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Kettner Edelmetalle
19.08.2026
06:06 Uhr
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Kupfer-Schock an der LME: Die Rekord-Klemme bekommt erste Risse

Kupfer-Schock an der LME: Die Rekord-Klemme bekommt erste Risse
Symbolbild: KI-generiert

Am Dienstag hat einer der größten Engpässe in der Geschichte des Kupfermarktes etwas an Schärfe verloren. Große Rohstoffhändler – unter ihnen Trafigura – lieferten Metall an die Lager der London Metal Exchange. Der Aufschlag für sofort verfügbares Kupfer fiel daraufhin deutlich, bleibt aber historisch hoch.

545 Dollar Aufschlag – dann der Rückzug

Die Zahl, auf die Händler weltweit starren, ist die sogenannte Backwardation: der Preisabstand zwischen sofort lieferbarem Kupfer und Ware in drei Monaten. Am Montag lag er bei bis zu 545 Dollar je Tonne – dem höchsten Niveau seit dem legendären Squeeze von 2021. Am Dienstag schrumpfte er auf 248 Dollar.

Möglich wurde das, weil die weltweiten LME-Lagerhäuser den kräftigsten Zuwachs an sofort verfügbarem Kupfer seit April verbuchten: über 20.000 Tonnen. Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind, rechnen Berichten zufolge mit weiteren Lieferungen in den kommenden Tagen.

Wenn ein Tag Lagerzeit 79 Dollar kostet

Wie angespannt die Lage wirklich ist, zeigt der Tom/next-Spread – der Preis, eine Position um einen einzigen Tag weiterzurollen. Er sprang zeitweise auf 110 Dollar und schloss bei 79 Dollar. Ein Wert, der nach Marktbeobachtung vor allem eines bedeutet: Wer auf fallende Preise gesetzt hatte, geriet kurz vor dem dritten Mittwoch des Monats – dem liquiditätsstärksten Termin der Börse – gehörig unter Druck.

Die Vorgeschichte ist bemerkenswert: Nach Angaben von Marktdaten fielen die LME-Bestände über 42 Handelstage in Folge – die längste Serie seit 2014. Die sofort verfügbaren Vorräte waren zwischenzeitlich um 75 Prozent gegenüber dem Hoch von Mitte April eingebrochen.

Trumps Zolldrohung saugt das Metall nach Amerika

Der eigentliche Treiber sitzt in Washington. Weil die USA seit Monaten mögliche Kupferzölle prüfen, lohnt sich ein simples Arbitragegeschäft: Metall dorthin schaffen, wo die Preise höher sind. Das US-Handelsministerium sollte bis Ende Juni eine Empfehlung vorlegen – die Frist verstrich, eine Entscheidung aus dem Weißen Haus blieb aus.

Die Ströme fließen trotzdem. Rund 56.000 Tonnen erreichten in den ersten beiden Augustwochen US-Häfen; im Juli waren es dem Bericht zufolge rekordverdächtige 223.000 Tonnen. Der Rest der Welt zahlt die Zeche in Form leerer Lager.

Was das für Anleger bedeutet

Kupfer hat in diesem Jahr rund 13 Prozent zugelegt, getrieben auch von der Nachfrage aus Rechenzentren und erneuerbaren Energien. Der Dreimonats-Kontrakt schloss zuletzt bei 13.986,50 Dollar je Tonne, 1,2 Prozent leichter. In China dagegen dämpfen die hohen Preise die Kauflust – die Shanghaier Bestände kletterten auf rund 80.000 Tonnen.

Für Bergbaukonzerne wie Rio Tinto und BHP ist das ein Segen: Bei BHP steuerte Kupfer erstmals mehr als die Hälfte des Jahresumsatzes bei. Für die europäische Industrie, die ohnehin unter Energiekosten und Regulierungsflut ächzt, ist teures Kupfer dagegen ein weiterer Stein im Rucksack.

Bemerkenswert bleibt: Nicht nur Industriemetalle stehen unter Strom. Auch Gold und Silber notieren nach den auf dem Portal ausgewiesenen Marktdaten auf außergewöhnlich hohem Niveau. Wenn Lieferketten zum politischen Spielball werden, gewinnt physisch vorhandenes Material an Wert – eine Lektion, die weit über den Kupfermarkt hinausreicht.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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