
Krieg als Exportschlager: Kiew will Schlachtfeld-Erfahrung zur Handelsware machen
Was klingt wie die dystopische Fantasie eines Romanautors, nimmt in der Ukraine ganz konkrete Formen an: Das kriegsgebeutelte Land plant den systematischen Aufbau eines privaten Militärsektors, der ukrainische Kampferfahrung als Dienstleistung an andere Staaten verkaufen soll. Die Ökonomisierung des Schlachtfeldes erreicht damit eine neue, beunruhigende Dimension.
Vom Schlachtfeld in den Beratungsraum
Der ukrainische Militärberater Fedir Serdjuk sprach gegenüber Euractiv von der Entstehung einer „ganz neuen großen Industrie ukrainischer privater Verteidigungsdienstleister". Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Land, das seit über drei Jahren in einem verheerenden Krieg versinkt, Hunderttausende Tote zu beklagen hat und ohne westliche Milliardenhilfen längst am Ende wäre, plant nun, seine blutig erworbene Expertise in Drohnenabwehr und Luftverteidigung meistbietend zu vermarkten. Bereits heute entsendet Kiew Fachleute in den Nahen Osten, um dort Armeen zu beraten – während an der eigenen Front jeder Mann gebraucht wird.
Privatarmeen mit staatlichem Segen
Bislang sind private Militärfirmen in der Ukraine nicht einmal zugelassen. Doch die Parlamentsabgeordnete Halyna Jantschenko bestätigte, dass an entsprechenden Gesetzen gearbeitet werde. Der Staat könnte damit Aufgaben auslagern und – wie praktisch – zugleich politischen Druck reduzieren. Man kennt das Prinzip: Was der Staat nicht mehr verantworten will, wird privatisiert. Dass dabei die Grenzen zwischen legitimer Sicherheitsberatung und einer de facto staatlich lizenzierten Söldnerindustrie verschwimmen, scheint in Kiew niemanden sonderlich zu beunruhigen.
Ein entscheidender Faktor ist die schiere Masse an kampferfahrenen Soldaten. Im Jahr 2025 zählte die Ukraine rund 900.000 aktive Militärangehörige. Was geschieht mit diesen Menschen, wenn der Krieg eines Tages endet? Die privaten Militärdienstleister sollen perspektivisch vor allem Veteranen beschäftigen – eine Art Arbeitsmarktprogramm im Tarnfleck, wenn man so will.
Europa hat ein Monster herangezüchtet
Wer die Entwicklung nüchtern betrachtet, erkennt ein beunruhigendes Muster. Die Europäische Union hat seit Kriegsbeginn Dutzende Milliarden Euro in die Ukraine gepumpt – Deutschland allein steht mit gewaltigen Summen in der Pflicht. Und nun soll aus diesem mit westlichem Steuergeld finanzierten Kriegsapparat ein profitables Geschäftsmodell werden? Die Frage, wer letztlich von dieser „Industrie" profitiert, drängt sich geradezu auf. Westliche Rüstungskonzerne könnten diese privaten Firmen als Testlabore nutzen, um Waffensysteme unter realen Bedingungen durch ukrainisches Personal weltweit vermarkten zu lassen.
Fachleute warnen bereits vor den Nebenwirkungen. Ein Analyst des Foreign Policy Research Institute gab zu bedenken, dass sowohl Russland als auch die Ukraine über große Mengen gutausgebildeter Drohnen- und UAV-Operatoren verfügen würden, die nach Kriegsende Schwierigkeiten haben könnten, eine zivile Beschäftigung zu finden. Der Aufbau regulierter Anbieter erscheine daher auch als Versuch, ein Abgleiten in unkontrollierte Strukturen zu verhindern. Ob das gelingt, steht freilich in den Sternen.
Die deutsche Dimension
Für den deutschen Steuerzahler stellt sich eine unbequeme Frage: Wenn die Ukraine nun in der Lage ist, militärische Dienstleistungen gewinnbringend ins Ausland zu verkaufen – warum fließen dann weiterhin Milliarden aus Berlin nach Kiew? Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen ohnehin schon genug Schulden auf die Schultern kommender Generationen geladen. Dass gleichzeitig ein Land, das man großzügig alimentiert, seine Kriegskompetenz als Exportartikel vermarktet, hat einen bitteren Beigeschmack.
„Krieg ist der beste Kaufmann, macht aus Eisen Gold" – dieses Schiller-Zitat hat selten so erschreckend aktuell gewirkt wie in diesen Tagen.
Die Geschichte lehrt uns, dass die Privatisierung militärischer Gewalt selten gut endet. Von den Condottieri der Renaissance über die britische Ostindien-Kompanie bis hin zur russischen Wagner-Gruppe – stets verselbständigten sich diese Strukturen und entzogen sich staatlicher Kontrolle. Dass ausgerechnet die Ukraine, die den Kampf gegen die russische Wagner-Truppe als moralischen Imperativ inszenierte, nun ein ähnliches Modell mit westlichem Segen aufbauen will, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Europa täte gut daran, sehr genau hinzuschauen, welche Geister es hier ruft. Denn eines ist sicher: Wer Krieg zum Geschäftsmodell erhebt, hat kein Interesse daran, dass der Frieden ausbricht.

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