
Öl-Schock: IEA meldet tiefstes Defizit seit fünf Jahren

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose für das globale Ölangebot erneut kassiert. Laut dem am Mittwoch veröffentlichten Monatsbericht dürfte die Weltförderung 2026 um 4,3 Millionen Barrel pro Tag einbrechen – deutlich mehr als die 3,7 Millionen, die noch im Juli erwartet wurden. Grund: Die Straße von Hormus bleibt dicht.
Damit sinkt das globale Angebot auf rund 102 Millionen Barrel täglich. Es ist der niedrigste Wert, den die Agentur für dieses Jahr bislang genannt hat.
1,8 Millionen Barrel fehlen – jeden Tag
Für das laufende dritte Quartal rechnet die IEA mit einem Angebotsdefizit von 1,8 Millionen Barrel pro Tag. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vormonatsbericht geschätzt – und dem Bericht zufolge das tiefste Quartalsdefizit seit dem Schlussquartal 2021.
Aufs Gesamtjahr gerechnet klafft eine Lücke von 1,27 Millionen Barrel täglich zwischen Angebot und Nachfrage. Im Juli waren es noch 860.000.
Die Ursachen listet die Agentur nüchtern auf: die Blockade von Hormus, die US-Blockade iranischer Exporte, Angriffe am Bab al-Mandab und geringere Ausfuhren des kasachischen CPC-Blends. Die Nahost-Förderung lag im Juli demnach 8,3 Millionen Barrel unter Vorkriegsniveau.
Lager leeren sich – Preise auf Achterbahnfahrt
Seit Ende Februar sind die weltweit sichtbaren Ölvorräte laut IEA um 410 Millionen Barrel geschrumpft. Im Juli rutschten sie erstmals seit April 2025 unter die Marke von 7,9 Milliarden Barrel. Ein Puffer, der sich Monat für Monat weiter abnutzt.
Am Markt schlägt das durch: Brent kletterte Medienberichten zufolge am 23. Juli zeitweise auf 105 US-Dollar je Barrel und notierte zum Berichtszeitpunkt bei etwa 92 Dollar. Die US-Energiebehörde EIA hat ihre Brent-Prognose für das dritte Quartal auf rund 85 Dollar angehoben – elf Dollar mehr als noch im Monat zuvor.
Der IEA-Chef hatte die Lage bereits im Frühjahr als schwerwiegender bezeichnet als die Krisen von 1973, 1979 und 2022 zusammen.
Wenn der Preis die Nachfrage erschlägt
Der Schock frisst sich in die Realwirtschaft. Die IEA erwartet für 2026 einen Rückgang des globalen Ölverbrauchs um 1,6 Millionen Barrel pro Tag – nicht, weil die Welt sparsamer würde, sondern weil sich viele Verbraucher in Asien und Nahost den Sprit schlicht nicht mehr leisten können. Das ist keine Energiewende, das ist Verzicht per Preisschock.
Auch die Raffinerien schwächeln: Die weltweite Rohölverarbeitung lag im Juli fünf Millionen Barrel unter Vorjahr. Russlands Raffinerien liefen nach ukrainischen Drohnenangriffen mit 3,9 Millionen Barrel nahe einem 20-Jahres-Tief, die Kraftstoffexporte halbierten sich auf 1,4 Millionen Barrel.
Zwischen Zweckoptimismus und Tankertracking
Für 2027 stellt die IEA einen Überschuss von 4,61 Millionen Barrel in Aussicht – allerdings nur, wenn die Kämpfe abklingen und die Handelsströme zurückkehren. Ein gewaltiges Wenn.
Auffällig ist die Diskrepanz zu Washington: Der US-Energieminister hatte erklärt, die regionalen Ölflüsse lägen bei rund 15 Millionen Barrel und hätten am Sonntag das Vorkriegsniveau übertroffen. Der Datendienst Kpler erklärte, seine Schiffsverfolgungsdaten ließen sich damit nicht in Einklang bringen; die EIA verweist weiter auf stark eingeschränkte Hormus-Passagen.
Für deutsche Verbraucher und Industrie heißt das: teure Energie bleibt vorerst der Normalzustand – mit allen Folgen für Inflation, Produktionskosten und Kaufkraft. Wer sein Vermögen gegen solche geopolitischen Schockwellen absichern will, hat in der Geschichte gute Erfahrungen mit physischen Edelmetallen als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio gemacht.
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