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27.10.2026
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Japans Zinswende: Notenbank pausiert, die nächste Erhöhung kommt

Die Bank of Japan (BOJ) wird ihren Leitzins am Freitag nach ihrer zweitägigen Sitzung voraussichtlich bei 1,25 Prozent belassen. Laut einer CNBC-Umfrage unter 16 Ökonomen und Analysten rechnen alle Befragten mit dieser Pause. Ebenso einig sind sie sich darüber, wie es danach weitergeht: Im Dezember oder Januar dürfte Tokio die Zinsen erneut anheben.

Für Japan ist das eine bemerkenswerte Wende. Die BOJ hatte jahrzehntelang mit Nullzinsen und billigem Geld gearbeitet. Jetzt steuert sie auf die höchsten Zinsen seit Mitte der Neunzigerjahre zu.

Das Ende einer Ära des Gratisgeldes

Erst im September hatte die Notenbank den Leitzins auf 1,25 Prozent angehoben. Ein so hohes Niveau gab es zuletzt vor 31 Jahren. Medienberichten zufolge war es nach Juni bereits die zweite Anhebung in diesem Jahr. Zur Einordnung: Noch im März 2024 lagen Japans Zinsen im negativen Bereich. Damals schaffte die BOJ die Negativzinsen nach 17 Jahren ohne Zinserhöhung ab.

Nun könnte die Notenbank sogar einen historischen Erfolg verkünden. Nach Berichten von Reuters und der Japan Times dürfte sie erklären, dass ihr Ziel einer „zugrunde liegenden Inflation“ von zwei Prozent erreicht sei. Das wäre das Ende eines fast 14 Jahre dauernden Kampfes, der 2013 mit dem offiziellen Inflationsziel begann.

Löhne steigen, Preise auch

Die Zahlen sprechen für weitere Erhöhungen. Die Kerninflation ohne frische Lebensmittel stieg im September um 2,1 Prozent und erreichte damit den höchsten Wert des Jahres. Als Gründe gelten der schwache Yen, der Importe verteuert, sowie hohe Energiekosten, obwohl der Staat diese für Verbraucher mit Subventionen abfedert. Die inflationsbereinigten Löhne legten im August den achten Monat in Folge zu, und zwar um 1,5 Prozent.

Finanzministerin Satsuki Katayama soll vor Abgeordneten erklärt haben, Japan stehe kurz vor einer Phase anhaltender, lohngetriebener Inflation. Zugleich habe sie eingeräumt, dass auch teurere Importe die Preise nach oben treiben.

Zweifel im Notenbankrat

Nicht alle Experten erwarten einen Zinszyklus ohne Pausen. Homin Lee von Lombard Odier sieht zwar die volkswirtschaftlichen Daten auf der Seite weiterer Straffungen. Wegen des fragilen Anleihemarkts gebe es im geldpolitischen Rat aber womöglich keinen ausreichenden Konsens für Erhöhungen in kurzem Abstand. Sosuke Nakamura von Citi Research erkenne keine klaren Anzeichen für eine Inflationsbeschleunigung, die solche Schritte rechtfertigen würde.

Auch die Staatsfinanzen sorgen für Unruhe. Anfang Oktober hatten die Ausgabenpläne von Premierministerin Sanae Takaichi und ein weltweiter Ausverkauf bei Anleihen japanische Staatspapiere unter Druck gesetzt. Die Lage ist heikel: Japan zählt zu den höchstverschuldeten Industriestaaten der Welt. Jeder Zinsschritt verteuert den Schuldendienst des Staates.

Yen, Renditen und die Gefahr für die Märkte

Beim Yen rechnen neun Befragte im kommenden Monat mit Kursen zwischen 157 und 158 je Dollar. Auf Sicht von drei Monaten reichen die Prognosen von 150 bis 160. Masahiko Loo von State Street geht davon aus, dass höhere japanische Renditen nach und nach Kapital zurück nach Japan holen. Die hohen US-Renditen dürften eine geradlinige Yen-Rally aber verhindern.

Bei den Renditen erwarten neun Experten für zehnjährige Staatsanleihen bis Jahresende 3 bis 3,1 Prozent. Aktuell liegt der Wert bei 2,809 Prozent. Für 30-jährige Papiere sagen sieben Befragte 4 bis 4,1 Prozent voraus. Den Endpunkt des Zinszyklus sehen 13 Befragte bis etwa Mitte 2027 bei 1,75 bis 2 Prozent.

Anleger sollten genau hinschauen. Im August 2024 löste die Auflösung sogenannter Yen-Carry-Trades heftige Turbulenzen an den Börsen aus. Bei diesen Geschäften leihen sich Investoren billig Yen und legen das Geld in höher rentierenden Anlagen an. Wird das Geld in Japan teurer, kann diese Kette schnell reißen. Bezeichnend ist, dass zuletzt beim Ausverkauf von KI-Aktien sichere Häfen wie Yen und japanische Staatsanleihen gefragt waren. Wer sich gegen solche Schocks absichern will, setzt seit jeher auch auf physisches Gold und Silber als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte eigene Recherchen anstellen und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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