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22.10.2026
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Öl-Paradox am Golf: Mehr Fässer als vor dem Krieg – und trotzdem teurer!

Öl-Paradox am Golf: Mehr Fässer als vor dem Krieg – und trotzdem teurer!
Symbolbild: KI-generiert

Raketen, Drohnen, brennende Tanker – und trotzdem fließt am Persischen Golf mehr Öl als vor dem Irankrieg. Laut Daten des Schiffsdatendienstes Kpler, über die das Wall Street Journal berichtet, verließen in der Woche bis zum 18. Oktober täglich mehr als 24 Millionen Barrel die Region. Vor Kriegsbeginn lag der Schnitt bei 23,3 Millionen Barrel. Die Autofahrer in Deutschland haben davon allerdings nichts.

Die Financial Times kommt auf Grundlage derselben Kpler-Daten sogar auf 24,6 Millionen Barrel täglich, gezählt sind die Golfproduzenten ohne den Iran. Ist die Krise damit vorbei? Leider nein.

Hormus bleibt das Nadelöhr

Denn ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt etwas anderes. Durch die Straße von Hormus selbst und über die Umladeplätze im Golf von Oman liefen vorläufigen Kpler-Zahlen zufolge nur rund 14 Millionen Barrel am Tag, also etwa 82 Prozent des Vorkriegsniveaus. Dass die Gesamtmenge trotzdem gestiegen ist, liegt an Umwegen.

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate schicken ihr Öl verstärkt durch Pipelines zu Häfen am Roten Meer oder an Terminals außerhalb der Meerenge. Laut Kpler wurden im September rund 40 Prozent des nicht-iranischen Rohöls aus der Golfregion an Hormus vorbeigeleitet. Vor dem Krieg waren es lediglich 17 Prozent.

Pendelverkehr durch die Todeszone

Auch auf dem Wasser hat sich einiges geändert. Früher fuhr ein Tanker in einem Stück vom Golf bis nach China. Heute holen Schiffe, deren Betreiber das Risiko in Kauf nehmen, das Öl im Golf ab, fahren durch Hormus und laden es draußen auf einen anderen Tanker um. Danach geht es zurück zur nächsten Ladung. Dem WSJ zufolge bietet amerikanische Luftüberwachung entlang der omanischen Küste dabei einen gewissen Schutz.

40 Millionen Dollar Prämie pro Supertanker

Warum lässt sich überhaupt jemand auf diese Fahrten ein? Wegen des Geldes. Nach einer im WSJ zitierten Kpler-Schätzung verdienen Händler beim Weiterverkauf irakischen Öls rund 20 Dollar je Barrel mehr als vor dem Krieg. Für eine volle Supertankerladung wären das etwa 40 Millionen Dollar zusätzlich.

Auch die Seeleute bekommen hohe Zuschläge. Ein chinesischer Personalvermittler soll laut dem Bericht bis zu 25.000 Dollar für eine einzige Hin- und Rückfahrt in den Golf geboten haben. Sicher ist der Job deshalb nicht: Für den Oktober zählte die Zeitung anhand von Sicherheitsmeldungen rund 30 Angriffe auf Schiffe.

Warum die Tankstelle trotzdem nicht billiger wird

Die Umwege haben ihren Preis. Durch Pendelfahrten und Umladungen ist ein großer Teil der weltweiten Tankerflotte gebunden, und wegen der Angriffe steigen die Versicherungsprämien kräftig. Die höheren Exporte werden also mit deutlich höheren Frachtkosten bezahlt. Asiatische Raffinerien reagieren nach Reuters-Angaben bereits darauf: Sie setzen kleinere Tanker ein oder kaufen das Öl gleich inklusive Lieferung und überlassen den Transport den Verkäufern.

Am Markt ist von Entspannung nichts zu sehen. Medienberichten zufolge stieg die Nordseesorte Brent in dieser Woche über 110 Dollar je Barrel, so hoch wie seit Mai nicht mehr. Neue Angriffe im Golf haben die Sorge vor einem weiteren Inflationsschub verstärkt. Teheran kann die Exporte seiner Nachbarn offenbar weniger wirksam drosseln als befürchtet. Doch jede neue Attacke kann Fahrten verzögern, Umladungen behindern und die Kosten erneut nach oben treiben.

Was das für deutsche Sparer bedeutet

Deutschland zahlt ohnehin schon hohe Energiepreise, auch wegen hausgemachter Abgaben und einer Energiepolitik, die Kritiker seit Jahren als realitätsfern bezeichnen. Teures Öl macht das noch schlimmer: Es treibt die Inflation an, schmälert die Kaufkraft und setzt die ohnehin schwache Industrie zusätzlich unter Druck. Das Ganze kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Staat mit Sondervermögen in Milliardenhöhe neue Schulden anhäuft.

Wer sein Erspartes vor solchen Schocks schützen will, braucht Werte, die nicht von Tankerrouten und Regierungsversprechen abhängen. Physisches Gold und Silber haben sich in geopolitischen Krisen über Jahrhunderte als Wertspeicher bewährt. In einem breit gestreuten Portfolio können sie eine sinnvolle Beimischung sein.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Rohstoffen oder Edelmetallen. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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