
Japan-Paradox: Rekordschulden, Yen-Absturz – und kaum Inflation?

Eigentlich müsste in Japan die Inflation durchgehen. Der Yen hat seit 2021 gegenüber dem Dollar fast die Hälfte seines Werts verloren, Energie wird teurer, und der Staat hat so viele Schulden wie kein anderes Industrieland. Trotzdem lag die Teuerung im August bei nur 1,9 Prozent. Eine US-Analyse stellt deshalb ein beliebtes Dogma infrage.
Die These lautet: Hohe Staatsschulden treiben die Preise nicht automatisch nach oben. Sie bremsen vielmehr die ganze Wirtschaft. Klingt beruhigend? Ist es nicht.
Alles spricht fĂĽr stark steigende Preise
Japan erzeugt der Analyse zufolge nur 16 Prozent seiner Energie und 37 Prozent seiner Nahrungsmittel selbst. Der Rest wird importiert und in immer teureren Dollar bezahlt. Rohöl sei in Yen gerechnet seit Jahresbeginn um rund 70 Prozent teurer geworden.
Bei den Großhandelspreisen zeigt sich das längst: Der Index der Erzeugerpreise lag im April um 7,2 Prozent über dem Vorjahr. Die Importpreise stiegen in Yen um 29 Prozent, in den Währungen der Lieferländer nur um 17,7 Prozent. Den Unterschied verursacht fast allein der schwache Yen.
In anderen Ländern haben solche Werte schon zweistellige Inflationsraten ausgelöst. In Japan liegt die Gesamtrate bei 1,9 Prozent, die Kernrate bei 1,7 Prozent. Die USA meldeten für Juli 3,4 Prozent.
Subventionen, Alterung – und ein Staat, der das Kapital bindet
Warum bleiben die Preise so ruhig? Ein Teil der Antwort ist einfach: Tokio bezuschusst Strom und Gas, und viele Firmen tragen höhere Kosten selbst, statt sie weiterzugeben. Laut offiziellen Daten sanken die Strompreise im August sogar. Außerdem kauft eine alternde, schrumpfende Bevölkerung schlicht weniger.
Den wichtigsten Grund sehen die Autoren aber in den Schulden selbst. Gemessen an der Wirtschaftsleistung ist Japan etwa 1,6-mal so hoch verschuldet wie die USA. Fast alles wird im Inland finanziert, vor allem von Banken, Versicherern, Pensionskassen und der Notenbank. Jeder Yen, der in Staatsanleihen steckt, fehlt für Fabriken, Forschung und neue Arbeitsplätze.
Ökonomen nennen das Verdrängungseffekt. Die Folge sei keine Inflation, sondern Stillstand. Japanische Konzerne sitzen auf riesigen Geldreserven, investieren aber wenig im eigenen Land. Produktivität und reales Wachstum kommen seit Jahren kaum über ein Prozent hinaus.
Die 90-Prozent-Schwelle
Die Analyse beruft sich auf die Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff. Laut ihrer Studie von 2010 bringt jeder zusätzliche Schulden-Dollar immer weniger Wachstum, sobald die Staatsschulden etwa 90 Prozent der Wirtschaftsleistung übersteigen. Die Studie wurde später wegen Rechenfehlern kritisiert. Die Grundidee prägt die Debatte aber bis heute.
Wo die Analyse zu kurz greift
Die Autoren meinen, die einfache Gleichung „Defizite gleich Inflation“ sei kein gutes Argument für Gold. Doch lohnt ein zweiter Blick. Ein Yen, der seit 2021 fast die Hälfte seines Außenwerts verloren hat, macht die Ersparnisse der Bürger Stück für Stück weniger wert.
Die niedrige Inflation hat einen hohen Preis: teure Subventionen und jahrzehntelang Null- oder sogar Negativzinsen. Erst jetzt hat die Notenbank den Leitzins auf 1,25 Prozent angehoben, so hoch wie seit 31 Jahren nicht mehr. Auch die Autoren warnen: Die Gefahr fĂĽr die USA sei nicht ein Preisschock, sondern eine lange Stagnation wie in Japan.
Die Lehre fĂĽr Deutschland
Für Deutschland ist das eine unbequeme Botschaft. Die Regierung Merz hat ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro beschlossen, obwohl sie keine neuen Schulden machen wollte. Japan zeigt, wohin das führen kann: Der Staat verdrängt private Investitionen, das Wachstum stockt, der Wohlstand stagniert.
Ob Inflation oder Stagnation: Beides kostet die Bürger Vermögen. Physisches Gold und Silber hängen von keiner Währung und keinem Schuldner ab. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie deshalb für Stabilität sorgen, wenn Staaten immer mehr Schulden machen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist fĂĽr seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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