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Kettner Edelmetalle
21.09.2026
06:29 Uhr
KI-generiert

Gold in Yuan: Hongkong greift nach der Preishoheit des Westens

Gold in Yuan: Hongkong greift nach der Preishoheit des Westens
Symbolbild: KI-generiert

Hongkong will den globalen Goldhandel neu ordnen – und zwar in chinesischer Währung. Finanzminister Paul Chan kündigte am Sonntag in einem Blogbeitrag an, die Sonderverwaltungszone werde ihren Markt für „Dim-Sum“-Anleihen ausbauen und Yuan-denominierte Gold- und Rohstoffmärkte entwickeln. Das erklärte Ziel: Chinas internationale Preissetzungsmacht stärken.

Ein Fahrplan, der es in sich hat

Die Ankündigung folgt auf Hongkongs allererste Fünfjahresplanung. Chan betonte, die Stadt spiele eine einzigartige Rolle dabei, China zur starken Finanzmacht zu machen. Regierungschef John Lee stellte dabei ein Vorhaben vor, das in der Goldbranche aufhorchen lässt: ein zentrales Clearing- und Abwicklungssystem für Gold, das 2027 offiziell an den Start gehen soll.

Ganz neu ist das nicht. Medienberichten zufolge läuft das System seit Juli 2026 im Testbetrieb, betrieben von einer staatseigenen Clearing-Gesellschaft. Flankiert wird es demnach von einer „Delivery Connect“ genannten Anbindung an die Shanghai Gold Exchange, einem eigenen Hongkonger Preis-Ticker, mehr Lagerkapazität, zusätzlicher Raffineriekapazität und geprüften Steuervergünstigungen.

Zudem soll die Börse HKEX laut Berichten noch in diesem Jahr Details zu neuen, in Renminbi abgerechneten und physisch lieferbaren Gold-Futures vorlegen. Physisch – das ist der entscheidende Unterschied zu vielen westlichen Papiergold-Konstruktionen.

Warum das den Westen treffen könnte

Bislang wird der Goldpreis faktisch in London und an der Comex in New York gemacht – in US-Dollar. Wer hier eine zweite, asiatische Preisachse in Yuan etabliert, greift nach nichts Geringerem als einem Stück westlicher Finanzsouveränität. Beobachter sehen darin einen weiteren Baustein in Pekings langfristiger Strategie, die Abhängigkeit vom Dollar zu verringern.

Die Zahlen zeigen, wie schnell das Fundament wächst. Der Verkauf von Dim-Sum-Anleihen – also in Yuan begebenen Bonds außerhalb des Festlands – erreichte im ersten Halbjahr 2026 rund 350 Milliarden Yuan (etwa 52,3 Milliarden Dollar). Ein Plus von mehr als 60 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wobei internationale Emittenten laut Goldman Sachs die Hälfte des Volumens stellten.

Chan verwies zudem auf Offshore-Yuan-Kredite in Hongkong von zuletzt rekordhohen 935 Milliarden Yuan im vergangenen Jahr.

Gold im Ausnahmezustand

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Gold notiert aktuell bei rund 4.713 Dollar je Feinunze, Silber bei über 75 Dollar – Niveaus, die vor wenigen Jahren als Fantasie galten. Berichten zufolge legte der Goldpreis allein 2025 um mehr als 60 Prozent zu, der stärkste Jahresgewinn seit 1979.

Chan selbst führte die Rally darauf zurück, dass Investoren zunehmend über Dollar-Anlagen hinausblickten und Asien verlässlichere Plattformen für Lagerung, Handel, Clearing und Preisbildung von Gold brauche.

„Der Start des Testbetriebs markiert einen bedeutenden Schritt nach vorn beim Aufbau der Goldhandels-Infrastruktur Hongkongs“, erklärte Chan bereits im Juli laut einer Regierungsmitteilung.

Und Europa?

Während Asien Infrastruktur für physisches Metall baut, diskutiert man in Brüssel und Berlin über Lieferkettengesetze, Berichtspflichten und Klimaziele im Grundgesetz. Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein bezeichnender Kontrast: Die einen sichern sich Handelsmacht, die anderen verwalten ihren eigenen Rückbau.

Für Anleger hierzulande bleibt die Botschaft nüchtern: Wenn große Volkswirtschaften Gold wieder als monetären Anker begreifen, spricht wenig dafür, das Edelmetall als Beimischung zur Vermögenssicherung zu ignorieren. Physisch, im eigenen Zugriff – nicht als Zertifikat auf einem Bildschirm.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene Recherche und liegt in der alleinigen Verantwortung des Anlegers.

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