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06.08.2026
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Moskaus Linienflug nach Damaskus: Wenn ein Ticket für 350 Dollar mehr wert ist als tausend Diplomatennoten

Moskaus Linienflug nach Damaskus: Wenn ein Ticket für 350 Dollar mehr wert ist als tausend Diplomatennoten
Symbolbild: KI-generiert

Sechs westliche Regierungen, darunter selbstverständlich die Bundesrepublik, warnen ihre Bürger eindringlich vor Reisen nach Syrien und in große Teile des Irak. Terrorgefahr, bewaffnete Konflikte, Entführungsrisiko, kaum konsularische Hilfe – die Liste ist lang und in Teilen sicher berechtigt. Nur: Während Berlin, Washington, London, Paris, Ottawa und Canberra ihre Warnhinweise pflegen wie ein Ehrenmal, startet Moskau schlicht wieder die Turbinen. Ab dem 16. August fliegt Syrian Airlines wieder direkt in die russische Hauptstadt. Einmal pro Woche, sonntags, knapp fünf Stunden, rund 350 Dollar in der Economy.

Erster Direktflug seit dem Sturz Assads

Es ist die erste reguläre Verbindung dieser Art seit dem Fall Baschar al-Assads im Dezember 2024. Nach Angaben russischer Medien verkauft die syrische Staatsairline längst Tickets, die Zivilluftfahrtbehörde in Damaskus habe den Start bestätigt. Und der Irak? Iraqi Airways bedient die Strecke Bagdad–Moskau bereits seit vergangenem Dienstag, zweimal wöchentlich. Beide Routen lagen still, seit der Krieg zwischen Israel, den USA und Iran im Frühsommer den Luftraum über halb Nahost dichtmachte. Jetzt öffnet sich dieser Himmel wieder – und zwar zuerst für Russland. Man muss kein Militärstrategieprofessor sein, um zu erkennen, dass hier etwas anderes gelandet wird als Pauschalurlauber.

Der irakische Botschafter in Moskau warb aktiv um russische Touristen: Die Restaurants seien bis zwei Uhr morgens geöffnet, das Leben „absolut sicher“. Der Westen sieht das anders. Beide Seiten dürften ihre Gründe haben – nur sind es nicht die gleichen.

Tartus und Hmeimim: Russlands letzte Anker

Denn hinter der zivilen Fassade tobt ein Machtkampf um zwei Adressen: die Marinebasis Tartus und den Luftwaffenstützpunkt Hmeimim. Es sind Russlands letzte Militärbasen außerhalb des Raums der einstigen Sowjetunion. Tartus ist der einzige Reparatur- und Versorgungshafen Moskaus am Mittelmeer, ein Erbstück aus Sowjetzeiten, das die russische Flottenpräsenz überhaupt erst ermöglicht. Hmeimim wiederum ist zur logistischen Drehscheibe gewachsen, die Moskaus Nahost-Operationen mit dem stetig wachsenden Engagement in Afrika verklammert. Fallen beide weg, verliert Russland seinen einzigen festen militärischen Zugang südlich der eigenen Grenzen. Deshalb wiegt jede Landeerlaubnis, jede Hafenfreigabe, jeder wieder aufgenommene Linienflug ungleich schwerer, als das Wort „Tourismus“ vermuten lässt.

Das russische Außenministerium sprach im Juni von Gesprächen über eine „Neuformatierung“ der Stützpunkte. Die Sprecherin des Hauses ließ wissen, die Zusammenarbeit mit der neuen syrischen Führung entwickle sich sehr aktiv – und könne dazu führen, dass Russland die Basen behalte. Diplomatischer Klartext: Wir verhandeln, und wir zahlen.

Damaskus spielt auf zwei Klaviaturen

Präsident Ahmed al-Scharaa hatte im April noch angekündigt, die verbliebenen russischen Stützpunkte in nationale Ausbildungszentren der syrischen Armee umzuwandeln – nachdem Moskau zuvor über hundert kleinere Basen und Außenposten aufgegeben hatte. Gleichzeitig, so Analysten, bleibe Syrien auf russische Ausrüstung und Ersatzteile angewiesen, weil nahezu das gesamte Arsenal sowjetischer oder russischer Herkunft sei. Im Januar bedankte sich al-Scharaa bei einem Kreml-Besuch für Russlands historischen Beitrag zur Stabilität der Region; Putin versprach Unterstützung bei der Wiederherstellung der syrischen Territorialintegrität. Zur Truppenpräsenz sagte keiner der beiden ein Wort. Schweigen als Verhandlungsposition.

Passend dazu: Ein von den USA sanktioniertes russisches Frachtschiff soll Tartus laut Wall Street Journal bereits im Mai mit Nachschub versorgt haben – möglicherweise mit Material für Hmeimim. Sanktionen, so scheint es, sind vor allem für jene verbindlich, die sie ernst nehmen.

Und Europa? Verschickt Reisehinweise

Hier zeigt sich das ganze Elend westlicher, und ganz besonders deutscher, Außenpolitik. Während Moskau Flugpläne schreibt, Häfen bedient und Fakten schafft, produziert Berlin Formulare. Der Irak nutzt die Moskau-Verbindung als Signal der Unabhängigkeit vom westlichen Reisedruck, ohne die Nähe zu Washington aufzugeben. Damaskus hält beide Türen offen. Beide Hauptstädte balancieren souverän zwischen den Großmächten – während wir Sicherheitswarnungen aktualisieren und uns dabei moralisch überlegen fühlen. Wer glaubt, mit Betroffenheitsrhetorik und Sanktionslisten Geopolitik zu gestalten, wird irgendwann feststellen, dass andere die Landkarte längst neu beschriftet haben. Deutschland ist im Nahen Osten heute schlicht kein Faktor mehr. Das ist keine Schwäche des Landes, sondern das Ergebnis jahrelanger Politik, die Weltmachtprobleme mit Willkommensgesten und Klimazielen zu lösen versuchte.

Was das für Anleger bedeutet

Ein Flugplan als geopolitischer Indikator – man muss es sich klarmachen: Die Ordnung der Nachkriegszeit wird gerade Stück für Stück umgeschrieben, in Häfen, auf Rollbahnen, in Verhandlungszimmern. Für Sparer und Vermögensinhaber heißt das: Vertrauen in Papierversprechen wird in einer Welt, in der Machtblöcke neu vermessen werden, zur riskanten Wette. Physisches Gold und Silber tragen keine Staatsflagge, benötigen keine Landeerlaubnis und sind von keinem Reisehinweis abhängig. Sie sind seit Jahrtausenden das, was übrig bleibt, wenn Bündnisse zerfallen – ein Fundament, das in jedes breit gestreute Vermögen gehört.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und gibt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er begründet weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten noch eine Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für Vermögensverluste jeglicher Art wird keine Haftung übernommen.

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