
Öl über 100 Dollar: Iran-Krieg könnte bis 2029 dauern!

Der Ölpreis ist zurück im dreistelligen Bereich. Die US-Sorte WTI kletterte am Donnerstag auf ein Tageshoch von 100,88 Dollar je Barrel – der höchste Stand seit mehr als drei Monaten. Brent, der internationale Maßstab, sprang um 3,4 Prozent auf 104,69 Dollar. Der Auslöser: Washington und Teheran beschießen sich wieder – und im Weißen Haus wird offenbar mit einem Krieg gerechnet, der Jahre dauert.
Ein Krieg über die Amtszeit hinaus?
Nach einem Bericht des "Wall Street Journal", der sich auf US-Regierungsbeamte stützt, sollen Spitzenberater mit Präsident Donald Trump die Möglichkeit erörtert haben, dass der Iran-Krieg über den Amtseinführungstag im Januar 2029 hinaus andauern könnte. Das steht in bemerkenswertem Widerspruch zu Trumps eigener Aussage vom Mittwoch, der Konflikt werde direkt nach den Midterms enden.
Seit Monaten heißt es aus Washington, das Ende sei nah. Und seit Monaten eskaliert stattdessen die Gewalt. Trump erklärte vor Reportern, Öl- und Benzinpreise würden nach der Wahl fallen – der Iran sei "desperate to try and affect the election", also verzweifelt darauf aus, die Wahl zu beeinflussen.
Tanker in Flammen, Raketen auf Saudi-Arabien
Die Fakten am Boden sprechen eine andere Sprache. Nach dem Bericht habe der Iran mehrfach versucht, amerikanische Kriegsschiffe anzugreifen; das US-Militär habe seit Samstag mindestens acht iranische Tanker zerstört. Verbündete Huthi-Milizen aus dem Jemen attackierten diese Woche Energieanlagen in Saudi-Arabien – mehr als 70 Zivilisten wurden verletzt.
Allein im September legte Rohöl damit fast 16 Prozent zu. Medienberichten zufolge liegt der Transit durch die Straße von Hormus seit Beginn des Krieges Ende Februar praktisch am Boden – gemessen daran ist der Preisaufschlag von rund 50 Prozent seit Kriegsausbruch keine Übertreibung, sondern ein Spiegel physischer Knappheit.
Diesel wird zum Brandbeschleuniger
Am schmerzhaftesten wirkt der Markt für Mitteldestillate. In den USA erreichten die Tankstellenpreise am Labor Day einen Rekord, Diesel dürfte in den kommenden Tagen erstmals in der Geschichte die Marke von sechs Dollar je Gallone reißen. Analysten der Bank of America bezeichnen den Dieselmarkt als größte Schmerzquelle überhaupt.
Für Deutschland ist das keine Randnotiz. Diesel treibt Speditionen, Landwirtschaft, Bau und Handwerk – und damit am Ende die Regale im Supermarkt. Deutsche Medien berichten von deutlich gestiegenen Spritpreisen binnen einer Woche. Wer ein Land ausgerechnet in dieser Lage mit CO₂-Aufschlägen und Energiesteuern zusätzlich belastet, muss sich Fragen gefallen lassen.
Wie teuer kann es werden?
Goldman-Sachs-Rohstoffchef Daan Struyven sieht bei weiterer Eskalation ein Risiko von Preisen über 120 Dollar. Ein Branchenexperte warnte, sinkende Transitmengen und Angriffe auf Energieinfrastruktur könnten den physischen Markt weiter verengen. Ein Marktanalyst verwies darauf, dass WTI den Ausverkauf zwischen Juni und Juli komplett aufgeholt habe und Brent klar darüber liege.
Parallel zieht Gold an: Nach Marktberichten stieg die Feinunze um 1,4 Prozent auf rund 4.414 Dollar – getrieben von schwächerem Dollar, Rekord-Ölpreisen und, wie Beobachter anführen, der Rekordverschuldung westlicher Staaten. Kriege werden nicht mit Sparhaushalten finanziert. Diese Lektion ist so alt wie das Papiergeld selbst.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger muss eigenverantwortlich recherchieren und entscheiden; Märkte für Rohstoffe und Edelmetalle können stark schwanken.
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