
Lufthansa am Boden: Vierte Streikwelle legt Deutschlands Luftverkehr lahm

Es ist ein Schauspiel, das sich in diesem Jahr mit ermüdender Regelmäßigkeit wiederholt – und doch jedes Mal aufs Neue Hunderttausende Reisende in Geiselhaft nimmt. Die Vereinigung Cockpit (VC) hat die Piloten der Lufthansa und mehrerer Tochtergesellschaften zum mittlerweile vierten Warnstreik in diesem Jahr aufgerufen. Seit Montagmorgen stehen die Maschinen still, und das soll bis Dienstag kurz vor Mitternacht so bleiben. Beim Ferienflieger Eurowings trifft es alle Abflüge von deutschen Flughäfen am Montag. Deutschland, die einstige Wirtschaftslokomotive Europas, kann offenbar nicht einmal mehr seinen Flugverkehr zuverlässig aufrechterhalten.
Drehkreuze Frankfurt und München besonders hart getroffen
Die beiden zentralen Lufthansa-Drehkreuze in Frankfurt und München sind das Epizentrum des Chaos. Hunderte Verbindungen pro Tag wurden gestrichen – ersatzlos. Doch die Schockwellen reichen weit über diese beiden Standorte hinaus. Auch am Berliner Hauptstadtflughafen BER, der ohnehin nicht gerade für reibungslose Abläufe bekannt ist, fielen am Montagmorgen zahlreiche Flüge aus. Fluggäste im gesamten Bundesgebiet mussten mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Wer in diesen Tagen fliegen wollte, brauchte vor allem eines: Geduld. Und einen Plan B.
Tarifstreit um Altersvorsorge und Vergütung als Auslöser
Hinter dem Arbeitskampf stehen schwelende Tarifkonflikte, die seit Monaten nicht gelöst werden können. Es geht um die betriebliche Altersversorgung der Cockpit-Beschäftigten sowie um die Vergütung bei der Regionaltochter Cityline. Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr legen die Piloten wegen des Streits um die Altersvorsorge die Arbeit nieder. Die Lufthansa selbst sprach von einer „völlig neuen Stufe der Eskalation" und kritisierte die Spartengewerkschaft scharf. Dass erst vergangene Woche das Kabinenpersonal streikte und sich die Lufthansa-Tochter City Airlines immerhin mit der Gewerkschaft Verdi einigen konnte, macht die Gesamtlage nicht weniger absurd.
Man fragt sich unweigerlich: Wie kann es sein, dass ein Unternehmen von der Größe und Bedeutung der Lufthansa – einst Stolz der deutschen Wirtschaft, während der Corona-Krise mit Milliarden an Steuergeldern gerettet – nicht in der Lage ist, seine internen Tarifkonflikte zu lösen, ohne den gesamten deutschen Luftverkehr regelmäßig lahmzulegen?
Ausnahmen nur für den Nahen Osten
Bemerkenswert ist, welche Flüge vom Streik ausgenommen wurden. Vor dem Hintergrund der aktuellen Eskalation im Nahen Osten bleiben Verbindungen nach Israel, in den Libanon, nach Jordanien, Saudi-Arabien, in die Vereinigten Arabischen Emirate und weitere Destinationen in der Region bestehen. Eine nachvollziehbare Entscheidung – doch sie unterstreicht gleichzeitig die Brisanz der geopolitischen Lage, die Europa und insbesondere Deutschland zunehmend unter Druck setzt.
Welche Rechte haben betroffene Fluggäste?
Wer ein Ticket der Lufthansa, Austrian, Swiss, Brussels Airlines oder Air Dolomiti besitzt, das bis einschließlich dem 11. April ausgestellt wurde und für Flüge am 13. oder 14. April gebucht war, könne kostenfrei auf einen anderen Flug der Lufthansa Group im Zeitraum vom 11. bis 21. April umbuchen. Alternativ bestehe die Möglichkeit, das Ticket bis einschließlich 13. April erstatten zu lassen. Bei annullierten Flügen ohne verfügbaren Ersatz bietet die Lufthansa zudem an, das Ticket über den sogenannten „Good for Train Service" in ein Zugticket der Deutschen Bahn umzutauschen. Ob die notorisch unpünktliche Bahn allerdings eine verlässliche Alternative darstellt, dürfte so mancher Reisende mit einem bitteren Lächeln quittieren.
Ein Symptom tieferliegender Probleme
Vier Streikwellen in einem einzigen Jahr – das ist kein Zufall, sondern ein Symptom. Es ist ein Symptom für ein Land, in dem die Infrastruktur bröckelt, die Bürokratie wuchert und Tarifkonflikte mit einer Rücksichtslosigkeit gegenüber der arbeitenden Bevölkerung ausgetragen werden, die ihresgleichen sucht. Während die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur verspricht und damit künftige Generationen mit Schulden belastet, können deutsche Bürger nicht einmal sicher sein, ob ihr gebuchter Flug tatsächlich abhebt.
Die Lufthansa war einmal das Aushängeschild deutscher Ingenieurskunst und Zuverlässigkeit. Was davon übrig geblieben ist, zeigt sich an jedem einzelnen Streiktag aufs Neue: ein Unternehmen, das zwischen Gewerkschaftsforderungen, politischen Rahmenbedingungen und dem internationalen Wettbewerb zerrieben wird. Und am Ende zahlt – wie so oft in diesem Land – der Bürger die Zeche. Ob als Steuerzahler, der die Rettungsmilliarden finanzierte, oder als Fluggast, der am Gate sitzt und auf eine Maschine wartet, die niemals kommen wird.
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