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Kippt die Solidarität? Deutsche sagen Nein zum EU-Beitritt Kiews

Kippt die Solidarität? Deutsche sagen Nein zum EU-Beitritt Kiews
Symbolbild: KI-generiert

Fast fünf Jahre nach Russlands Überfall auf die Ukraine hat sich die Stimmung in Deutschland deutlich gedreht. Laut einer Erhebung der Bertelsmann Stiftung befürworten nur noch 41 Prozent der Bundesbürger einen EU-Beitritt der Ukraine in den kommenden Jahren, 59 Prozent lehnen ihn ab. Einer aktuellen Medienrecherche zufolge wächst außerdem der Wunsch, die Hilfen zurückzufahren.

Vom blau-gelben Fahnenmeer zur Ernüchterung

Erinnern wir uns an den 27. Februar 2022. Drei Tage nach dem Einmarsch füllten Hunderttausende die Straße des 17. Juni in Berlin. Kinder hielten selbstgemalte Friedenstauben hoch, Gewerkschafter standen neben Pfarrern. Wenige hundert Meter weiter rief Kanzler Olaf Scholz im Bundestag die „Zeitenwende“ aus.

Straße und Parlament wollten damals offenbar dasselbe. Heute wirkt dieser Moment wie aus einer anderen Epoche.

Minus 20 Punkte: Die Zahlen sind eindeutig

Im März 2022 sprachen sich noch 61 Prozent der Deutschen für eine baldige Aufnahme der Ukraine aus. Unter den zehn einzeln ausgewerteten EU-Staaten liegt Deutschland inzwischen fast ganz hinten. Nur Rumänien kommt mit 40 Prozent auf einen noch schlechteren Wert. Selbst in Polen, lange einer der eifrigsten Unterstützer Kiews, fiel die Zustimmung von 87 auf 43 Prozent.

Woran liegt das? Vor allem am Geld. 36 Prozent der Deutschen nennen die finanzielle Belastung als größte Hürde, im EU-Schnitt sind es 28 Prozent. Kurzfristige wirtschaftliche Kosten für Kiews Mitgliedschaft würden hierzulande nur 37 Prozent in Kauf nehmen. In der Ukraine selbst wollen dagegen 83 Prozent in die EU.

Eine Einschränkung gehört dazu: Gefragt wurde nach einem Beitritt „in den kommenden Jahren“. Dass die Deutschen eine Mitgliedschaft grundsätzlich und für immer ablehnen, lässt sich daraus nicht ableiten.

Brüssel verhandelt unbeirrt weiter

Auf Brüssel macht die Stimmung im Volk offenbar wenig Eindruck. Mitte Oktober eröffnete die EU in Luxemburg zwei weitere Verhandlungsblöcke mit Kiew, einer davon betrifft den Binnenmarkt. Kanzler Friedrich Merz soll der Ukraine bei seinem Besuch in Kiew Medienberichten zufolge eine weitere Milliarde Euro Militärhilfe und 350 Millionen Euro für den Energiesektor zugesagt haben.

Viele Bürger kennen das Muster: Oben wird entschieden, unten wird bezahlt.

Die 100-Milliarden-Frage

Und die Summe ist gewaltig. Die Bundesregierung beziffert ihre Unterstützung auf rund 100 Milliarden Euro. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft hat nachgerechnet und kommt auf etwa 41,7 Milliarden, die sich tatsächlich als bilaterale Hilfe einordnen ließen. 35,9 Milliarden seien in Deutschland ausgegeben worden, überwiegend für ukrainische Geflüchtete. Weitere 22 Milliarden entfielen auf künftige Militärzusagen.

Brisant ist ein weiterer Befund der Ökonomen: Seit Juni 2025 veröffentliche die Regierung keine detaillierten Angaben zur Militärhilfe mehr. Das ist wenig Transparenz für ein Land, das gleichzeitig Sondervermögen in Milliardenhöhe auf Pump finanziert. Berichten zufolge prüft inzwischen auch der Bundesrechnungshof die 100 Milliarden.

Mehrheit für Kürzungen? Das Land ist gespalten

Ob wirklich eine Mehrheit kürzen will, hängt davon ab, wie man fragt. Im ZDF-Politbarometer von Ende Oktober wollten 32 Prozent die Militärhilfe zurückfahren. 33 Prozent finden das jetzige Niveau richtig, 30 Prozent wollen mehr. Das ergibt drei fast gleich große Lager.

In der Politik ist das längst angekommen. In Sachsen-Anhalt beschloss der Landtag auf Antrag von AfD und BSW, die Landesregierung solle sich für einen Stopp von Geld- und Waffenlieferungen einsetzen. Damit hat sich erstmals die Mehrheit eines deutschen Parlaments gegen die Ukraine-Politik des Bundes gestellt.

Fazit: Ehrliche Antworten statt Durchhalteparolen

Die Ukraine-Müdigkeit bedeutet nicht, dass den Deutschen das Mitgefühl fehlt. Sie zeigt, dass Berlin eine Frage zu lange beiseitegeschoben hat: Was kostet das alles, und wer bezahlt es? Solange die Regierung darauf keine ehrlichen und überprüfbaren Antworten gibt, dürfte sich die Stimmung weiter gegen sie wenden.

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