Kostenlose Beratung
07930-2699
200.000
Kunden
Sicherer
Versand
Kettner Edelmetalle
10.02.2026
15:23 Uhr

Macrons Kehrtwende: Plötzlich soll der Dialog mit Russland wieder möglich sein

Man reibt sich verwundert die Augen. Ausgerechnet Emmanuel Macron – jener französische Präsident, der noch vor nicht allzu langer Zeit mit markigen Worten die härteste Gangart gegen Moskau forderte und sogar die Entsendung westlicher Bodentruppen in die Ukraine ins Spiel brachte – fordert nun ein europäisches Umdenken. In einem Interview mit mehreren europäischen Zeitungen, darunter der Süddeutschen Zeitung, erklärte der Élysée-Bewohner unmissverständlich: Europa müsse den Dialog mit Russland wiederaufnehmen. Eine bemerkenswerte Wendung, die Fragen aufwirft.

Geographische Realitäten lassen sich nicht wegdekretieren

Macrons Kernargument ist dabei so simpel wie bestechend: „Unsere geographische Lage wird sich nicht ändern. Ob wir Rußland mögen oder nicht, es wird auch morgen noch da sein." Eine Binsenweisheit, möchte man meinen. Doch für weite Teile der europäischen Politikelite scheint diese Erkenntnis geradezu revolutionär zu sein. Jahrelang hat man sich in Brüssel, Berlin und Paris der Illusion hingegeben, man könne Russland durch Sanktionen, Isolation und moralische Empörung einfach aus der geopolitischen Gleichung streichen. Das Ergebnis? Ein Krieg, der kein Ende findet, eine europäische Wirtschaft, die unter den Folgen der eigenen Sanktionspolitik ächzt, und ein Kontinent, der strategisch orientierungsloser dasteht als je zuvor.

Der französische Präsident zeichnete im Gespräch ein düsteres Bild der geopolitischen Lage Europas. Die Vereinigten Staaten unter Donald Trump agierten zunehmend unberechenbar, China habe sich vom willkommenen Absatzmarkt zum aggressiven Konkurrenten gewandelt, und Russland sei kein verlässlicher Partner mehr. Die alten Gewissheiten – billige Energie aus dem Osten, militärischer Schutz aus dem Westen, grenzenloser Export nach Fernost – seien zerbrochen. Europa stehe vor einer doppelten Herausforderung, wirtschaftlich wie sicherheitspolitisch.

Die Deindustrialisierung als Warnsignal

Besonders bemerkenswert sind Macrons Ausführungen zur wirtschaftlichen Lage. Während China und die USA ihre Industrien konsequent schützten, habe Europa seinen Markt nahezu schrankenlos geöffnet – mit verheerenden Folgen. Schlüsselindustrien stünden unter massivem Druck oder verlören ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Der französische Präsident verwies dabei ausdrücklich auf Deutschland, dessen einstige Exportstärke nach China inzwischen in Defizite umgeschlagen sei. Die beschleunigte Deindustrialisierung in zentralen Branchen sei ein Warnsignal für den gesamten Kontinent.

Hier trifft Macron einen wunden Punkt. Deutschland, einst die industrielle Lokomotive Europas, hat unter Jahren ideologiegetriebener Energiepolitik, erstickender Bürokratie und einer geradezu selbstzerstörerischen Klimaagenda massiv an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Dass ausgerechnet ein französischer Präsident den Deutschen den Spiegel vorhält, hat eine gewisse Ironie – schließlich steht auch Frankreich wirtschaftlich alles andere als glänzend da.

Europäische Investitionen statt nationaler Alleingänge?

Macron sprach sich erneut für gemeinsame europäische Investitionen aus, die auf klar definierte Zukunftsbereiche begrenzt sein sollten. Ziel sei es, schneller und entschlossener handeln zu können, ohne alte Schulden zu vergemeinschaften. Ein Satz, der in deutschen Ohren wie Hohn klingen dürfte. Denn die Erfahrung lehrt: Was als „begrenzte gemeinsame Investition" beginnt, endet in der Regel als dauerhafter Transfermechanismus – und der deutsche Steuerzahler sitzt am Ende der Rechnung.

Gerade erst hat die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen auf den Weg gebracht, das kommende Generationen mit Zinszahlungen belasten wird. Wenn nun auch noch europäische Gemeinschaftsschulden hinzukommen, fragt man sich unwillkürlich: Wer soll das alles bezahlen? Die Antwort ist leider so vorhersehbar wie deprimierend – der deutsche Michel, wie immer.

Doppelmoral in Reinkultur

Was an Macrons Vorstoß besonders bitter aufstößt, ist die offenkundige Doppelmoral. Wenn Vertreter der AfD seit Jahren genau das fordern – Dialog mit Russland, europäische Eigenständigkeit, Schutz der heimischen Industrie –, werden sie als Putin-Versteher diffamiert, als Landesverräter gebrandmarkt und vom politischen Diskurs ausgeschlossen. Wenn hingegen der französische Präsident dieselben Forderungen erhebt, nickt das politische Establishment wohlgefällig. Diese Asymmetrie in der Bewertung identischer Positionen offenbart ein fundamentales Problem der europäischen Debattenkultur: Es kommt offenbar weniger darauf an, was gesagt wird, als vielmehr darauf, wer es sagt.

Macron betonte, der Dialog mit Moskau sei kein Ausdruck von Nachgiebigkeit, sondern ein Gebot europäischer Eigenständigkeit. Der Krieg in der Ukraine sei in eine Phase eingetreten, in der über ein Ende nachgedacht werden müsse. Europa werde die Folgen eines künftigen Friedens unmittelbar tragen und müsse deshalb eine eigene Verhandlungsfähigkeit entwickeln. Richtige Worte – die allerdings um Jahre zu spät kommen.

Das deutsch-französische Verhältnis auf dem Prüfstand

Das Verhältnis zu Deutschland bezeichnete Macron als stabil. Die Zusammenarbeit mit Bundeskanzler Friedrich Merz sei eng, Differenzen innerhalb Europas normal. Entscheidend sei, dass das deutsch-französische Verhältnis handlungsfähig bleibe, insbesondere bei Industrie- und Rüstungsprojekten. Doch hinter der diplomatischen Fassade brodelt es. Deutschland und Frankreich verfolgen in zentralen Fragen – von der Fiskalpolitik über die Energiestrategie bis zur Verteidigungsarchitektur – grundlegend unterschiedliche Ansätze. Ob die neue Große Koalition in Berlin den Mut aufbringt, Macrons Avancen mit eigenen strategischen Impulsen zu beantworten, bleibt abzuwarten.

Eines steht fest: Europa braucht dringend einen Kurswechsel. Die bisherige Politik der moralischen Selbstüberhöhung bei gleichzeitiger strategischer Selbstverzwergung hat den Kontinent in eine Sackgasse geführt. Ob ausgerechnet Emmanuel Macron – der Meister der großen Geste bei überschaubarer Umsetzung – der richtige Mann ist, um diesen Kurswechsel einzuleiten, darf bezweifelt werden. Im April 2027 stehen in Frankreich Präsidentschaftswahlen an. Bis dahin wird sich zeigen, ob Macrons späte Einsichten mehr sind als bloße Rhetorik eines Politikers, dem die Zeit davonläuft.

Wissenswertes zum Thema

Erhalten Sie kostenlose Tipps um Ihr Vermögen zu schützen und als erster von neuen Produkten zu erfahren

Sie möchten regelmäßig über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert werden? Dann melden Sie sich hier für den kostenfreien Kettner Edelmetalle Newsletter an.

Durch Eingabe Ihrer E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Abschicken“ geben Sie die folgende Einwilligungserklärung ab: „Ich bin damit einverstanden, per E-Mail über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert zu werden und willige daher in die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse zum Zwecke der Zusendung des Newsletters ein. Diese Einwilligung kann ich jederzeit und ohne Angabe von Gründen mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Die Rechtmäßigkeit der bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung bleibt im Falle des Widerrufs unberührt.“

Willst du Teil unserer Erfolgsstory sein?

Werde jetzt Teil vom #TeamGold

Offene Stellen