
Nürtingen: Vier Übergriffe, ein Verdächtiger – und ein Staat, der seine Frauen nicht mehr schützen kann

Es ist eine Meldung, die sich in diesem Land mittlerweile mit erschreckender Regelmäßigkeit wiederholt – und die uns dennoch nicht abstumpfen lassen darf. In Nürtingen, im beschaulichen Baden-Württemberg, soll ein einziger Mann innerhalb weniger Tage gleich vier Frauen und Mädchen heimgesucht haben. Ein dreizehnjähriges Mädchen. Eine 57-jährige Radfahrerin. Eine 47-Jährige. Eine 35-Jährige. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Polizeipräsidium Reutlingen vermelden nun einen Festnahmeerfolg. Doch was bleibt, ist die bittere Frage: Wie konnte es überhaupt so weit kommen?
Eine Spur der mutmaßlichen Gewalt
Bekannt geworden seien zunächst zwei Vorfälle, so die Ermittler. Am Mittwoch soll ein erst dreizehnjähriges Mädchen auf einem Verbindungsweg zwischen Nürtingen und Neckarhausen angegriffen worden sein. Auf einer angrenzenden Wiese sei es laut Polizei zu einem Sexualdelikt gekommen, das Kind wurde dabei verletzt. Man stelle sich das einmal vor: ein Kind, das an einem ganz gewöhnlichen Tag auf einem ganz gewöhnlichen Weg unterwegs ist – und zum Opfer wird.
Nur einen Tag später, am Donnerstag, soll eine 57-jährige Radfahrerin auf demselben Weg vom Fahrrad gezerrt und attackiert worden sein. Die Polizei sprach von einer „offenbar sexuell motivierten Absicht". Der mutmaßliche Täter habe die Flucht ergriffen, als sich eine weitere Frau näherte. Im Laufe der Ermittlungen meldeten sich zwei weitere Frauen – eine 47-Jährige, die verbal belästigt worden sei, und eine 35-Jährige, die nach eigenen Angaben von einem Radfahrer unsittlich berührt worden sei.
25 Beamte für einen einzigen Mann
Bei der Kriminalpolizeidirektion Esslingen sei eigens eine 25-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet worden, die „unter Hochdruck" gearbeitet habe. Am Freitagvormittag schließlich habe man in Nürtingen einen Tatverdächtigen samt Begleiter vorläufig festnehmen können. Beteiligt gewesen seien uniformierte wie auch verdeckt eingesetzte Kräfte.
Ein einzelner Mann bindet ein Vierteljahrhundert an Ermittlerkapazität – während andernorts Bürger vergeblich auf die Aufklärung von Einbrüchen warten.
Man muss sich diese Bilanz auf der Zunge zergehen lassen: Es brauchte eine ganze Sonderkommission, um einen einzigen mutmaßlichen Serientäter dingfest zu machen. Das ist kein Vorwurf an die Beamten, die hier ohne Zweifel hervorragende Arbeit geleistet haben. Es ist ein Vorwurf an eine Politik, die unsere Sicherheitsbehörden seit Jahren an die Belastungsgrenze treibt und gleichzeitig die Ursachen solcher Zustände kleinredet.
Das beredte Schweigen über den Tatverdächtigen
Weitere Angaben zum Tatverdächtigen machten die Behörden zunächst nicht, heißt es lapidar. Und genau hier beginnt jenes Muster, das viele Bürger längst durchschaut haben. Wo Täterbeschreibungen verschwiegen werden, wo Herkunft und Hintergrund unter dem Deckmantel des Datenschutzes verschwinden, da wächst das Misstrauen – und das völlig zu Recht. Die Menschen in diesem Land haben ein Recht darauf, zu erfahren, wer ihre Töchter, Mütter und Großmütter bedroht.
Es ist nicht allein die Meinung unserer Redaktion, sondern die einer breiten Mehrheit der Bevölkerung, dass die ausufernde Gewaltkriminalität in Deutschland kein Naturereignis ist. Sie ist das Ergebnis einer jahrelang verfehlten Migrations- und Sicherheitspolitik, die Grenzen offen ließ und Konsequenzen vermied. Wer am Mittwoch ein Kind und am Donnerstag drei Frauen behelligen kann, der bewegt sich offenkundig in einem Klima der Folgenlosigkeit.
Sicherheit darf kein Luxusgut werden
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Frauen und Mädchen sich in diesem Land nicht mehr sicher auf einem Feldweg bewegen können. Eine Gesellschaft, die ihre Schwächsten nicht zu schützen vermag, hat ihren wichtigsten Auftrag verfehlt. Wir brauchen endlich Politiker, die für die Sicherheit der Bürger einstehen, statt sie auf dem Altar einer ideologischen Wunschvorstellung zu opfern. Den Opfern von Nürtingen ist mit warmen Worten nicht gedient – ihnen wäre mit einem funktionierenden Rechtsstaat geholfen gewesen.
Es bleibt die Hoffnung, dass die Justiz nun ihre Aufgabe erfüllt und konsequent durchgreift. Doch die Erfahrung lehrt leider, dass auf strenge Worte selten strenge Taten folgen. Bis sich das ändert, bleibt jedem Bürger nur, wachsam zu bleiben – und sich nicht von beschwichtigenden Phrasen einlullen zu lassen.
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