
Musks Billionen-Poker: Schmiedet er aus Tesla und SpaceX ein Super-Imperium?

Elon Musk lässt eine Fusion von Tesla und SpaceX prüfen. Das gab der Tech-Milliardär bei der Vorlage der SpaceX-Quartalszahlen am 20. Oktober bekannt. Gemeinsam kämen beide Konzerne auf einen Börsenwert von knapp 3,4 Billionen Dollar. Damit stünde einer der größten Deals der Wirtschaftsgeschichte im Raum, und es geht dabei um viel mehr als Raketen und Roboter.
Sonderausschüsse am Zug, Musk muss draußen bleiben
Beide Unternehmen hätten auf Wunsch von Aktionären unabhängige Sonderausschüsse eingerichtet, erklärte Musk. Er selbst sei wegen seiner Beteiligungen an beiden Firmen von den Gesprächen ausgeschlossen. Grundsätzlich halte er einen Zusammenschluss zwar für sinnvoll. Als beschlossene Sache solle man ihn aber noch nicht betrachten.
Die größte Hürde stehe bei Tesla, so Musk. Dort müssten mindestens 50 Prozent aller Aktien zustimmen. Bei SpaceX besitzt er die Stimmenmehrheit ohnehin schon. Die Börse reagierte begeistert: Die Tesla-Aktie legte nachbörslich um gut zwei Prozent zu, SpaceX stieg laut Medienberichten zeitweise um mehr als acht Prozent.
Zahlen wie aus einer anderen Welt
Rückenwind bekommt Musk durch die Quartalszahlen. Im dritten Quartal 2026 verdiente SpaceX unter dem Strich 4,4 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor stand noch ein Verlust von rund 1,1 Milliarden in den Büchern. Der Umsatz stieg um 161 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar, Analysten hatten nur mit etwa 12,7 Milliarden gerechnet.
- KI-Sparte: 7,56 Milliarden Dollar Umsatz, ein Jahr zuvor waren es 813 Millionen. Zu den Kunden zählen unter anderem Google und Anthropic.
- Starlink: 5,2 Milliarden Dollar Umsatz (plus 69 Prozent) und rund 13,6 Millionen Kunden
- Raketenstarts: nur sechs Prozent Wachstum auf 1,77 Milliarden Dollar
Der Raumfahrtkonzern verdient sein Geld inzwischen also vor allem mit Rechenzentren. Das kostet allerdings: Allein im dritten Quartal investierte SpaceX 19,6 Milliarden Dollar, ein großer Teil davon floss in KI-Infrastruktur.
Geht es um Synergien oder um Macht?
Befürworter verweisen auf die technischen Gemeinsamkeiten. Der US-Investor Gene Munster meint, Tesla könne mit Robotaxis und dem humanoiden Roboter Optimus künstliche Intelligenz direkt in der realen Welt einsetzen. Das ergänze SpaceX gut. Gemeinsame Projekte laufen bereits, etwa die geplante Chipfabrik Terafab. Außerdem sollen einzelne Varianten des neuen Roadsters ab 2028 Kaltgas-Düsen von SpaceX bekommen.
Kritische Beobachter sehen noch ein anderes Motiv. Bei Tesla ist Musks Kontrolle schwächer abgesichert als bei SpaceX, wo ihm Aktien mit Sonderstimmrechten die Macht sichern. Seit Jahren will Musk mehr Stimmrechte bei Tesla. Eine „Roboter-Armee“ wolle er nicht aufbauen, solange seine Führungsrolle nicht gesichert sei, hatte er einmal erklärt. Je nachdem, wie die Fusion gestaltet wird, könnte er seine Kontrolle über den neuen Konzern deutlich ausbauen.
Neu ist so etwas nicht. Schon 2016 kaufte Tesla den Solaranbieter SolarCity, an dem Musk ebenfalls beteiligt war. Aktionäre zogen damals wegen eines möglichen Interessenkonflikts vor Gericht, verloren aber.
Europa schaut zu
Auch politisch hätte der Deal Gewicht. SpaceX ist ein wichtiger Auftragnehmer der US-Regierung, auch beim Militär. Starlink ist für die Kommunikation der ukrainischen Armee wichtig. Musk wiederum hat durch Spenden an die Republikaner und seine zeitweilige Arbeit für die US-Regierung viel Einfluss gewonnen.
Und Brüssel? Die EU will mit dem 15,6 Milliarden Euro teuren Satellitenprojekt IRIS² unabhängiger werden. Musk plant dagegen, Starlink innerhalb von drei Jahren von gut 10.000 auf 100.000 Satelliten auszubauen. Ob Europa dieses Tempo mithalten kann, ist fraglich.
Wie viel ist das alles wirklich wert?
Wie bei jedem Mega-Deal lohnt sich ein nüchterner Blick. Die Bewertungen beruhen zu einem großen Teil auf Zukunftsversprechen wie Robotaxis, Robotern und Rechenzentren im All. Ob sich diese Geschäfte rechnen, ist offen. Ein verbindlicher Vertrag, ein Umtauschverhältnis oder ein Zeitplan liegen noch nicht vor. Zudem fiel die SpaceX-Aktie nach dem Börsengang im Juni 2026 zum Ausgabepreis von 135 Dollar zwischenzeitlich wieder darunter.
Wer sein Vermögen nicht nur auf Visionen einzelner Unternehmer setzen will, kann physische Edelmetalle wie Gold und Silber als Ergänzung in einem breit gestreuten Portfolio nutzen. Ihr Wert hängt nicht von Quartalszahlen oder Stimmrechten ab.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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