
Guyanas Ölrausch: Vom Armenhaus zum Milliardär – doch der Fluch lauert bereits
Es klingt wie ein modernes Märchen aus der Karibik: Ein winziges südamerikanisches Land mit weniger als einer Million Einwohnern katapultiert sich innerhalb eines Jahrzehnts von Platz 107 auf Platz 10 der reichsten Nationen der Welt. Guyana, einst britische Kolonie und lange Zeit eines der ärmsten Länder des Kontinents, schwimmt plötzlich im schwarzen Gold. Doch wer genauer hinschaut, erkennt die dunklen Wolken am Horizont.
Ein beispielloser Aufstieg – auf tönernen Füßen
Die Zahlen sind schlichtweg atemberaubend. Seit dem Beginn der Ölförderung im Dezember 2019 ist das Bruttoinlandsprodukt nach Kaufkraftparität von 10,69 Milliarden auf geschätzte 75,24 Milliarden Dollar für 2025 explodiert – eine Versiebenfachung in nur sechs Jahren. Das von ExxonMobil geführte Konsortium fördert mittlerweile knapp 900.000 Barrel Rohöl täglich aus dem gigantischen Stabroek-Block, der sich über 6,6 Millionen Acres erstreckt.
Die Wachstumsraten lesen sich wie Druckfehler: 63,3 Prozent im Jahr 2022, 33,8 Prozent 2023, gefolgt von 43,6 Prozent im vergangenen Jahr. Damit war Guyana zeitweise die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt. Selbst für 2025 prognostiziert der Internationale Währungsfonds noch ein Wachstum von 10,3 Prozent – Platz drei weltweit.
Der venezolanische Schatten über dem Ölparadies
Doch wo Reichtum lockt, sind Konflikte nicht weit. Der prolific Stabroek-Block mit seinen geschätzten 11 Milliarden Barrel förderbaren Öls liegt in Gewässern, die zum umstrittenen Essequibo-Gebiet gehören. Diese Region, flächenmäßig vergleichbar mit dem US-Bundesstaat Georgia, macht zwei Drittel des guyanischen Territoriums aus – und wird von Venezuela seit dessen Unabhängigkeit beansprucht.
Venezuelas Diktator Nicolás Maduro hat seine Säbelrasselei in den letzten Jahren deutlich verschärft. Regelmäßige Scharmützel zwischen guyanischen Soldaten und venezolanischen Banden an der Grenze sind längst Alltag. Venezolanische Marineschiffe dringen in den Stabroek-Block ein, um die Besatzungen der schwimmenden Produktions- und Lagereinheiten einzuschüchtern. Die Drohung einer Invasion steht im Raum.
Venezuela ist das Paradebeispiel für den Ölfluch – jahrzehntelange Abhängigkeit vom Rohöl führte zu Diktatur und wirtschaftlichem Zusammenbruch.
Reichtum für wen? Die bittere Realität hinter den Statistiken
Hier offenbart sich die ganze Tragik dieser vermeintlichen Erfolgsgeschichte. Während Georgetown Milliarden in Infrastrukturprojekte pumpt – allein 1,2 Milliarden Dollar für öffentliche Bauvorhaben im Jahr 2025 –, lebt nach Schätzungen bis zu 58 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Die Weltbank bezifferte diesen Anteil 2019 auf 48 Prozent. Trotz des rasanten Wirtschaftswachstums berichten Gemeindevertreter, dass der Ölreichtum in den ärmsten Regionen, besonders auf dem Land, schlicht nicht ankommt.
Die schwachen Institutionen des Entwicklungslandes, gepaart mit einer Geschichte der Korruption, nähren berechtigte Zweifel, ob Guyana diesen einmaligen Geldsegen verantwortungsvoll verwalten kann. Die Gefahr von Misswirtschaft und demokratischem Rückschritt ist real.
Der Ölpreis als Damoklesschwert
Als wäre dies nicht genug, schwebt über dem guyanischen Ölboom ein weiteres Risiko: die Abhängigkeit von volatilen Energiemärkten. Der Brent-Preis ist im Jahresvergleich um 17 Prozent gefallen. Analysten großer Finanzinstitute warnen, dass der Preis bis 2027 auf 30 Dollar pro Barrel abstürzen könnte – ausgerechnet auch wegen der massiven Produktionssteigerungen aus Guyana selbst.
Erschwerend kommt hinzu, dass 75 Prozent des im Stabroek-Block geförderten Öls als sogenanntes "Cost Oil" klassifiziert werden und damit von Lizenzgebühren und Gewinnbeteiligungen ausgenommen sind. Der ursprüngliche Vertrag mit ExxonMobil gilt als extrem nachteilig für Guyana – ein klassisches Beispiel dafür, wie Entwicklungsländer bei Rohstoffdeals über den Tisch gezogen werden.
Die Zukunft: Zwischen Hoffnung und Hybris
Bis 2030 soll die Förderkapazität auf über 1,7 Millionen Barrel täglich steigen. Der IWF prognostiziert eine Verdopplung des BIP auf 156 Milliarden Dollar. Pro Kopf gerechnet würde Guyana dann zur zweitreichsten Nation der Welt aufsteigen – hinter Liechtenstein, aber vor Singapur.
Doch Geschichte lehrt uns Demut. Der Ölfluch hat schon ganz andere Nationen in den Abgrund gerissen. Ob Guyana diesem Schicksal entgeht, hängt davon ab, ob es gelingt, den Reichtum gerecht zu verteilen, die Institutionen zu stärken und die gefährliche Abhängigkeit vom schwarzen Gold zu diversifizieren. Die Zeichen stehen nicht gut.
Für Anleger bleibt die Erkenntnis: In Zeiten geopolitischer Unsicherheit und volatiler Rohstoffmärkte bieten physische Edelmetalle wie Gold und Silber eine bewährte Möglichkeit zur Vermögenssicherung. Anders als Ölreserven, die von politischen Konflikten und Preisschwankungen abhängen, haben Edelmetalle über Jahrtausende ihren Wert bewiesen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.
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