 2021. Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte mehr Technologieoffenheit, die Grünen sprachen von einem großen Fehler, der Branchenverband VDA nannte das Gesamtpaket „fatal".
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier das Grundproblem einer Politik, die Technologiepfade per Dekret festlegt: Erst wird die Industrie auf eine Route gezwungen, dann korrigiert man hektisch – während die Rohstofffrage ungelöst bleibt. Wer Öl durch Kupfer ersetzt, tauscht eine Abhängigkeit gegen die nächste.
Was Anleger daraus mitnehmen können
Für Sparer ist die Botschaft klar: Der Kampf um knappe Metalle wird eines der bestimmenden Wirtschaftsthemen der kommenden Jahrzehnte. Physisches Gold und Silber bleiben in einem breit gestreuten Vermögen eine bewährte Beimischung – als Versicherung gegen politische Schnellschüsse und Geldentwertung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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