
Machtspiele um die Fed: Powell vor dem Abgang, Warsh vor dem Sprung an die Spitze

Während die Welt auf eine weitere Sitzung der US-Notenbank blickt, spielt sich in Washington ein politisches Schauspiel ab, das die geldpolitischen Entscheidungen geradezu in den Schatten stellt. Die Federal Reserve dürfte ihre Zinsen einmal mehr unverändert lassen, doch das eigentliche Drama findet abseits der nüchternen Zinsstatistiken statt: Es geht um Macht, um Personalien und um die Frage, wer künftig den Ton an der Spitze der mächtigsten Notenbank der Welt angibt.
Zinsen auf Halten – die Notenbanker zaudern
Nach einem Bericht von Bloomberg sei davon auszugehen, dass die Währungshüter um Jerome Powell den Leitzins zum dritten Mal in Folge in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen würden. Die Begründung klingt vertraut: Der Iran-Krieg bringe Inflationsrisiken zurück auf die Agenda, gleichzeitig zeige sich die US-Wirtschaft erstaunlich robust. Der Arbeitsmarkt halte stand, die Konsumausgaben blieben stabil, und die Einzelhandelsumsätze kletterten im März so kräftig wie seit einem Jahr nicht mehr.
Doch hinter dieser zur Schau gestellten Gelassenheit verbirgt sich bare Ratlosigkeit. Robert Tetlow, einst selbst Berater der Fed, brachte es auf den Punkt: Die Notenbanker würden „so langweilig wie möglich“ auftreten und sich auf die Floskel zurückziehen, man sei „gut positioniert, in beide Richtungen zu reagieren“. Mit anderen Worten: Man weiß es schlichtweg nicht. Diane Swonk, Chefökonomin bei KPMG, formulierte es kaum schmeichelhafter: Der nächste Zinsschritt könne ebenso nach oben wie nach unten gehen. Eine Zentralbank, die im Blindflug navigiert – das ist die Realität hinter den polierten Pressekonferenzen.
Inflation frisst sich fest
Die Verbraucherpreise sind im März so kräftig gestiegen wie seit fast vier Jahren nicht mehr, getrieben vor allem von höheren Benzin- und Dieselpreisen. Gregory Faranello von AmeriVet Securities warnte unverblümt: Je länger die Inflation auf erhöhtem Niveau verharre, desto stärker belaste sie das Wachstum. Eine Botschaft, die auch europäische Sparer hellhörig machen sollte, denn der Kaufkraftverlust ist längst kein amerikanisches Phänomen mehr, sondern ein globales Problem, das die Notenbanken seit Jahren mit ihrer Niedrigzinspolitik selbst verursacht haben.
Der Powell-Abgang und der Aufstieg von Kevin Warsh
Doch das eigentlich Brisante spielt sich auf der Personalebene ab. Powells Amtszeit als Fed-Vorsitzender ende am 15. Mai – die anstehende Sitzung dürfte seine letzte in dieser Funktion sein. Präsident Donald Trump hat bekanntlich Kevin Warsh als Nachfolger ins Rennen geschickt. Warsh, der innerhalb der Republikanischen Partei auf breite Unterstützung trifft, war zuletzt durch eine pikante Affäre ausgebremst worden: Eine strafrechtliche Untersuchung gegen die Fed wegen eines Renovierungsprojekts blockierte die Nachfolgeplanung.
Vergangene Woche entschied das US-Justizministerium überraschend, das Verfahren einzustellen. Senator Thom Tillis, der die Abstimmung zuvor noch blockiert hatte, gab am Sonntag grünes Licht, nachdem ihm zugesichert worden sei, dass die Ermittlungen vollständig beendet seien. Der Bankenausschuss des Senats werde am 29. April über die Nominierung Warshs abstimmen. Damit ist der Weg frei – zumindest fast. Denn die zuständige Staatsanwältin Jeanine Pirro stellte klar, dass eine erneute Untersuchung nicht ausgeschlossen sei, sollten neue Erkenntnisse dies rechtfertigen.
Powell bleibt – als Schatten im Direktorium
Bemerkenswert: Powell hat angekündigt, auch nach dem Ende seines Vorsitzes im Direktorium der Fed verbleiben zu wollen. Sein Mandat laufe schließlich noch bis 2028. Er habe die Ermittlungen von Beginn an als politisch motivierten Druckversuch kritisiert – eine Lesart, die viele Beobachter teilen. Die Frage, die sich aufdrängt: Wie reibungslos wird ein Übergang verlaufen, wenn der scheidende Chef als Direktor weiter im Boot sitzt und der neue Vorsitzende mit dem Rückenwind eines Präsidenten auftritt, der von der Notenbank deutlich aktivere Geldpolitik einfordert?
David Seif von Nomura sprach von einem „klassischen Übergangsmoment ohne klare Richtung“. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch werde Powell bemüht sein, keine neuen Signale zu senden, die die Märkte verunsichern könnten. Eine geldpolitische Sitzung als reine Choreografie also – während im Hintergrund die eigentlichen Weichen gestellt werden.
Was Anleger aus dem Schauspiel mitnehmen sollten
An den Anleihemärkten zeigt sich die Verunsicherung deutlich: Die Renditen bewegen sich seit Wochen in einer engen Spanne, die Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen im laufenden Jahr schwankt zwischen 30 und 60 Prozent. Erst eine klarere Entwicklung der Ölpreise dürfte für Bewegung sorgen. Doch wer auf eine baldige Erleichterung hofft, dürfte enttäuscht werden. Geopolitische Spannungen, eine festsitzende Inflation und eine Zentralbank im Personalumbruch sind keine Zutaten für ruhige Märkte.
In Zeiten, in denen Notenbanken sich selbst nicht mehr sicher sind, in welche Richtung sie steuern sollen, und politische Querelen zusätzlich auf das Vertrauen drücken, gewinnen jahrtausendealte Wertspeicher wieder an Bedeutung. Physisches Gold und Silber kennen keine Pressekonferenzen, keine Personalrochaden und keine politisch motivierten Untersuchungen. Sie stehen für sich – als Anker in einem Finanzsystem, das zunehmend von Unsicherheit geprägt ist. Eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bleibt daher gerade in solchen Phasen mehr als nur eine theoretische Option.
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