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24.09.2026
09:46 Uhr
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Islam-Fakultät in Münster: Theologie als Antwort auf AfD-Wähler?

Islam-Fakultät in Münster: Theologie als Antwort auf AfD-Wähler?
Symbolbild: KI-generiert

Münster schreibt Hochschulgeschichte: Die Universität hat die erste Islamisch-Theologische Fakultät Deutschlands eröffnet. Nach Angaben der Hochschule gibt es eine solche Einrichtung auch sonst nirgends in Westeuropa. Am Donnerstagabend wurde gefeiert. Die Begründung des Gründungsdekans lässt allerdings aufhorchen. Die neue Fakultät sei nämlich auch eine Reaktion darauf, dass immer mehr Menschen rechts wählen.

Acht Professuren, 450 Studenten

Die Fakultät ist aus dem Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) hervorgegangen, das 2012 gegründet wurde. Formell besteht sie seit dem 1. Juli, der Lehrbetrieb läuft ab dem Wintersemester 2026/27. Vier Professorinnen und vier Professoren sollen hier lehren. Eingeschrieben sind laut Universität rund 450 Studenten, sowohl im Lehramt als auch in Bachelor- und Masterstudiengängen.

Mit dem neuen Status bekommt die Fakultät deutlich mehr Rechte. Sie darf eigene Prüfungsordnungen erlassen, Promotionen und Habilitationen verantworten und wirkt bei Berufungen entscheidend mit. Das Leitmotiv lautet „Islamische Theologie in Verantwortung – Zukunft gestalten“. Rektor Johannes Wessels sprach von einem „Meilenstein“ und einem Zeichen „für mehr Toleranz“.

Der Wähler als Erziehungsprojekt?

Brisanter als die Zahlen ist die politische Begründung. Gründungsdekan Mouhanad Khorchide verstehe die Fakultät als gesellschaftlichen Auftrag, berichtet der WDR. Die islamische Theologie solle auf Menschen zugehen, die dem Islam kritisch oder ängstlich gegenüberstehen. Der Zeitung Westfälische Nachrichten zufolge sagte er, manche wählten die rechte Partei aus Angst vor einer „sogenannten Islamisierung“. Auf deren Argumente müsse man eingehen.

Da stellt sich eine Frage: Ist es wirklich Aufgabe einer Universität, auf Wahlergebnisse zu reagieren? Schon das Wort „sogenannt“ verrät nach Einschätzung von Beobachtern, wie diese Sorgen gesehen werden: eher als eingebildete Angst denn als berechtigtes Anliegen. Parallelgesellschaften, innere Sicherheit und eine gescheiterte Integration sind aber politische Probleme. Lösen muss sie die Politik. Mit Seminaren lassen sie sich kaum beheben.

„Wir wollen einen Beitrag leisten für uns alle, als Menschen, als Deutsche, als Europäerinnen und Europäer.“

Khorchide betont, die Fakultät verstehe sich nicht als Interessenvertretung des Islams. Aus dem Ausland gebe es laut dem Dekan bereits großes Interesse an Kooperationen.

Liberaler Dekan, konservative Verbände mit am Tisch

Der Fairness halber: Khorchide gilt als Vertreter eines liberalen Islams. Er legt den Koran zeitgemäß aus, stellt starre Lehrmeinungen infrage und warnt regelmäßig vor radikalen Strömungen. Dafür wurde er laut WDR immer wieder von konservativen Islamvertretern kritisiert.

Genau hier liegt ein Widerspruch. Weil es im Islam keine Kirche gibt, wacht ein konfessioneller Beirat über die religiöse Legitimation der Fakultät. Laut Deutschlandfunk sitzen darin Vertreter von Ditib, Islamrat und Zentralrat der Muslime. Der Beirat wirke bei Berufungen und Studieninhalten mit und könne aus religiösen Gründen ein Veto einlegen. Kritiker sehen die Ditib seit Jahren als verlängerten Arm der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Wie viel Reform ist möglich, wenn solche Verbände mitreden?

Auch aus muslimischer Sicht gibt es Einwände. Ein Kommentar in einem Migrationsportal warf dem Staat vor, er schaffe Tatsachen, bevor die religiöse Legitimation wirklich geklärt sei.

Und die Rechnung?

Die Universität Münster ist eine staatliche Hochschule. Bezahlt wird sie also vom Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen. Wissenschaftliche Forschung über den Islam hat ihren Wert, daran zweifelt niemand. Doch Integration entscheidet sich im Alltag: in Schulen, in Stadtvierteln und dort, wo das Grundgesetz auch durchgesetzt wird. Eine Fakultät kann keine politischen Versäumnisse ausgleichen. Wer die Sorgen der Bürger ernst nimmt, sollte ihnen nicht zuerst Nachhilfe verordnen. Er sollte lieber für Ordnung sorgen.

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