
Kupfer-Schock: Wenn ein Kesselleck den Weltmarkt aus der Bahn wirft

Der Kupferpreis steht 2026 unter Hochspannung. An der New Yorker Comex kletterte der September-Kontrakt zeitweise über 6,70 US-Dollar je Pfund und verfehlte damit das Allzeithoch vom 5. August nur um Haaresbreite. In London verteidigte der Benchmarkpreis die Marke von 14.000 US-Dollar pro Tonne.
Es ist eine Rallye, die nicht von Euphorie lebt, sondern von harter physischer Knappheit. Und die zeigt sich dort, wo Anleger sie am wenigsten übersehen können: in der Marktstruktur.
Das Alarmsignal aus London
Kassakupfer wird an der London Metal Exchange derzeit mit einem Aufschlag von 138 US-Dollar gegenüber dem Dreimonatskontrakt gehandelt – der höchste Wert seit Monaten. Im Fachjargon heißt das Backwardation: Wer das Metall jetzt braucht, zahlt mehr als jemand, der drei Monate warten kann.
Parallel dazu schmelzen die LME-Lagerbestände regelrecht weg. Zuletzt lagen sie bei gut 218.000 Tonnen. Zum Vergleich: Die Weltwirtschaft verbraucht Kupfer im Bereich mehrerer Millionen Tonnen pro Quartal. Die Terminkurve für die zweite Hälfte 2027 notiert jenseits von 7 Dollar je Pfund – ein Markt, der offenbar nicht an eine schnelle Entspannung glaubt.
Indonesien: Wenn zwei Nadelöhre gleichzeitig verstopfen
Verschärft wird der Stress durch Ausfälle in Indonesien. Ein Kesselleck legte Anfang August die strategisch wichtige Gresik-Schmelze auf unbestimmte Zeit still. Eine benachbarte Freeport-Anlage soll im September wieder hochfahren – doch das eigentliche Problem sitzt weiter oben in der Kette.
Die gigantische Grasberg-Mine kämpft noch mit den Folgen eines Erdrutsches aus dem Vorjahr. Ihre volle Förderkapazität dürfte sie voraussichtlich erst Ende 2027 wieder erreichen. Hinzu kommt die politische Dimension: Medienberichten zufolge belegten die USA Kupfereinfuhren seit August 2025 mit Zusatzzöllen von bis zu 50 Prozent auf bestimmte Produkte – ein Eingriff, der die Preisdifferenz zwischen Comex und LME künstlich befeuert hat.
Aluminium: Gaskrise in Brasilien, Kriegsrisiko am Golf
Auch Aluminium zieht an: In London kletterte die Notierung auf 3.373 US-Dollar je Tonne. Auslöser war die Alunorte-Raffinerie von Norsk Hydro in Brasilien, die ihre Produktion wegen Erdgasengpässen überraschend halbieren musste.
Dazu der Nahost-Konflikt. Die Region steht für rund ein Zehntel der globalen Aluminiumproduktion, die dortigen LME-Bestände sind laut den Marktdaten auf den tiefsten Stand seit Ende 1990 gefallen. Bleibe der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus dauerhaft gestört, warnen Branchenexperten vor einem globalen Angebotsdefizit von fast einer Million Tonnen.
- Zinn: plus 37 Prozent im Jahresverlauf, nahe 55.750 US-Dollar
- Zink und Nickel: leicht schwächer
- Blei: weitgehend stabil
Das Paradox, das Anleger irritiert
Bemerkenswert ist die Entkopplung der Minenaktien vom Metall. Freeport-McMoRan, Lundin Mining, First Quantum und Vale verzeichneten spürbare Kursabschläge – obwohl Kupfer allein in diesem Jahr knapp 18 Prozent zulegte und auf Zwölf-Monats-Sicht rund die Hälfte an Wert gewann.
Für Beobachter ist das ein Lehrstück: Aktien handeln Erwartungen, Kosten und politische Risiken – physisches Metall handelt Verfügbarkeit. Wer auf Substanz setzt, denkt in Tonnen und Unzen, nicht in Kursfantasien. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber bleiben aus Sicht unserer Redaktion die naheliegende Ergänzung, wenn Lieferketten reißen und Notenbanken weiter Geld schöpfen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser muss eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.

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