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Kettner Edelmetalle
10.02.2026
06:42 Uhr

Groß-Gerau versenkt Milliardenprojekt: Wie eine Kleinstadt Deutschlands digitale Zukunft sabotiert

Es klingt wie eine Realsatire aus dem deutschen Verwaltungsdschungel, ist aber bittere Realität: Die Stadtverordnetenversammlung von Groß-Gerau hat ein 2,5 Milliarden Euro schweres Rechenzentrum des Investors Vantage Data Centers abgelehnt. Die Begründung? Terrorgefahr, Cyberangriffe und – man höre und staune – zu viel Hitze. Mit 18 zu 14 Stimmen wurde nach rund 90 Minuten Debatte ein Projekt beerdigt, das 174 Megawatt Leistung auf 14 Hektar hätte bringen können. Im Publikum soll Erleichterung spürbar gewesen sein. Erleichterung darüber, dass man sich erfolgreich gegen die Zukunft gewehrt hat.

Eine Koalition der Verhinderer

Bemerkenswert ist die politische Konstellation, die dieses Nein ermöglichte. Während CDU und die Kombi-FWG für das Vorhaben stimmten, bildeten SPD, Grüne, FDP, Freie Wähler und Linke eine breite Ablehnungsfront. Eine seltene Allianz, die sich offenbar in der gemeinsamen Angst vor dem Neuen zusammenfand. Dass ausgerechnet die FDP – die sich auf Bundesebene stets als Partei der Wirtschaft und Innovation inszeniert – hier gegen ein Milliardenprojekt votierte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Vantage Data Centers reagierte betont sachlich und erklärte, man akzeptiere die Entscheidung und bespreche die nächsten Schritte. Übersetzt heißt das: Der Investor zieht weiter. Groß-Gerau hingegen bleibt mit einer Brachfläche zurück, die nun erneut vermarktet werden muss. Viel Glück dabei.

Terrorgefahr als Totschlagargument

Das zentrale Argument der Ablehnung verdient eine besonders kritische Betrachtung. Die Kommune stufte das geplante Rechenzentrum als potenziellen Angriffspunkt für Terrorismus sowie für Cyber- und hybride Bedrohungen ein. Nun ist es zweifellos richtig, dass kritische Infrastruktur Schutz braucht. Doch die Konsequenz, die Groß-Gerau daraus zieht, ist geradezu absurd: Statt Sicherheitskonzepte zu fordern – Perimeterschutz, Zugangskontrollen, Redundanzen, Krisenübungen –, stimmt man das Problem einfach weg. Als ob Terroristen ihre Pläne ändern würden, nur weil eine hessische Kleinstadt ein Rechenzentrum ablehnt.

Cybergefahren hängen primär an Betriebsarchitektur und Sicherheitsniveau, nicht an der Gemeindegrenze. Wer dieses Argument ernst nähme, müsste konsequenterweise auch Umspannwerke, Wasserwerke und Telekommunikationsknoten aus dem Stadtgebiet verbannen. Dass dies niemand ernsthaft fordert, entlarvt die Terrorangst als das, was sie in diesem Fall ist: ein bequemes Schlagwort ohne belastbare Sicherheitslogik.

Hitzeangst statt Hitzeschutz

Auch die befürchtete Hitzebelastung durch bis zu 30 Meter hohe Gebäudeblöcke wurde ins Feld geführt. Ja, große Baukörper können das Mikroklima beeinflussen. Aber diese Effekte sind planbar und steuerbar – durch intelligente Baukörperanordnung, Entsiegelung, Begrünung, Wasserflächen und Kaltluftschneisen. Kommunen in ganz Deutschland genehmigen täglich Großvorhaben mit vergleichbaren klimatischen Auswirkungen. Warum sollte ausgerechnet hier die Physik anders funktionieren?

Besonders entlarvend ist der Umgang mit dem Thema Abwärme. Die Stadt bemängelte, sie müsste selbst investieren, um die Abwärme des Rechenzentrums nutzbar zu machen. Welch eine Erkenntnis! Ohne Investitionen gibt es keine Wärmewende – das gilt für Groß-Gerau ebenso wie für den Rest der Republik. Andernorts wird die Abwärmenutzung von Rechenzentren längst als wertvoller Baustein für kommunale Wärmenetze betrachtet. In Groß-Gerau hingegen scheint man zu glauben, dass sich Fortschritt zum Nulltarif einstellt.

Deutschland im digitalen Abseits

Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der Deutschland ohnehin Gefahr läuft, den internationalen Wettlauf um digitale Infrastruktur zu verlieren. Die Metropolregion Frankfurt ist Deutschlands Rechenzentrums-Hotspot – mehr als ein Drittel aller deutschen Rechenzentren stehen dort, mit einer Gesamtleistung von über 1.100 Megawatt. Der Branchenverband Bitkom warnt eindringlich, dass der zusätzliche Bedarf an KI-Kapazitäten in Deutschland stärker steigen werde als das Angebot. Und was tut Groß-Gerau? Es koppelt sich freiwillig von diesem Wachstumstreiber ab.

Man muss sich das vor Augen führen: Während die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz ein 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur auflegt und die Digitalisierung als Schlüsselthema propagiert, torpediert eine Kleinstadt im Rhein-Main-Gebiet ein privat finanziertes Milliardenprojekt. Der Investor hätte nicht einen Cent Steuergelder benötigt. Stattdessen hätte er Gewerbesteuer gezahlt, Arbeitsplätze in Bau, Wartung und Betrieb geschaffen und die digitale Infrastruktur des Landes gestärkt. Doch das war den Stadtverordneten offenbar nicht genug.

Ein fatales Signal an Investoren

Die Kritik an der geringen Zahl direkter Arbeitsplätze und an schwankenden Gewerbesteuereinnahmen mag auf den ersten Blick nachvollziehbar klingen. Doch sie greift viel zu kurz. Hyperscale-Rechenzentren erzeugen erhebliche indirekte Effekte über Zulieferketten, Sicherheitsdienste, Netzbetrieb und Wartung. Zudem verursachen sie im Vergleich zu Logistikzentren – der wahrscheinlichsten Alternative für solche Flächen – kaum Verkehr. Im chronisch verstopften Rhein-Main-Gebiet wäre das ein handfester Standortvorteil gewesen.

Das eigentlich Fatale an dieser Entscheidung ist jedoch das Signal, das sie an internationale Investoren sendet. Wer ein Milliardenprojekt durch politische Volatilität auf kommunaler Ebene scheitern sieht, wird künftig einen weiten Bogen um solche Standorte machen. Deutschland, das sich ohnehin mit seiner Bürokratie, seinen Genehmigungsverfahren und seiner Energiepolitik als Investitionsstandort zunehmend unattraktiv macht, kann sich solche Selbstverstümmelungen schlicht nicht leisten.

Groß-Gerau hat Risiken nicht gelöst. Es hat lediglich die Möglichkeit aufgegeben, sie aktiv zu steuern. Der Bedarf an Rechenkapazität verschwindet nicht – er landet nur woanders. Und mit ihm die Wertschöpfung, die Steuereinnahmen und die Chance, Teil der digitalen Zukunft zu sein. Was bleibt, ist eine leere Fläche und das ungute Gefühl, dass in diesem Land die Angst vor dem Neuen größer ist als der Mut zur Gestaltung.

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