
Hohn aus Teheran: Merz' „Drecksarbeit“-Satz kommt als Bumerang zurück

Die iranische Führung hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vorgenommen, und zwar auf Deutsch. Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei wirft dem Kanzler und seinem Außenminister in einem X-Beitrag vom 4. November 2026 „Gleichgültigkeit“ und „moralischen Verfall“ vor. Auslöser sind Merz' Klagen über die Kosten des Iran-Konflikts für Europa. Ausgerechnet Teheran hält ihm dabei einen Satz vor, den der Kanzler wohl am liebsten vergessen würde.
Der Satz, der nicht verschwinden will
Am 17. Juni 2025 gab Merz am Rande des G7-Gipfels im kanadischen Kananaskis dem ZDF ein Interview. Wenige Tage zuvor hatten die Angriffe auf iranische Atomanlagen begonnen. Laut Agenturberichten sagte Merz damals: „Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht – für uns alle.“ Er zollte der israelischen Armee und Staatsführung „größten Respekt“ für ihren Mut.
Der Satz löste in Deutschland viel Kritik aus. Später ruderte Merz zurück: Er habe es so bezeichnet, das müsse man aber nicht wiederholen. In Teheran hat man es sich allerdings gemerkt.
Die Rechnung aus Seoul
Knapp anderthalb Jahre später klingt der Kanzler ganz anders. Bei seinem Besuch in Südkorea Ende Oktober sagte Merz Medienberichten zufolge, Deutschland habe ein starkes wirtschaftliches Interesse an einem möglichst schnellen Ende des Konflikts. Allein die gestiegenen Energiepreise hätten Europa mehr als 100 Milliarden Euro gekostet. Militärisch lasse sich der Konflikt nicht lösen, es brauche Diplomatie.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi reagierte darauf mit einer Drohung. Laut der Nachrichtenagentur dpa schrieb er auf X:
„100 Milliarden Euro sind nichts im Vergleich zu dem vernichtenden Schlag, den die mächtigen Streitkräfte des Irans gegen diejenigen austeilen werden, die es wagen, unserem Volk Schaden zuzufügen.“
Rote Linien gehörten der Vergangenheit an, fügte er hinzu. Diplomatie klingt anders.
Struwwelpeter als Waffe
Baghaei legte am 4. November nach. Er wirft Merz Doppelmoral vor: Erst habe er die Angriffe bejubelt, nun beklage er die Folgen. Am Ende seines Beitrags greift er zu einem Kinderbuch:
„Aus Schaden wird man klug“, sagt ein deutsches Sprichwort. Doch Hans Guck-in-die-Luft scheint nicht lernfähig zu sein.
Die Anspielung kommt aus dem „Struwwelpeter“ des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann von 1845. Darin starrt ein Junge so lange in den Himmel, bis er ins Wasser fällt. Die Botschaft ist wenig subtil und gezielt auf deutsches Publikum zugeschnitten.
Ein fragwürdiger Moralapostel
Teheran ist allerdings kaum geeignet, anderen Staaten Lektionen in Moral zu erteilen. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren die vielen Hinrichtungen im Iran und die harte Unterdrückung der eigenen Opposition. Wer mit „vernichtenden Schlägen“ droht, betreibt Propaganda und keine Ethik.
Dass die Spitze trotzdem sitzt, liegt an Berlin. Ein Regierungschef, der Krieg als „Drecksarbeit für uns alle“ bezeichnet, bietet jeder Gegenseite eine bequeme Vorlage. Kritiker sehen darin das Muster einer Außenpolitik, die zuerst laut wird und erst später über die Folgen nachdenkt.
Die Zeche zahlen die Bürger
Die eigentliche Pointe hat Merz selbst geliefert. Die 100 Milliarden Euro zahlen die Bürger, an der Zapfsäule, bei der Heizkostenabrechnung und über die Strompreise. Auch die Industrie zahlt, und die ist ohnehin durch hohe Energiekosten belastet. Die Lage bleibt angespannt. Nach iranischen Angaben, die sich nicht unabhängig prüfen lassen, sind in der Straße von Hormus zuletzt erneut Tanker in Brand geraten.
In solchen Krisen zeigt sich, wie verwundbar Ersparnisse durch Inflation und Energiepreise werden können. Viele Anleger setzen deshalb auf physisches Gold und Silber. Die Metalle haben sich über Jahrhunderte als Krisenschutz bewährt und können ein breit gestreutes Vermögen sinnvoll ergänzen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.
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