
Historischer Vertrauensbruch: Europäer fürchten Washington mehr als Peking
Was noch vor wenigen Jahren als undenkbar gegolten hätte, ist nun bittere Realität: Eine Mehrheit der Europäer betrachtet die Vereinigten Staaten von Amerika als größere Bedrohung für den alten Kontinent als das kommunistische China. Eine aktuelle Erhebung des Magazins Politico mit dem Titel „European Pulse" offenbart einen tektonischen Stimmungswandel, der die transatlantischen Beziehungen in ihren Grundfesten erschüttert.
Nur noch zwölf Prozent sehen die USA als engen Verbündeten
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. In sechs großen EU-Staaten – Polen, Spanien, Belgien, Frankreich, Deutschland und Italien – stufen lediglich zwölf Prozent der Befragten Washington noch als engen Verbündeten ein. Dagegen betrachten 36 Prozent die USA als Bedrohung für Europa. China kommt im Vergleich auf 29 Prozent. Russland bleibt mit 70 Prozent zwar der mit Abstand am meisten gefürchtete Akteur auf der Weltbühne, doch die Tatsache, dass der einstige Schutzpatron des Westens nun bedrohlicher wahrgenommen wird als die aufstrebende Supermacht im Osten, sollte jedem Beobachter zu denken geben.
Deutschland misstraut – Südeuropa noch mehr
Besonders bemerkenswert ist die Lage in den einzelnen Ländern. In vier von sechs untersuchten Staaten übersteigt die wahrgenommene Bedrohung durch die USA jene durch China. In Deutschland sehen 30 Prozent der Befragten Washington als Risiko. Spanien liegt mit erschreckenden 51 Prozent an der Spitze, dicht gefolgt von Italien mit 46 Prozent. Einzig Frankreich und Polen bilden Ausnahmen – dort wird China weiterhin als die größere Gefahr eingeschätzt.
Man muss kein Geopolitik-Experte sein, um die Ursachen dieses Vertrauensverlustes zu erkennen. Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus Anfang 2025 hat Donald Trump die NATO-Partnerschaft systematisch untergraben, mit der Annexion Grönlands gedroht, massive Strafzölle gegen europäische Verbündete verhängt und einen Konflikt mit dem Iran begonnen, an dem sich die europäischen Staaten ausdrücklich nicht beteiligen wollen. Die 20-prozentigen Zölle auf EU-Importe treffen die ohnehin angeschlagene europäische Wirtschaft hart – und Deutschland als Exportnation ganz besonders.
Aufrüstung ja, Kampfbereitschaft nein
Die Konsequenz, die die Europäer aus dieser Entwicklung ziehen, ist auf den ersten Blick ermutigend: 86 Prozent der Befragten sprechen sich für einen Ausbau der eigenen militärischen Fähigkeiten aus. 69 Prozent befürworten sogar eine gemeinsame europäische Streitkraft. Soweit die Theorie.
Doch dann kommt die ernüchternde Kehrseite: Gerade einmal 19 Prozent wären im Ernstfall bereit, selbst zur Waffe zu greifen. Man möchte also Sicherheit – aber bitte ohne persönliches Opfer. Diese Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Stärke und der fehlenden Bereitschaft, dafür auch einzustehen, ist symptomatisch für ein Europa, das jahrzehntelang unter dem amerikanischen Schutzschirm bequem geworden ist.
Ein Weckruf für die europäische Souveränität
Die Umfrageergebnisse sind ein schmerzhafter, aber notwendiger Weckruf. Europa hat es über Jahrzehnte versäumt, eine eigenständige Sicherheitsarchitektur aufzubauen. Stattdessen hat man sich in der behaglichen Abhängigkeit von Washington eingerichtet – und steht nun vor den Trümmern dieser Strategie. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz, die mit ihrem 500-Milliarden-Sondervermögen ohnehin bereits die Schuldenbremse faktisch ausgehebelt hat, wird sich fragen lassen müssen, wie viel davon tatsächlich in eine glaubwürdige Verteidigung fließt.
Eines steht fest: Wer sich nicht selbst verteidigen kann, wird immer von den Launen anderer abhängig sein – ob diese nun aus Washington, Peking oder Moskau kommen. Es wäre an der Zeit, dass Europa nicht nur in Umfragen Stärke demonstriert, sondern auch in der Realität.

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