
Nach der Sonnenfinsternis: Augenärzte melden erste Netzhautschäden

Das Himmelsschauspiel ist vorbei – die Folgen zeigen sich erst jetzt. Nach der partiellen Sonnenfinsternis vom 12. August 2026 haben Augenärzte in Deutschland bei mehreren Beobachtern nachweisbare Verletzungen der Netzhaut festgestellt. Betroffen sind Menschen, die offenbar ohne geeigneten Schutz in die Sonne geblickt haben.
Christian Richter, Ressortleiter beim Berufsverband der Augenärztinnen und Augenärzte (BVA), sagte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland", ein kleiner Bruchteil derjenigen, die sich untersuchen ließen, habe tatsächlich eine nachweisbare Schädigung der Netzhaut davongetragen. Konkrete Zahlen nannte der Mediziner nicht.
Bis zu 20 Patienten pro Großklinik
Laut Richter stellten sich bundesweit in den großen Augenkliniken jeweils bis zu 20 Patienten vor. In den normalen Praxen habe die Spanne von gar keinen bis zu vereinzelten Fällen gereicht. Ein Massenphänomen sieht anders aus – Entwarnung ist das aber nicht.
Denn der Verbandsvertreter warnte ausdrücklich vor unentdeckten Schäden. Es sei noch nicht absehbar, wie viele Menschen Veränderungen erst in den kommenden Tagen bemerken und dann zur Kontrolle gingen. Der Grund ist tückisch: Die Netzhaut selbst besitzt keine Schmerzrezeptoren. Wer sie verbrennt, spürt im Moment der Schädigung schlicht nichts.
Warum die große Katastrophe ausblieb
Dass es nicht deutlich schlimmer kam, führen die Fachleute auf die Aufklärung im Vorfeld zurück. Die Information der Bevölkerung über Schutzmaßnahmen durch die verschiedenen Medien habe wohl geholfen, bilanzierte Richter gegenüber dem RND. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz hatte im Vorfeld eindringlich auf zertifizierte Finsternisbrillen hingewiesen.
Bestätigt wird dieser Befund von den Optikern. Kai Jäger, Präsident des Zentralverbands der Augenoptiker (ZVA), sprach von einer großen Nachfrage nach Sonnenfinsternisbrillen, die viele Betriebe in diesem Jahr spürbar beschäftigt habe. Weil das Wetter mitspielte, sei das Interesse besonders groß gewesen. Meldungen über vermehrte Sehstörungen bei der eigenen Kundschaft lägen dem Verband nach seinen Angaben nicht vor.
Ein Ereignis, wie es Generationen nicht mehr sehen
Der Andrang hatte einen guten Grund. Über Deutschland verschwand die Sonne je nach Region bis zu rund 90 Prozent hinter dem Mond – am stärksten im äußersten Südwesten. Total verfinstert war sie dagegen nur über Grönland, Island und Teilen Spaniens.
Erschwerend kam hinzu: Das Schauspiel begann erst am Abend, bei tief stehender Sonne. Eine rot glühende Abendsonne wirkt harmlos – ist sie aber nicht. Genau diese trügerische Blendfreiheit dürfte manchen dazu verleitet haben, es doch einmal ohne Filter zu versuchen. Wer in Deutschland eine echte totale Sonnenfinsternis erleben will, muss übrigens Geduld mitbringen: Erst am 3. September 2081 wird es wieder so weit sein.
Die unbequeme Lehre
Bemerkenswert ist an dieser Geschichte weniger die Zahl der Verletzten als das, was funktioniert hat: nüchterne Information statt Panikmache – und Bürger, die selbst Verantwortung übernahmen und rechtzeitig zur zertifizierten Brille griffen.
Fachleute raten allen, die nach dem 12. August verschwommen sehen, Farben verändert wahrnehmen oder einen dunklen Fleck im Zentrum des Blickfelds bemerken, zeitnah einen Augenarzt aufzusuchen. Solche Beschwerden können auf eine sogenannte Sonnenfinsternis-Netzhautschädigung hindeuten – und die verschwindet nicht immer von allein.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.
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