
Kanadas Premier Carney erklärt die Weltordnung für tot – und fordert eine Revolution der Mittelmächte

Eine Rede wie ein Paukenschlag hallte durch die verschneiten Hallen von Davos. Mark Carney, der kanadische Premierminister und ehemalige Zentralbanker, hat beim Weltwirtschaftsforum 2026 nichts weniger getan, als die regelbasierte internationale Ordnung für gescheitert zu erklären. Was er stattdessen fordert, ist bemerkenswert – und sollte auch in Berlin aufhorchen lassen.
Das Ende einer bequemen Illusion
Mit der Präzision eines Chirurgen sezierte Carney die Lebenslügen der westlichen Außenpolitik. Die sogenannte regelbasierte Ordnung? Eine nützliche Fiktion, die längst von der Realität überholt wurde. Die multilateralen Institutionen wie WTO, UN und COP? Stark geschwächt, wenn nicht gar funktionsunfähig. Die amerikanische Hegemonie als Garant für Stabilität? Geschichte.
„Wir befinden uns mitten in einem Bruch, nicht in einem Übergang. Man kann nicht in der Lüge des gegenseitigen Nutzens durch Integration leben, wenn Integration zur Quelle der eigenen Unterordnung wird."
Carney bediente sich dabei einer eindrücklichen Metapher des tschechischen Dissidenten Václav Havel: Der Gemüsehändler, der jeden Morgen ein kommunistisches Propagandaschild ins Fenster stellt – nicht weil er daran glaubt, sondern um Ärger zu vermeiden. Genau so, argumentiert der kanadische Premier, hätten sich Mittelmächte jahrzehntelang verhalten. Sie priesen Institutionen, deren Schwächen sie kannten, und nahmen an Ritualen teil, von denen sie insgeheim wussten, dass sie hohl waren.
Kanadas radikaler Kurswechsel
Was Carney als Antwort präsentiert, ist nichts weniger als eine außenpolitische Revolution. Kanada hat in den vergangenen Monaten eine atemberaubende Diversifizierungsstrategie eingeleitet. Zwölf neue Handels- und Sicherheitsabkommen auf vier Kontinenten wurden unterzeichnet. Eine umfassende strategische Partnerschaft mit der Europäischen Union wurde vereinbart, einschließlich des Beitritts zu den europäischen Verteidigungsbeschaffungsregelungen.
Besonders bemerkenswert: Kanada verhandelt nun gleichzeitig mit China, Indien, ASEAN-Staaten und dem südamerikanischen Mercosur-Block. Die Botschaft ist unmissverständlich – Ottawa will sich nicht mehr von einem einzigen Hegemon abhängig machen, auch wenn dieser Hegemon der mächtige Nachbar im Süden ist.
Verteidigung und wirtschaftliche Stärke
Die Verdopplung der Verteidigungsausgaben bis 2030, massive Investitionen in Energie, künstliche Intelligenz und kritische Mineralien – Carney präsentierte ein Programm, das man sich in dieser Konsequenz auch für Deutschland wünschen würde. Steuersenkungen für Einkommen, Kapitalgewinne und Unternehmensinvestitionen, der Abbau bürokratischer Handelshemmnisse zwischen den Provinzen – hier zeigt sich ein pragmatischer Ansatz, der wirtschaftliche Stärke als Fundament außenpolitischer Handlungsfähigkeit begreift.
Die Lehren für Deutschland
Während Carney in Davos die Realitäten beim Namen nennt, scheint man in Berlin noch immer in alten Denkmustern gefangen. Die deutsche Außenpolitik klammert sich an Institutionen, deren Erosion längst offensichtlich ist. Man beschwört transatlantische Partnerschaften, während Washington unter Trump längst andere Prioritäten setzt. Man predigt Multilateralismus, während die Großmächte bilateral ihre Interessen durchsetzen.
Carneys Analyse ist schonungslos, aber sie trifft einen Nerv: „Wenn du nicht mit am Tisch sitzt, stehst du auf der Speisekarte." Diese Warnung sollte auch in der Bundesregierung gehört werden. Denn während Kanada aktiv neue Bündnisse schmiedet und seine strategische Autonomie ausbaut, diskutiert Deutschland noch immer über Gendersternchen und Klimaneutralität.
Wertebasierter Realismus statt naiver Idealismus
Was Carney als „wertebasierten Realismus" bezeichnet, ist im Grunde eine Absage an jene Form der Außenpolitik, die Werte über Interessen stellt und dabei beide verliert. Prinzipientreu in fundamentalen Fragen wie Souveränität und Menschenrechten, aber pragmatisch in der Erkenntnis, dass nicht jeder Partner dieselben Werte teilt – das ist ein Ansatz, der auch für Deutschland wegweisend sein könnte.
Die Rede des kanadischen Premiers markiert möglicherweise einen Wendepunkt. Nicht weil sie etwas fundamental Neues enthüllt hätte, sondern weil sie ausspricht, was viele längst wissen, aber nicht zu sagen wagen. Die alte Ordnung kommt nicht zurück. Nostalgie ist keine Strategie. Es ist Zeit, die Schilder aus den Fenstern zu nehmen.
Für Anleger bedeutet diese geopolitische Neuordnung vor allem eines: erhöhte Unsicherheit. In Zeiten, in denen etablierte Bündnisse bröckeln und neue Machtzentren entstehen, gewinnen sichere Häfen an Bedeutung. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich historisch als verlässlicher Wertspeicher in turbulenten Zeiten erwiesen und können eine sinnvolle Ergänzung eines breit gestreuten Anlageportfolios darstellen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.
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