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18.05.2026
11:02 Uhr

Hormus-Schock: Wie Europas Energiepolitik vor den Augen der Welt kollabiert

Hormus-Schock: Wie Europas Energiepolitik vor den Augen der Welt kollabiert

Es ist ein Sonntagabend, der in die Geschichte eingehen könnte. Donald Trump greift in die Tasten, hämmert seine Botschaft in Großbuchstaben auf Truth Social: „Für den Iran tickt die Uhr." Wenige Stunden später, mit dem Öffnen der asiatischen Börsen, springt der Brent-Preis auf rund 111 Dollar je Barrel, WTI klettert auf 108 Dollar. Die S&P-500-Futures rutschen ab, in Tokio, Shanghai und Taipeh leuchten die Kurstafeln tiefrot. Ein paar Zeilen Pathos – und Billionen an Marktwert geraten ins Wanken.

Eine Meerenge entscheidet über das Schicksal der Weltwirtschaft

Die Straße von Hormus, jene gerade einmal 30 Kilometer breite Wasserstraße zwischen Persischem Golf und Golf von Oman, ist seit Februar faktisch geschlossen. Durch diesen Flaschenhals fließen normalerweise rund 20 Prozent des global gehandelten Öls sowie ein erheblicher Teil des verflüssigten Erdgases. Wer hier den Hahn zudreht, dreht der globalisierten Wirtschaft das Wasser ab.

Wie verwundbar Rentenstaaten in dieser Konstellation sind, zeigt Katar mit brutaler Klarheit. Über 60 Prozent seiner Staatseinnahmen stammen aus Gas und Folgeprodukten – seit über zwei Monaten verlässt praktisch kein LNG-Tanker mehr Ras Laffan. Die Visionen von Tourismus und Finanzplatz, untermauert durch einen 600-Milliarden-Dollar-Staatsfonds, ruhen still.

Energie ist Außenpolitik in flüssiger Form

Wer den Hahn aufdreht oder zudreht, verschiebt Machtgewichte schneller als jede Resolution des UN-Sicherheitsrats. Der Iran weiß das. Trump weiß das. Putin wusste es 2022. Nur Berlin scheint es immer wieder neu lernen zu müssen – mit jeder Krise aufs Neue, als wäre die letzte nie passiert.

Die Folgen sind längst nicht mehr abstrakt. Der April-Inflationswert der USA liegt bei 3,8 Prozent – der schärfste Anstieg seit drei Jahren. Benzin ist seit Kriegsbeginn um über 40 Prozent teurer, Diesel sogar um mehr als 50 Prozent. In einer CNN-Umfrage sagen 77 Prozent der Amerikaner – darunter eine Mehrheit der Republikaner –, Trumps Politik habe ihre Lebenshaltungskosten erhöht.

Trumps eiskalte Botschaft: „Not even a little bit"

Während an Amerikas Zapfsäulen der Gallonenpreis bei 4,51 Dollar verharrt, sagt der Präsident vor laufenden Kameras, die finanzielle Lage seiner Landsleute interessiere ihn „nicht einmal ein kleines bisschen". Das ist keine charakterliche Entgleisung, das ist Programm. Eine Politik, die ihre eigene Bevölkerung zum Kostenfaktor degradiert, während gleichzeitig das Weiße Haus renoviert wird und der Präsident mit seinem Sohn Eric zum Staatsbankett nach Peking reist.

Der historische Vergleich ist instruktiv: Bill Clinton prägte einst das berühmte „I feel your pain". George W. Bush sagte 2008 im Rosengarten, die Sprache zur Beschreibung der Wirtschaft spiegele nicht die Ängste der Bevölkerung wider. Beide wussten: Macht braucht eine Sprache der Anteilnahme, sonst wird sie zur Karikatur. Trump bricht diese Regel bewusst.

Europa – der schweigende Zuschauer

Doch die eigentlich unbequeme Frage richtet sich nicht an Washington, sondern an Berlin und Brüssel: Warum schweigt Europa? Warum verharrt Deutschland in politischer Schockstarre, während die geopolitischen Grundkoordinaten sich verschieben?

Drei Diagnosen drängen sich auf. Erstens: die Erschöpfung. Seit 2020 stolpert Europa von Krise zu Krise – Pandemie, Ukrainekrieg, Energieschock, Inflation, Migration, jetzt Iran. Politische Systeme funktionieren wie Menschen. Sie gewöhnen sich an einen permanent erhöhten Adrenalin-Pegel, bis sie ihn nicht mehr spüren. Wer alles für gleich dringlich hält, hält am Ende nichts mehr für dringlich.

Zweitens: die strukturelle Abhängigkeit. Europa hat nach 2022 zwar russisches Gas durch katarisches, amerikanisches und norwegisches LNG ersetzt – aber damit lediglich Abhängigkeiten umverteilt. Wenn Hormus schließt, fehlen 20 Prozent des weltweiten Öls. Da hilft keine Diversifizierung mehr. Da hilft nur eine ehrliche Industriepolitik, die Energieautarkie endlich als sicherheitspolitisches Kerngeschäft begreift – und nicht als grüne Träumerei. Die Bundesregierung Merz ringt stattdessen um die nächste Gaspreis-Bremse und finanziert ihre Versprechen über das 500-Milliarden-Sondervermögen, dessen Zinslast die nächsten Generationen erdrücken wird.

Vom Trittbrettfahrer zur Geisel der eigenen Naivität

Drittens: die Mentalität des Trittbrettfahrens. Über Jahrzehnte hat sich Europa daran gewöhnt, dass Washington die Welt ordnet und Berlin die Rechnung kommentiert. Diese Konstellation ist tot. Ein Präsident, der explizit sagt, ihn interessiere das Wohl seiner eigenen Bürger nicht – warum sollte er sich für das Wohl europäischer Bürger zuständig fühlen?

Die deutsche Politik reagiert auf diese tektonische Verschiebung mit einer Mischung aus Sondervermögen-Aktionismus, Kriegstüchtigkeits-Rhetorik und Sonntagsreden. Eine Energie- und Sicherheitsstrategie, die diesen Namen verdient – eine, die ehrlich sagt, was sie kostet, wem sie wehtut und was sie langfristig sichert –, sucht man vergebens.

Industriestandort am Abgrund

Für Deutschland sind die Konsequenzen verheerend. Steigende Ölpreise schlagen mit zwei bis drei Wochen Verzögerung auf die Zapfsäulen durch. Die Industrie-Strompreise – ohnehin die Achillesferse einer dahinsiechenden deutschen Wirtschaft – geraten durch verteuertes LNG weiter unter Druck. Der Energiehunger der Künstlichen Intelligenz, Rechenzentren mit dem Stromverbrauch mittelgroßer Industriestaaten, verschärft die Lage. Während Habecks Nachfolger die Klimaneutralität bis 2045 ins Grundgesetz schreiben, schließen reihenweise Mittelständler die Türen.

Gold und Silber: Wenn das Vertrauen schwindet

In Zeiten, in denen ein einzelner Tweet Billionen bewegen kann, in denen eine 30 Kilometer breite Meerenge über die wirtschaftliche Stabilität ganzer Kontinente entscheidet und Notenbanken erneut mit importierter Inflation kämpfen, suchen kluge Anleger das, was seit Jahrtausenden Bestand hat: physische Edelmetalle. Gold und Silber sind keine Spekulation auf Krieg oder Frieden – sie sind die nüchterne Antwort auf eine Welt, in der politische Apathie und geldpolitische Beliebigkeit den Wert von Papierwährungen aushöhlen. Als Beimischung in einem breit diversifizierten Portfolio bieten sie das, was Staaten und Notenbanken längst nicht mehr garantieren können: greifbare Wertbeständigkeit.

Die unbequeme Wahrheit

Vielleicht ist der ehrlichste Befund dieser Krise nicht der über Trump, nicht der über Öl, nicht der über die Inflation. Sondern der über uns selbst. Trump zeigt, was passiert, wenn ein Land seinen Präsidenten nicht mehr zu Empathie zwingt. Katar zeigt, was passiert, wenn ein Staat sein Schicksal an eine einzige Meerenge knüpft. Und Europa zeigt, was geschieht, wenn ein Kontinent vergisst, dass politische Apathie ein Luxus jener Zeiten ist, in denen jemand anderes die Rechnung bezahlt.

Die Fahrrinne der Straße von Hormus misst nur wenige Kilometer. Der Abstand zwischen europäischer Selbstwahrnehmung und europäischer Realität ist inzwischen ungleich größer.

Wer in geopolitischen Stürmen ohne eigene Energieversorgung und ohne eigene Sicherheitsarchitektur dasteht, der ist nicht souverän – der ist ein Bittsteller.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen geben die Meinung unserer Redaktion wieder und basieren auf den uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser ist aufgerufen, eigenverantwortlich zu recherchieren und seine Anlageentscheidungen selbst zu treffen. Für die persönliche finanzielle Situation sollte gegebenenfalls ein unabhängiger Fachberater konsultiert werden. Eine Haftung für Anlageentscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden, wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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