
Massiver Kapitalabfluss beim weltgrößten Gold-ETF: Über 10 Tonnen in einer Woche verloren
Was auf den ersten Blick wie eine beunruhigende Nachricht für Goldanleger klingen mag, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als ein faszinierendes Lehrstück über die Unterschiede zwischen Papiergold und physischem Edelmetall. Der SPDR Gold Trust, seines Zeichens der weltweit größte börsengehandelte Goldfonds, musste in der sechsten Kalenderwoche des Jahres 2026 an jedem einzelnen Handelstag Abflüsse hinnehmen – ein Muster, das Fragen aufwirft.
Tag für Tag schmolzen die Bestände dahin
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nachdem die Goldbestände des SPDR Gold Trust beinahe die psychologisch bedeutsame Marke von 1.090 Tonnen erreicht hatten, setzte ein kontinuierlicher Rückzug ein. Am Freitag der Vorwoche standen noch 1.087,10 Tonnen in den Büchern. Dann begann das Abtropfen: Am Dienstag flossen 3,72 Tonnen ab, am Mittwoch weitere 1,43 Tonnen. Der Donnerstag brachte mit einem Minus von 4 Tonnen den größten Einzelverlust der Woche, bevor am Freitag noch einmal 1,72 Tonnen das Weite suchten. Unter dem Strich standen die Bestände zum Wochenschluss bei lediglich 1.076,23 Tonnen – ein Rückgang von insgesamt 10,87 Tonnen binnen fünf Handelstagen.
Papiergold ist nicht gleich echtes Gold
Doch was bedeutet dieser Abfluss wirklich? Zunächst einmal muss man verstehen, was ein Gold-ETF überhaupt ist – und was er eben nicht ist. Wer Anteile am SPDR Gold Trust erwirbt, hält kein physisches Gold in den Händen. Er besitzt ein Finanzprodukt, ein Stück Papier, das den Goldpreis nachbilden soll. Die täglichen Abflüsse zeigen, dass institutionelle Investoren offenbar kurzfristige Gewinne mitgenommen haben oder ihr Kapital in andere Anlageklassen umschichten. Ob dies ein Zeichen nachlassenden Vertrauens in das gelbe Edelmetall ist? Wohl kaum.
Denn während der Papiergoldmarkt seine üblichen Schwankungen durchlebt, bleibt die fundamentale Nachfrage nach physischem Gold ungebrochen stark. Zentralbanken weltweit – allen voran China, Indien und zahlreiche Schwellenländer – kaufen seit Jahren in einem historisch beispiellosen Tempo physisches Gold. Und das aus gutem Grund: In einer Welt, in der die Schuldenberge der westlichen Industrienationen immer weiter wachsen, in der die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz trotz gegenteiliger Wahlversprechen ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen aufgelegt hat, das nichts anderes ist als eine gigantische Neuverschuldung – in einer solchen Welt suchen kluge Anleger Zuflucht in dem einzigen Geld, das seit Jahrtausenden seinen Wert bewahrt hat.
Die Flucht aus dem Dollar beschleunigt sich
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch die geopolitische Großwetterlage. Trumps aggressive Zollpolitik mit 20 Prozent auf EU-Importe und 34 Prozent auf chinesische Waren hat die Weltwirtschaft in erhebliche Turbulenzen gestürzt. Gleichzeitig mehren sich die Berichte, dass China damit beginnen könnte, sich systematisch aus US-Staatsanleihen zurückzuziehen. Sollte sich dieser Trend verfestigen, dürfte dies den Dollar massiv unter Druck setzen – und Gold als ultimativen sicheren Hafen weiter aufwerten.
Die kurzfristigen Abflüsse aus einem börsengehandelten Fonds sollten daher niemanden nervös machen. Im Gegenteil: Sie erinnern uns daran, wie fragil und volatil Finanzprodukte sein können, die lediglich den Goldpreis abbilden, statt echtes Edelmetall zu repräsentieren. Wer sein Vermögen wirklich schützen will – vor Inflation, vor geopolitischen Verwerfungen, vor der fiskalischen Verantwortungslosigkeit einer politischen Klasse, die das Geld künftiger Generationen mit vollen Händen ausgibt –, der sollte auf physisches Gold und Silber setzen. Denn das glänzt auch dann noch, wenn der letzte ETF-Anteil verkauft ist.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen spiegeln ausschließlich die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener gründlicher Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Für etwaige Verluste, die aus der Umsetzung der hier dargestellten Überlegungen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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