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10.09.2026
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Gysi bei Lanz: „Beschimpfen reicht nicht“ – Klartext nach dem Wahlbeben

Gysi bei Lanz: „Beschimpfen reicht nicht“ – Klartext nach dem Wahlbeben
Symbolbild: KI-generiert

Vier Tage nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Linken-Politiker Gregor Gysi am Mittwochabend im ZDF bei „Markus Lanz“ eine bittere Bilanz gezogen. Den Wahltag nannte er einen „schwarzen Tag“ – und gleichzeitig „Ausdruck der Demokratie“. Seiner früheren Parteikollegin Sahra Wagenknecht warf er „blanken Opportunismus“ vor.

Das Ergebnis, das die politische Landkarte zerlegt hat

Die Zahlen erklären, warum in Berlin die Nerven blank liegen. Nach vorläufigem Ergebnis holte die AfD am 6. September 43,8 Prozent – ein Plus von 23 Punkten und ihr bestes Landtagsergebnis überhaupt. Die regierende CDU stürzte auf 17,2 Prozent ab, rund die Hälfte ihres Werts von 2021.

Die Wahlbeteiligung lag laut Landeswahlleitung bei 77,8 Prozent – Rekord. Berichten zufolge gewann die CDU in keinem der 41 Wahlkreise ein Direktmandat. Die Linke fiel mit 8,6 Prozent auf ihr schlechtestes Landesergebnis, das BSW zog mit 5,3 Prozent erstmals in den Magdeburger Landtag ein. Von 83 Sitzen entfallen 39 auf die AfD.

Gysis Diagnose: Frust „von der CSU bis zur Linken“

Bemerkenswert war, wo Gysi die Ursache suchte: nicht allein bei der AfD, sondern beim Politikbetrieb selbst. Der Zulauf erkläre sich aus Frust über die etablierten Parteien – und der reiche „von der CSU bis zur Linken“. Die AfD inszeniere sich als Kraft von unten gegen „die da oben“.

Als Beispiel für zerstörtes Vertrauen nannte er ausgerechnet Bundeskanzler Friedrich Merz: Im Wahlkampf habe er die Schuldenbremse betont, kurz danach anders gehandelt. Die Reaktion vieler Wähler beschrieb Gysi so:

„Siehste, wir sind wieder belogen worden.“

Ein Satz, der sitzt. Denn das 500-Milliarden-Sondervermögen und die im Grundgesetz verankerte Klimaneutralität bis 2045 dürften noch Generationen an Steuerzahlern beschäftigen. Aus Sicht unserer Redaktion ist genau dieser Bruch zwischen Versprechen und Regierungspraxis der eigentliche Motor des Protests – nicht ein plötzlicher Gesinnungswandel der Ostdeutschen.

Der Appell: inhaltlich widerlegen statt moralisch abwatschen

Sein zentraler Satz lautete: Wer die Entwicklung stoppen wolle, müsse die AfD inhaltlich widerlegen – „nicht nur beschimpfen, das reicht nicht aus“. Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit würden „von außen durch Trump, von innen durch die AfD“ bekämpft, so seine drastische Zuspitzung. Man müsse sie wieder attraktiver machen. Auch mehr direkte Demokratie, etwa Volksentscheide, brachte er ins Spiel.

Abrechnung mit Wagenknecht

Scharf wurde Gysi beim BSW. Medienberichten zufolge hält die Partei eine Kooperation offen und könnte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund durch Enthaltung ins Amt des Ministerpräsidenten kommen lassen; offiziell wirbt sie für einen überparteilichen Kandidaten. Auf Lanz' Stichwort „Opportunismus“ antwortete Gysi, es sei „blanker Opportunismus und der Wunsch, irgendwie ein Stück Macht zu erhalten“. RTL-Politikchef Nikolaus Blome erklärte den BSW-Kurs dagegen strategisch: Die inhaltliche Schnittmenge mit der AfD sei größer als die mit CDU oder Grünen. Die Mobilisierung von Nichtwählern nannte er „eine Leistung für sich“.

Gysi mahnte zum Schluss, SPD, Grüne, Union und Linke hätten zusammen keine Mehrheit mehr. Ein Befund, über den man „wirklich nachdenken“ müsse. Am 20. September wählen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der politischen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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