
Lulas Comeback-Coup: Brasilien stoppt Trumps Rechtsruck – Märkte bluten!

Luiz Inácio „Lula“ da Silva hat am 25. Oktober die Stichwahl um Brasiliens Präsidentenamt gewonnen und geht in seine vierte Amtszeit. Er schlug Flávio Bolsonaro, den Sohn seines Vorgängers. Für Donald Trumps Lateinamerika-Strategie ist das ein herber Rückschlag. Die Börse in São Paulo reagierte mit einem Kurssturz.
Ein Comeback, das es so noch nie gab
Nach dem ersten Wahlgang am 4. Oktober sah alles nach einem Machtwechsel aus. Offiziellen Ergebnissen zufolge lag Flávio Bolsonaro mit 47,03 Prozent vor Lula mit 45,16 Prozent. Dann drehte sich das Blatt. In der Stichwahl kam der Amtsinhaber laut Medienberichten auf knapp 52 Prozent und lag mit mehr als vier Millionen Stimmen vorn.
Das ist in Brasilien ein Novum: Noch kein Kandidat hatte nach einer Niederlage im ersten Wahlgang die Stichwahl gewonnen. Wie hat der inzwischen 81-Jährige das geschafft? Kritiker verweisen auf teure Wahlgeschenke und eine hastig gestartete Kampagne in den sozialen Medien, mit der binnen weniger Wochen Millionen Wähler mobilisiert worden seien. Wer die Rechnung am Ende bezahlt, bleibt offen. Erfahrungsgemäß trifft sie den Steuerzahler.
Börsen-Beben und ein Kandidat auf der Flucht?
Investoren hatten auf den wirtschaftsliberalen Bolsonaro gesetzt, der dem aufgeblähten Staatshaushalt mit der „großen Schere“ zu Leibe rücken wollte. Am Montag nach der Wahl stürzte der Bovespa-Index so tief wie seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr. Ein in Tokio gehandelter Bovespa-Fonds verlor Berichten zufolge fast 15 Prozent, auch der Real gab gegenüber dem Dollar deutlich nach.
Der Verlierer akzeptiert das Ergebnis bislang nicht. Er will die Wahl annullieren lassen, weil ein Richter des Obersten Gerichts die Wahllokale zwei Stunden länger öffnen ließ. Analysten halten einen Erfolg für unwahrscheinlich. Medienberichten zufolge soll sich der Senator trotz Ausreiseverbots mit seiner Familie nach Florida abgesetzt haben. Gegen ihn wird unter anderem wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt, es gilt die Unschuldsvermutung. Washington wolle der Familie Visa erteilen. Sein Vater Jair Bolsonaro wurde wegen eines Putschversuchs verurteilt und verfolgte die Wahl aus dem Hausarrest.
Die „Donroe-Doktrin“ stößt an Grenzen
Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus kannte Lateinamerika vor allem eine Richtung: nach rechts. Washington strich 83 Prozent aller Projekte der Entwicklungsbehörde USAID. Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro wurde in einer Kommandoaktion festgesetzt und stand am 5. Januar 2026 in New York vor Gericht. In Argentinien, Honduras und Kolumbien unterstützte Trump offen die Kandidaten der Rechten, und die setzten sich durch.
In Anlehnung an die Monroe-Doktrin von 1823, mit der Washington den Kontinent zur eigenen Einflusszone erklärte, ist spöttisch von der „Donroe-Doktrin“ die Rede. Auch Donald Trump Jr. verbreitete die These, seit dem Ende der USAID-Gelder gewinne die Linke keine Wahl mehr. Tatsächlich siegten seit Frühjahr 2025 sechs Präsidentschaftskandidaten rechts der Mitte. Brasilien beendet diese Serie nun.
Die eigentliche Ursache des Rechtsrucks
Washington allein erklärt den Trend allerdings nicht. Auf die „Rosa Welle“ der 2000er-Jahre folgte eine bittere Ernüchterung. Abschreckendstes Beispiel ist Venezuela: Hugo Chávez finanzierte üppige Sozialleistungen mit Öleinnahmen. Was folgte, waren Hyperinflation, Korruption und ein Massenexodus. Die Angst vor solchen Verhältnissen dürfte viele Wähler mindestens so stark geprägt haben wie jedes Signal aus dem Weißen Haus.
Gespaltenes Land, unsichere Zukunft
Lula kann nun weiterregieren, aber nicht durchregieren. Bolsonaros Partido Liberal stellt künftig die größte Fraktion im Senat (28 von 81 Sitzen) und in der Abgeordnetenkammer (121 von 513). Aus Peking und Neu-Delhi kamen bereits warme Glückwünsche, das Verhältnis zu Washington dürfte frostig bleiben. Brasilien schwankt damit weiter zwischen den USA und den Brics-Staaten.
Für Anleger zeigt dieser Wahlabend, wie schnell politische Entscheidungen Aktienkurse und Währungen abstürzen lassen können. Physisches Gold und Silber sind dagegen an keine Regierung gebunden. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können Edelmetalle Vermögen gegen solche Schocks absichern.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.
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