
Milliarden vom Golf: Scheich landet in Berlin – und Merz hofft

Erstmals in der Geschichte besucht ein Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate Deutschland zum Staatsbesuch. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfing Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan am Donnerstagvormittag mit militärischen Ehren an der Villa Borsig in Berlin. Am Nachmittag folgte das Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz – und die Unterzeichnung von Abkommen, die nach emiratischen Angaben ein Milliardenvolumen haben sollen.
Ein Besuch mit Premierencharakter
Laut Bundespräsidialamt handelt es sich um den ersten Staatsbesuch eines VAE-Präsidenten in Deutschland überhaupt. Diplomatische Beziehungen bestehen bereits seit 1972. Am Abend gab Steinmeier ein Staatsbankett am Spreebogen, am Freitag reist der Gast weiter nach München.
Die Choreografie ist kein Zufall. Beide Seiten hatten vorab erklärt, ihre Partnerschaft auf eine neue Stufe heben zu wollen – eine Reaktion auf die Erschütterungen der Weltlage, allen voran den Krieg mit dem Iran, in den die Emirate nach eigener Darstellung hineingezogen wurden.
Rechenzentren, Rüstung, Rechtshilfe
Medienberichten zufolge stellte eine Vertreterin des emiratischen Außenministeriums in Berlin Milliardeninvestitionen vor allem in den Sektoren Energie und Künstliche Intelligenz in Aussicht. Von deutscher Seite hieß es, im Digitalbereich werde eine umfassende Kooperation vorbereitet, zu der auch der Ausbau von Rechenzentren gehöre.
Auf der Agenda stehen zudem eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit einschließlich Rüstungskooperationen sowie ein Rechtshilfeabkommen in Strafsachen. Die Emirate sind laut den Berichten Deutschlands wichtigster Handelspartner am Golf – noch vor Saudi-Arabien. Das bilaterale Handelsvolumen habe 2025 bei rund 13 Milliarden Euro gelegen. Kanzler Merz hatte bereits im Februar in Abu Dhabi eine Intensivierung der Beziehungen verabredet.
Wer braucht hier eigentlich wen?
Offiziell geht es um den Abbau von Abhängigkeiten – auf beiden Seiten. Doch die Blickrichtung ist verräterisch: Ein Industrieland, das sich jahrelang teure Energiepolitik und ausuferndes Regelwerk geleistet hat, wirbt nun am Golf um Kapital für Strom, Server und KI. Aus Sicht unserer Redaktion ist das weniger Weltpolitik als Bilanzkosmetik für ein Geschäftsmodell, das im eigenen Land unter Druck steht.
Unstrittig ist der Besuch ohnehin nicht. Dem Golfstaat wird in Berichten vorgeworfen, in Sudan und Libyen durch Unterstützung von Rebellengruppen Bürgerkriege anzufachen; Beobachter beschreiben den Herrscher als autoritär regierenden Modernisierer mit Großmachtambitionen.
Streit um Landerechte
Innenpolitisch brisant ist ein Detail, das viele Bürger direkt betreffen könnte: Berichten zufolge könnten am Rande des Besuchs zusätzliche Landerechte für die Fluglinie Emirates verkündet werden. Die Lufthansa lehnt eine weitere Öffnung ab, Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori warnte, zusätzliche Verkehrsrechte gefährdeten den Wirtschaftsstandort. Standorte wie Berlin und Stuttgart wiederum hoffen auf neue Fernverbindungen.
Was Anleger daraus lesen können
Der Vorgang zeigt, wohin Kapital heute fließt: in Energie, Rechenleistung und Rohstoffe. Dass Staaten und Notenbanken gleichzeitig ihre Reserven diversifizieren, ist kein Zufall – physisches Gold und Silber gelten seit Jahrhunderten als Versicherung gegen politische Wetterumschwünge und können in einem breit gestreuten Vermögen eine sinnvolle Beimischung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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