
Nur 41 Prozent: TU München stellt Brüssels E-Auto-Traum infrage

Die Technische Universität München geht auf Konfrontationskurs zur europäischen Klimapolitik. Am Dienstag stellt die Hochschule in München eine Studie mit dem Titel „Defossilisation statt Dekarbonisation“ vor. Ihr zentraler Befund: Elektroautos sparen im Schnitt nur rund 41 Prozent CO₂ gegenüber Verbrennern ein – nicht 100 Prozent, wie es die EU-Regulierung unterstellt. Zuerst hatte eine große deutsche Boulevardzeitung darüber berichtet.
Ein Uni-Präsident spricht von „substanzieller Fehlsteuerung“
Initiiert hat die Untersuchung TUM-Präsident Thomas Hofmann. In der Einladung zur Pressekonferenz spricht er von einer
„substanziellen Fehlsteuerung der Europäischen Politik in ihrer Klimastrategie“.
Das ist starker Tobak – und er kommt nicht von einem Lobbyverband, sondern von der Spitze einer der renommiertesten technischen Hochschulen Europas. Ausgewertet wurden den Angaben zufolge 19 Studien mit 47 Szenarien.
Der Trick heißt „Auspuff“
Im Kern geht es um eine Buchungsregel. Die EU-Verordnung 2019/631 behandelt batterieelektrische Fahrzeuge als emissionsfrei, weil am Auspuff nichts herauskommt. Diese Methode halten die Münchner Forscher laut Universität für wissenschaftlich nicht haltbar.
Denn was vor und nach der Fahrt passiert, fällt komplett unter den Tisch: Rohstoffgewinnung, Produktion, Betrieb, Recycling. Das in Stahl und Aluminium gebundene CO₂ zählt nicht. Wie viel Kohlestrom in der Batteriezellfertigung steckt oder später an der Ladesäule fließt – ebenfalls irrelevant für die Statistik.
Man könnte es so formulieren: Wer nur den Schornstein misst, hat die Fabrik dahinter nicht verstanden.
Warum das für Brüssel unangenehm wird
Die Konsequenzen seien erheblich, warnt die TUM. Halte die EU an der reinen Abgasbetrachtung fest, werde sie ihre eigenen Klimaziele deutlich verfehlen – angepeilt sind mindestens 55 Prozent weniger Netto-Treibhausgase bis 2030 gegenüber 1990. Eine Politik, die sich selbst ein Ziel setzt und dann mit einem Messverfahren arbeitet, das die Realität ausblendet: Das ist genau die Art von Regulierungslogik, die viele Bürger längst ermüdet.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Im November stimmen Europaparlament und EU-Rat über das sogenannte Automobilpaket ab – jene Reform, mit der die Kommission nach einem Vorschlag vom Dezember 2025 das für 2035 geplante Verbrenner-Aus teilweise aufweichen will. Hofmann fordert, die Ergebnisse müssten vor den Beratungen in Brüssel „Eingang in die politische Debatte finden“. Sonst drohten „ökonomische und ökologische Fehlsteuerungen erheblichen Ausmaßes“. Es gehe um den „industriellen Kern Deutschlands und Europas“.
Technologieoffenheit statt Dogma?
Befürworter der Elektromobilität halten dagegen, der Strommix werde jedes Jahr sauberer, die Bilanz des E-Autos verbessere sich also laufend. Das stimmt – ändert aber nichts am Kern des Vorwurfs: Eine Verordnung, die einen Antrieb per Definition auf null Emissionen setzt, verzerrt den Wettbewerb, egal wie sich die Realität entwickelt.
Aus Sicht unserer Redaktion legt die Studie offen, was Kritiker seit Jahren monieren: Brüssel hat sich auf eine einzige Technologie festgelegt, während in Wilhelmshaven bereits Terminals für die Fahrzeugimporte chinesischer Hersteller geplant werden. Wer eine Industrie umbaut, sollte wenigstens korrekt rechnen.
Was Anleger daraus mitnehmen
Für Sparer ist die Botschaft unbequem: Politisch gesetzte Rahmenbedingungen können ganze Branchen über Nacht entwerten – oder aufwerten. Wer sein Vermögen breit aufstellt, reduziert diese Abhängigkeit. Physische Edelmetalle sind dabei seit Jahrhunderten die Anlageklasse, die keine Verordnung wegregulieren kann.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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