
Maschinenbau-Sterben am Bodensee: 150 Jobs bei Engmatec vor dem Aus

Radolfzell verliert einen ganzen Industriebetrieb. Der Prüf- und Automatisierungsspezialist Engmatec stellt seinen Geschäftsbetrieb bis Ende Oktober komplett ein, rund 150 Beschäftigte stehen auf der Straße. Die Kündigungen gingen bereits Ende Juli heraus – ein Investor fand sich bis zuletzt nicht.
Damit endet die Geschichte eines Unternehmens, das 1994 gegründet wurde und Prüfgeräte, Montageanlagen und komplette automatisierte Fertigungslinien für elektronische Baugruppen entwickelte. Also genau jene Technik, mit der Deutschland jahrzehntelang Weltmärkte eroberte.
Eigenverwaltung als letzter Rettungsversuch – gescheitert
Am 2. März beantragte Engmatec beim Amtsgericht Konstanz ein vorläufiges Verfahren in Eigenverwaltung. Das Gericht gab grünes Licht, Geschäftsführer Peter Sauter führte den Betrieb weiter, die Bundesagentur für Arbeit zahlte drei Monate Insolvenzgeld. Der Plan: wirtschaftliche und strukturelle Neuaufstellung.
Doch die Rechnung ging nicht auf. Nach Unternehmensangaben hatten Kunden schon 2025 Projektvolumen zusammengestrichen, Investitionen verschoben oder ganz storniert. Dazu kam wachsender Preisdruck internationaler Wettbewerber – Engmatec verwies dabei ausdrücklich auf Konkurrenten aus Asien.
Spezialisierte Anlagenbauer sind das Frühwarnsystem der Industrie. Sie leben davon, dass andere investieren. Bleiben die neuen Produktionslinien aus – etwa in der schwer angeschlagenen Automobilindustrie, einem zentralen Kundenkreis – bricht das Auftragsbuch schnell weg. Genau das ist hier passiert.
21.500 Stellen weg – und das nur im ersten Halbjahr
Der Fall Engmatec ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom. Der Branchenverband VDMA meldete am 14. August, die Beschäftigung im deutschen Maschinen- und Anlagenbau sei im ersten Halbjahr 2026 um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken – rund 21.500 Stellen fielen weg. Viele Betriebe litten seit geraumer Zeit unter Unterauslastung.
Der Arbeitsmarktexperte des Verbands, Fabian Seus, wird in der Mitteilung deutlich:
„Unternehmen stellen wieder ein, wenn sie investieren. Für Investitionen sind die Kosten am Standort jedoch einfach zu hoch.“
Und noch deutlicher wird der Verband gegenüber der Politik: Viele Unternehmen hätten kein Verständnis mehr für das Zögern der Bundesregierung, obwohl doch alle wüssten, was zu tun sei. Bis Jahresende müssten zentrale Reformen stehen – auch gegen Widerstände. Gefordert werden steuerliche Entlastung, eine Deckelung der Sozialabgaben bei 40 Prozent und endlich echter Bürokratieabbau.
Pleitewelle 75 Prozent über Vor-Corona-Niveau
Die Zahlen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle untermauern das Bild: Im Juli registrierte das IWH 1.689 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften – sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor und satte 75 Prozent über dem Durchschnitt eines Juli der Jahre 2016 bis 2019.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das keine Konjunkturdelle mehr, sondern ein struktureller Standortbefund. Während in Berlin über Sondervermögen in Milliardenhöhe, Klimaziele im Grundgesetz und Rentenpakete debattiert wird, verschwinden im Land leise die Betriebe, die das alles finanzieren sollen. 150 Arbeitsplätze am Bodensee – für die Statistik eine Randnotiz, für die betroffenen Familien eine Katastrophe.
Die bittere Ironie: Der Fachkräftemangel bleibt laut VDMA langfristig ein Thema, gut ein Viertel der Beschäftigten sei 55 Jahre oder älter. Know-how, das jetzt verloren geht, kommt nicht zurück.
Was Sparer daraus mitnehmen sollten
Wenn die industrielle Basis erodiert, wackelt langfristig auch die Kaufkraft der Währung, in der wir alle sparen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber sind seit Jahrhunderten ein bewährter Stabilitätsanker – als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen, unabhängig von Auftragsbüchern und Bilanzen einzelner Unternehmen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er spiegelt unsere Einordnung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
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