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23.09.2026
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Ibrahim-Brief bringt Linke in Not: Wahlhilfe von langer Hand geplant?

Ibrahim-Brief bringt Linke in Not: Wahlhilfe von langer Hand geplant?
Symbolbild: KI-generiert

Erst die umstrittenen Gäste auf der Wahlparty, jetzt ein Brief, der die Berliner Linke weiter unter Druck setzt. Ibrahim Ibrahim, den Medien als Hamas-nahen Aktivisten beschreiben, erklärt in einem Glückwunschschreiben, seine Unterstützung für die Wahlsieger sei „keine spontane Entscheidung“ gewesen. Damit gerät die bisherige Darstellung der Partei, man habe mit dem Mann nichts zu tun, ins Wanken.

Ein Triumph mit bitterem Beigeschmack

Am 20. September hat die Linke die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus klar gewonnen. Sie holte gut ein Viertel der Stimmen. Laut Deutschlandfunk stürzte die CDU auf 18,8 Prozent ab, die SPD auf 12,1 Prozent. Die AfD legte auf 16,3 Prozent zu. Spitzenkandidatin Elif Eralp will Regierende Bürgermeisterin werden, als wahrscheinlichste Option gilt ein rot-grün-rotes Bündnis.

Doch die Siegesfeier wurde schnell zur Belastung. Auf der offenen Wahlparty in Neukölln tauchten Berichten zufolge der Chef des Remmo-Clans und Ibrahim Ibrahim auf. Ein Foto zeigt Ibrahim neben dem Neuköllner Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak. Ibrahim vertritt das „Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee“ (VPNK). Der Berliner Verfassungsschutz ordnet diesen Verband als Organisation der Hamas in Deutschland ein.

„Klare Entscheidung“ schon im Vorjahr

Brisant ist nun Ibrahims eigenes Schreiben. Darin heißt es:

„Ich bin stolz darauf, dass wir bereits im vergangenen Jahr eine klare Entscheidung getroffen haben, Die Linke zu unterstützen.“

Die Unterstützung sei „nach Gesprächen und einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit politischen Positionen und Themen“ entstanden, die „für unsere Gemeinschaft von Bedeutung sind“. Man habe Wahlaufrufe gezielt über direkte Gespräche an die palästinensische und arabische Gemeinschaft weitergegeben. Wichtig sei gewesen, die Stimmen nicht zu zersplittern. Als Kernthemen nennt Ibrahim „soziale Gerechtigkeit, Rechte und Freiheiten sowie die palästinensische Frage“.

Offen bleibt, mit wem diese Gespräche geführt worden sein sollen. Das Schreiben nennt keine Namen und sagt auch nicht, wie nah die Gesprächspartner der Partei standen. Gerade das macht die Sache so heikel.

Die Distanzierung der Partei wirkt plötzlich dünn

Die Linke hatte zunächst abgewiegelt. Der Bezirksverband erklärte laut Medienberichten, die beiden Männer seien nicht eingeladen gewesen. Parteichefin Ines Schwerdtner sagte, beide seien nach ihrer Kenntnis des Saales verwiesen worden. Fraktionschefin Heidi Reichinnek verwies darauf, die Party sei öffentlich gewesen: „Wir haben ja unsere Wahlpartys jetzt nicht mit Zäunen gesichert.“

Koçak selbst schrieb auf X, er habe Hunderte Fotos mit Gästen gemacht. Von „gewalt- oder terrorverherrlichenden Aussagen der genannten Person“ distanziere er sich „ausdrücklich“. Ibrahims Namen nannte er dabei nicht.

Wer ist Ibrahim Ibrahim?

Nach Angaben des Vereins democ trat Ibrahim mehrfach als Redner bei Demonstrationen der PFLP auf. Bei einer „United4Gaza“-Kundgebung im Herbst 2025 soll er den getöteten Hamas-Chef Yahya Sinwar als „Märtyrerhelden“ gepriesen haben. Sinwar gilt als einer der Hauptverantwortlichen für das Massaker vom 7. Oktober 2023, bei dem mehr als 1200 Menschen in Israel getötet wurden.

Die Frage, die SPD und Grüne beantworten müssen

Beobachter sehen einen klaren Widerspruch: Die Partei vermittelt, sie habe keinen näheren Bezug zu Ibrahim. Er dagegen spricht von Gesprächen und einer Entscheidung, die schon lange feststand. Beides kann kaum gleichzeitig stimmen.

Jetzt sind SPD und Grüne am Zug. Wollen sie mit einer Partei in einen Senat gehen, deren Wahlerfolg sich ein Aktivist aus dem Umfeld einer vom Verfassungsschutz der Hamas zugeordneten Organisation zuschreibt? In der Hauptstadt, in der jüdisches Leben ohnehin nur unter Polizeischutz stattfinden kann, ist das mehr als ein Stilproblem. Es geht um die Glaubwürdigkeit derer, die gern „Nie wieder“ rufen, wenn es politisch nichts kostet.

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