
Öl-Milliarden im Iran-Krieg: Trump wütet, Europa schielt auf Sondersteuern

Die fünf westlichen Ölriesen haben im zweiten Quartal 48 Milliarden Dollar Gewinn eingefahren – und fast 90 Milliarden Dollar an Cash generiert. Das ist ein Allzeithoch, höher noch als im Schockjahr 2022 nach Russlands Überfall auf die Ukraine. Der Treiber: die Eskalation zwischen den USA und Iran, die die Energiepreise nach oben katapultierte.
Exxon, Chevron, BP, Shell, Total – und ein wütender Präsident
Ausgerechnet Donald Trump, den man kaum als Feind der Ölindustrie kennt, ging vergangene Woche auf Exxon Mobil und Chevron los. Die Konzerne verdienten an den hohen Spritpreisen „zu viel Geld“, so der US-Präsident, der erneut niedrigere Preise an der Zapfsäule verlangte.
Ein bemerkenswerter Vorgang. Denn Trumps eigene Devise lautet seit Jahren „drill, baby, drill“ – maximale Förderung, billige Energie. Nur: Genau das passiert offenbar nicht.
Wo landet das Geld? Nicht in neuen Bohrlöchern
Der Energie-Finanzanalyst Clark Williams-Derry von der Non-Profit-Organisation IEEFA verwies gegenüber CNBC darauf, dass Investitionen, Dividenden und Aktienrückkäufe stabil geblieben seien. Die Konzerne hätten den Geldregen also weder in Bohrtürme noch in großzügigere Ausschüttungen gesteckt.
Stattdessen: Kassen füllen, Schulden abbauen. Die Liquiditätsreserven der fünf Supermajors stiegen laut IEEFA binnen eines Quartals um gut 17 Milliarden Dollar. Williams-Derry beschrieb das Geschäftsmodell mit spitzer Zunge:
„Die zynische Beschreibung des Finanz-Playbooks der Ölindustrie lautet: ‚Bete für Krieg.‘“
Die Konzerne, so seine Argumentation, bräuchten periodische Preisspitzen – Ukraine, Iran – um ihre Bilanzen zu sanieren. Aus Sicht der Ölmultis seien Preisexplosionen „ein Feature, kein Bug“.
Die Konzerne selbst geben sich bescheiden
BP-Chefin Meg O'Neill erklärte am 4. August im CNBC-Format „Squawk Box Europe“, man konzentriere sich auf das Beeinflussbare: Zuverlässigkeit der Förderanlagen und Raffinerien. Die Raffinerieläufe seien angepasst worden, um besonders gefragte Produkte wie Kerosin und Diesel bereitzustellen.
Shell-Chef Wael Sawan bezeichnete Volatilität als „die neue Normalität“ – höhere Rohstoffpreise hätten dem Ergebnis massiven Schub gegeben. Shell selbst zeigte Expansionswillen und übernahm den kanadischen Energiekonzern ARC Resources für 16,4 Milliarden Dollar.
Russ Mould, Investmentdirektor bei AJ Bell, sieht die Branche dennoch vorsichtig agieren. Neue Öl- und Gasfelder würden mit Zurückhaltung angegangen, die Investitionsbudgets blieben straff. Der Grund? Der Geldregen könnte nicht nachhaltig sein – etwa wenn USA und Iran zu einer dauerhaften Einigung kämen. Oder wenn neue Steuern drohen.
Portugal macht's vor – Europa greift wieder zu
Und die drohen. Umweltkampagnen fordern Übergewinnsteuern, um daraus etwa Hochwasser- und Brandschutz zu finanzieren. Portugals Regierung hat nach Medienberichten bereits eine Sonderabgabe auf außerordentliche Gewinne von Öl- und Raffineriefirmen für 2026 gebilligt.
Der US-Branchenverband API, der rund 600 Unternehmen vertritt, hält dagegen: Übergewinnsteuern senkten keine Verbraucherpreise, sondern entmutigten jene langfristigen Investitionen, die Versorgungssicherheit überhaupt erst schaffen. Energiesicherheit lasse sich nicht herbeisteuern.
Aus Sicht unserer Redaktion ein Argument, das europäische Politiker zu oft überhören. Wer Kapital abschöpft, sobald es einmal reichlich fließt, darf sich nicht wundern, wenn in den mageren Jahren niemand investiert. Am Ende zahlt der Bürger – an der Tankstelle und über die Stromrechnung.
Was Anleger daraus lesen können
Die Botschaft ist unbequem: Geopolitische Eskalation treibt Energiepreise, Energiepreise treiben Inflation, und Inflation frisst Kaufkraft. Wer Vermögen über Krisen hinweg bewahren will, kommt an der Frage nach krisenfesten Sachwerten nicht vorbei. Physisches Gold und Silber haben sich historisch als Ergänzung in breit gestreuten Portfolios bewährt – unabhängig von Bilanzakrobatik und politischer Willkür.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Die Inhalte spiegeln unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren beziehungsweise fachkundigen Rat einholen.
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