
Italienische Wettbewerbsbehörde straft Shein wegen Greenwashing ab – Ein Weckruf für die Fast-Fashion-Industrie
Die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM hat dem chinesischen Online-Modehändler Shein eine saftige Geldstrafe von einer Million Euro aufgebrummt. Der Grund: systematische Verbrauchertäuschung durch irreführende Umweltversprechen. Damit setzt Italien ein deutliches Zeichen gegen die Greenwashing-Praktiken der Fast-Fashion-Industrie – und das wurde auch höchste Zeit.
Europas Regulierungsbehörden greifen endlich durch
Es ist bereits die zweite empfindliche Strafe für Shein innerhalb weniger Wochen. Erst Anfang Juli hatte Frankreich dem Billigmode-Giganten eine Rekordstrafe von 40 Millionen Euro wegen irreführender Rabatte und falscher Umweltbehauptungen auferlegt. Die europäischen Behörden scheinen endlich aufgewacht zu sein und dem dreisten Treiben der Fast-Fashion-Industrie Einhalt gebieten zu wollen.
Die italienische Strafe richtet sich gegen die in Dublin ansässige Infinite Styles Services Co. Limited, die Sheins europäische Website betreibt. Die Untersuchung der AGCM hatte bereits im September letzten Jahres begonnen und förderte erschreckende Details zutage.
Die Lügen hinter den grünen Versprechen
Was die italienischen Wettbewerbshüter aufdeckten, liest sich wie ein Lehrbuch des modernen Greenwashings. Sheins vollmundige Versprechen von Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung entpuppten sich als „vage, generisch und übertrieben emphatisch", wie die Behörde feststellte. Besonders dreist: Die Behauptungen über Kreislaufwirtschaft und Recyclingfähigkeit der Produkte seien schlichtweg „falsch oder zumindest irreführend" gewesen.
„Die grünen Referenzen der 'evoluSHEIN by design'-Kollektion wurden maßlos übertrieben dargestellt", so die vernichtende Einschätzung der AGCM.
Diese angeblich nachhaltige Kollektion wurde den Verbrauchern als umweltfreundlich und vollständig recycelbar verkauft – eine glatte Lüge, wenn man die verwendeten Fasern und die tatsächlich existierenden Recyclingsysteme betrachtet. Die Kunden wurden systematisch hinters Licht geführt.
Leere Versprechen statt echter Veränderung
Besonders entlarvend sind Sheins großspurige Ankündigungen zur Emissionsreduzierung. Das Unternehmen verspricht vollmundig, seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um 25 Prozent zu senken und bis 2050 klimaneutral zu werden. Die Realität? Die Emissionen stiegen 2023 und 2024 sogar noch an! Ein klassischer Fall von Augenwischerei, der zeigt, wie wenig ernst es dem Unternehmen mit dem Umweltschutz wirklich ist.
Die italienische Behörde betonte, dass für Shein eine „erhöhte Sorgfaltspflicht" gelte, da das Unternehmen in einem hochgradig umweltschädlichen Sektor mit extrem belastenden Methoden operiere. Fast Fashion und Super-Fast Fashion gehören zu den größten Umweltsündern unserer Zeit – eine Tatsache, die Shein offenbar bewusst ignoriert.
Ein Geschäftsmodell auf Kosten von Mensch und Umwelt
Shein, bekannt für seine Billigmode zu Spottpreisen, steht schon länger in der Kritik. Die Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten und die verheerenden Umweltauswirkungen des Geschäftsmodells rückten besonders ins Rampenlicht, als Berichte über einen möglichen Börsengang in London die Runde machten. Offenbar hoffte das Unternehmen, sich mit grünen Versprechen einen sauberen Anstrich zu verpassen.
Die Strategie ist durchschaubar: Mit wohlklingenden Nachhaltigkeitsversprechen soll das schlechte Gewissen der Konsumenten beruhigt werden, während man munter weiter Wegwerfmode produziert. Ein T-Shirt für drei Euro kann niemals nachhaltig sein – diese simple Wahrheit verschleiern die Marketingabteilungen mit immer dreisteren Lügen.
Ein notwendiger Schritt – aber reicht das?
Die Millionenstrafen aus Italien und Frankreich sind wichtige Signale. Sie zeigen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen Unternehmen ungestraft mit falschen Umweltversprechen werben konnten. Doch angesichts der Milliardenumsätze von Shein wirken selbst diese Strafen wie ein Tropfen auf den heißen Stein.
Es braucht dringend härtere Maßnahmen und strengere Regulierungen für die gesamte Fast-Fashion-Industrie. Die aktuelle Bundesregierung täte gut daran, dem Beispiel Italiens und Frankreichs zu folgen und endlich durchzugreifen. Stattdessen beschäftigt man sich lieber mit ideologischen Projekten, während die Umweltzerstörung munter weitergeht.
Die Verbraucher sollten aus diesen Enthüllungen ihre Lehren ziehen: Wer wirklich nachhaltig konsumieren will, muss sich von der Wegwerfmentalität verabschieden. Qualität statt Quantität, Langlebigkeit statt kurzlebige Trends – das sind die wahren Alternativen zum zerstörerischen Fast-Fashion-Wahnsinn. Und vielleicht ist es auch an der Zeit, einen Teil des Vermögens in beständige Werte wie physische Edelmetalle zu investieren, statt es für Billigmode zu verschwenden, die nach drei Mal Waschen im Müll landet.
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