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Metro-Skandal: Kiews Botschafter geht auf die deutsche Wirtschaft los!

Metro-Skandal: Kiews Botschafter geht auf die deutsche Wirtschaft los!
Symbolbild: KI-generiert

Eine Milliarde Rubel für Putins Front, und das ausgerechnet aus der russischen Tochter eines deutschen Traditionskonzerns. Der ukrainische Botschafter in Berlin wirft dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft in einem Gastbeitrag vor, deutsche Firmen würden mit ihrem verbliebenen Russlandgeschäft den Krieg mitfinanzieren. Der Verband weist das am Mittwoch entschieden zurück.

Elf Millionen Euro für Geländewagen und Drohnenabwehr

Ausgelöst hat den Streit eine Überweisung der russischen Metro-Tochter. Rund elf Millionen Euro gingen an den Fonds „Volksfront. Alles für den Sieg!“. Der Fonds rüstet russische Soldaten aus, unter anderem mit Geländewagen und Technik gegen Drohnen.

Laut russischen Medienberichten begründete Metro-Russland-Chef Johannes Tholey die Spende damit, dass man sich als Teil des russischen Wirtschaftssystems an strategischen Initiativen des Staates beteiligen wolle. Die Düsseldorfer Metro AG ging sofort auf Distanz. Die Zahlung sei weder abgestimmt noch genehmigt gewesen. Seit Ende September stehe die Tochter unter vorläufiger staatlicher Zwangsverwaltung, die Zentrale habe deshalb keine operative Kontrolle mehr.

Zwangsverwaltung oder abgekartetes Spiel?

Der Botschafter hält diese Erklärung für dünn. Die Verwaltungsgesellschaft, die nun das Russlandgeschäft führt, sei bereits am 8. September gegründet worden, also rund drei Wochen vor dem Erlass des Kremls vom 28. September. Alleiniger Eigentümer sei Tholey, der langjährige Chef von Metro Russland.

Dazu kommen Medienberichte, nach denen die russische Tochter selbst um die vorübergehende Verwaltung gebeten haben soll. Die französische Zeitung „Le Monde“ hatte berichtet, Metro habe damit einem schlimmeren Szenario zuvorkommen wollen. Für den Diplomaten ist deshalb offen, ob hier wirklich gegen den Willen des Konzerns verstaatlicht wurde. Oder gab es eine stille Absprache?

Kein Einzelfall

Der Fall sei kein Ausrutscher, sondern stehe für ein System, argumentiert der Botschafter. Der Kreml könne westliche Firmen unter Druck setzen und dann für eigene Zwecke einspannen. Auch ein Verkauf sei riskant: Vermögen werde zu Spottpreisen an russische Käufer abgegeben, die das Geschäft weiterführen und Steuern an Moskau zahlen.

Ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht. Die Deutsche Welle berichtet, dass auch andere vom Kreml übernommene Firmen an denselben Fonds gezahlt haben sollen, darunter Töchter von Can-Pack aus Polen, Akzo Nobel aus den Niederlanden und Rockwool aus Dänemark. Nach Nestlé und Auchan traf es im September nun Metro. Metro ist seit 2001 in Russland und betrieb zuletzt Berichten zufolge 91 Großmärkte mit rund 9.000 Beschäftigten. Putin selbst spricht von einer „symmetrischen“ Antwort auf westliche Sanktionen.

Ost-Ausschuss: „Wir sind kein Russland-Ausschuss“

Der Verband mit nach eigenen Angaben rund 400 Mitgliedsfirmen hält dagegen. Gleich nach Beginn der Invasion habe der Vorstand alle Kontakte zu russischen Regierungsvertretern abgebrochen. Seit 2022 gebe es keine Veranstaltungen mehr, die das Russlandgeschäft fördern. Die Russland-Regionaldirektion und der zugehörige Arbeitskreis seien aufgelöst.

Stattdessen berate man Unternehmen gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium bei der Umsetzung der EU-Sanktionen. Der Verband zählt seine Arbeit für die Ukraine auf:

  • einen 2022 eingerichteten Service Desk Ukraine
  • rund 60 Abstimmungsrunden, darunter vier große deutsch-ukrainische Wirtschaftskonferenzen in Berlin
  • Sach- und Geldspenden für das Gesundheitswesen und das Stromnetz

Die bittere Lehre für deutsche Firmen

Der Kern des Streits ist unbequem. Der Ost-Ausschuss sagt, er sei nicht für die Geschäftsentscheidungen seiner Mitglieder verantwortlich. Seit spätestens 2023 sei ein Rückzug aus Russland kaum noch sauber möglich, und ein Ausstieg nütze der Ukraine nicht automatisch. In diesem Punkt sind sich Verband und Botschafter sogar einig. Nur ziehen sie daraus völlig verschiedene Schlüsse.

Für deutsche Unternehmer zeigt der Fall vor allem eines: In einem Land, in dem ein Präsidentenerlass Eigentum über Nacht einkassieren kann, sind Bilanzwerte wenig mehr als ein Versprechen. Klären wollen beide Seiten ihren Streit am Rande der nächsten deutsch-ukrainischen Wirtschaftskonferenz am 20. November.

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