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Kettner Edelmetalle
17.04.2026
08:26 Uhr

Lufthansa zerschlägt CityLine: 2.200 Mitarbeiter stehen über Nacht vor dem Nichts

Lufthansa zerschlägt CityLine: 2.200 Mitarbeiter stehen über Nacht vor dem Nichts

Was sich wie ein schlechter Scherz anhört, ist bittere Realität geworden: Der Lufthansa-Konzern hat seine Regionaltochter CityLine mit sofortiger Wirkung stillgelegt. 2.200 Beschäftigte erfuhren per interner Mitteilung, dass ihre Arbeitsplätze von einem Tag auf den anderen wegfallen. 27 Canadair-CRJ-Jets bleiben am Boden – für immer. Die offizielle Begründung? Explodierende Kerosinkosten und anhaltende Streiks. Doch wer genauer hinschaut, erkennt ein ganz anderes Kalkül.

Der geplante Kahlschlag im Gewand der Notmaßnahme

Ursprünglich sollte CityLine erst 2028 vom Markt verschwinden. Nun hat der Konzern den Prozess um satte zwei Jahre vorgezogen. Finanzvorstand Till Streichert bezeichnete die Kürzungen angesichts der gestiegenen Kerosinkosten und der geopolitischen Instabilität als „unumgänglich". Gleichzeitig räumte der Konzern ein, dass bereits 80 Prozent des Kerosinverbrauchs abgesichert seien. Wie passt das zusammen? Die Antwort ist so simpel wie ernüchternd: Die Regionaljets galten seit Jahren als Kostenfresser und standen technisch ohnehin vor dem Aus. Die aktuelle Krise dient lediglich als willkommener Vorwand für eine Entscheidung, die in den Vorstandsetagen längst gefallen war.

Besonders pikant: Erst am Mittwoch vor der Stilllegung hatte die Flugbegleitergewerkschaft UFO zu einem zweitägigen Streik bei CityLine aufgerufen. Nun steht die gesamte Belegschaft vor dem Aus. UFO-Verhandlungsführer Harry Jäger sprach von einem „offenen Krieg gegen die eigenen Leute". Und man muss kein Gewerkschaftsfunktionär sein, um zu erkennen, dass der Zeitpunkt dieser Entscheidung kein Zufall ist.

Die wahre Strategie: Billig statt tariftreu

Was Lufthansa hier betreibt, ist ein strategisches Manöver von bemerkenswerter Kaltblütigkeit. Während CityLine stirbt, expandiert die Billigtochter Discover Airlines mit neuen Airbus A350 – einer Marke, die mit deutlich niedrigeren Personalkosten operiert. Das Signal an die Belegschaft könnte kaum deutlicher sein: Wer streikt, wird ersetzt. Nicht durch Kompromisse, sondern durch billigere Strukturen.

Parallel zur CityLine-Schließung werden sechs Langstreckenjets ausgemustert – vier Airbus A340-600 und zwei Boeing 747-400. Die legendären Jumbos sollen 2027 endgültig aus der Flotte verschwinden. Hinzu kommen etwa fünf Mittelstreckenflugzeuge. Der Konzern schrumpft sich gesund – oder versucht es zumindest.

Die klaffende Lücke im Zubringernetz

Doch hier liegt das eigentliche Problem, das der Vorstand geflissentlich herunterspielt. Die Zubringerflüge von CityLine zu den Drehkreuzen Frankfurt und München waren ein neuralgischer Punkt im gesamten Lufthansa-System. Ohne diese Verbindungen drohen Langstreckenmaschinen mit leeren Sitzen abzuheben – ein Albtraum für jede Airline. Die neue Tochter City Airlines soll mittelfristig Teile des Geschäfts übernehmen, steht aber noch nicht bereit. Bis dahin klafft eine Lücke, die Auslastungsprobleme und Umsatzeinbußen nach sich ziehen dürfte.

CityLine-Chef Fabian Schmidt stellte den Mitarbeitern in einer Videoschalte „Anschlussmöglichkeiten in der Gruppe" in Aussicht. Ob das mehr ist als eine hohle Phrase, wird sich zeigen müssen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und UFO bewerten die angebotenen Konditionen jedenfalls als völlig unzureichend.

Ein Symptom des deutschen Wirtschaftsniedergangs

Der Fall CityLine ist mehr als nur eine Konzernentscheidung – er ist ein Sinnbild für den Zustand der deutschen Wirtschaft insgesamt. Während die Politik sich mit ideologischen Projekten beschäftigt und die Energiekosten durch verfehlte Klimapolitik in astronomische Höhen treibt, sterben traditionsreiche Unternehmensteile. Die Kerosinpreise, die Lufthansa als Begründung anführt, sind schließlich auch eine Folge politischer Entscheidungen – von CO₂-Bepreisung über geopolitische Fehleinschätzungen bis hin zu einer Energiepolitik, die Deutschland zum Hochpreisland gemacht hat.

2.200 Menschen, die gestern noch einen sicheren Arbeitsplatz hatten, stehen heute vor einer ungewissen Zukunft. In einem Land, das sich gerne als soziale Marktwirtschaft feiert, ist das ein Armutszeugnis. Die nächste Streikwelle ist bereits programmiert – und sie wird den Konzern teuer zu stehen kommen. Denn eines haben die Gewerkschaften in der Vergangenheit bewiesen: Sie lassen sich nicht kampflos entsorgen.

Für den deutschen Fluggast bedeutet all dies vor allem eines: weniger Verbindungen, höhere Preise und einen weiteren Schritt weg von der einstigen Qualität, die den Namen Lufthansa einmal ausgemacht hat. Der Kranich verliert nicht nur Federn – er verliert seine Seele.

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