
Großbank setzt auf künstliche Intelligenz: Goldman Sachs will menschliche Arbeit durch Maschinen ersetzen

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs treibt die Automatisierung ihrer internen Prozesse mit Hochdruck voran. In Zusammenarbeit mit dem KI-Start-up Anthropic entwickelt das Finanzinstitut sogenannte KI-Agenten, die künftig zentrale Aufgaben im Tagesgeschäft übernehmen sollen. Was für Technologie-Enthusiasten wie ein Fortschritt klingen mag, wirft bei nüchterner Betrachtung durchaus kritische Fragen auf.
Das „Claude"-Modell als digitaler Sachbearbeiter
Wie der US-Sender CNBC unter Berufung auf Goldman Sachs' IT-Chef Marco Argenti berichtete, basieren die neuen Anwendungen auf dem „Claude"-Modell von Anthropic. Die künstliche Intelligenz soll dabei keineswegs nur unterstützend wirken, sondern eigenständig Kernprozesse der Bank abwickeln. Konkret geht es um die Verbuchung von Transaktionen sowie die Überprüfung und Aufnahme von Neukunden – Tätigkeiten, die bislang von gut ausgebildeten Mitarbeitern erledigt wurden.
Die Großbank bestätigte die Angaben offiziell und betonte, dass die Bearbeitungszeit für diese Prozesse durch den Einsatz der KI erheblich verkürzt werden solle. Argenti räumte zwar ein, dass sich das Projekt noch in einem frühen Stadium befinde, kündigte jedoch eine baldige Einführung an.
Effizienzsteigerung auf Kosten der Belegschaft?
Was hier als technologischer Fortschritt verkauft wird, dürfte in Wahrheit vor allem einem Ziel dienen: der Kostensenkung. Wenn Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen, stellt sich unweigerlich die Frage, was mit den bisherigen Sachbearbeitern geschieht. Die Finanzbranche, die ohnehin nicht gerade für ihre Arbeitsplatzsicherheit bekannt ist, könnte durch den massiven Einsatz von KI-Systemen weitere Stellen abbauen.
Besonders pikant erscheint dabei der Zeitpunkt dieser Ankündigung. Während in Deutschland und Europa die Diskussion über die gesellschaftlichen Auswirkungen künstlicher Intelligenz gerade erst Fahrt aufnimmt, schaffen amerikanische Großkonzerne bereits Fakten. Die Frage, ob und wie solche Entwicklungen reguliert werden sollten, hinkt der technologischen Realität hoffnungslos hinterher.
Anthropic als Schlüsselpartner der Wall Street
Das Start-up Anthropic, das hinter dem „Claude"-Modell steht, positioniert sich damit als wichtiger Technologielieferant für die Finanzindustrie. Das Unternehmen, das von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet wurde, plant offenbar, sein Angebot auf weitere Branchen auszuweiten. Goldman Sachs dürfte dabei als prestigeträchtiger Referenzkunde dienen, der anderen Großunternehmen den Weg ebnet.
Für Anleger und Beobachter der Finanzmärkte bleibt festzuhalten: Die Automatisierungswelle in der Bankenwelt hat gerade erst begonnen. Ob dies langfristig zu besseren Dienstleistungen für Kunden führt oder primär die Gewinnmargen der Aktionäre steigert, wird sich zeigen müssen. Die Geschichte lehrt uns jedenfalls, dass technologischer Fortschritt nicht automatisch allen zugute kommt.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Investitionsentscheidungen sollten stets auf Basis eigener Recherchen und gegebenenfalls nach Konsultation eines qualifizierten Finanzberaters getroffen werden. Für etwaige Verluste, die aus Anlageentscheidungen resultieren, übernimmt unsere Redaktion keine Haftung.

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