
Gas zum Spottpreis: Serbiens Wahlsieger wollen Russen-Deal für Jahre!

Serbiens neue starke Kraft macht gleich zu Beginn eine Ansage, die in Brüssel kaum Begeisterung auslösen dürfte. Die siegreiche Studentenliste will russisches Gas nicht mehr nur über kurze Verlängerungen beziehen, sondern mit einem Vertrag über drei Jahre mit Gazprom absichern. Und das ausgerechnet jetzt, wo die EU den kompletten Ausstieg aus russischem Gas vorbereitet.
Machtwechsel in Belgrad und ein heißes Eisen
Die vorgezogene Parlamentswahl am 25. Oktober hat Serbien umgekrempelt. Nach vorläufigen Angaben der Wahlkommission kam die Studentenliste auf rund 52,8 Prozent und damit auf die absolute Mehrheit. Die Fortschrittspartei SNS von Aleksandar Vučić, der Ende September als Staatspräsident zurückgetreten war, landete bei gut 39 Prozent.
Eine neue Regierung gibt es aber noch nicht. Ob die Gas-Forderung zur offiziellen Linie Belgrads wird, hängt von den laufenden Gesprächen ab. Die Richtung ist trotzdem klar.
Dejan Radivojević, Kandidat der Liste und Professor an der Fakultät für Bergbau und Geologie, begründete den Vorstoß auf einer Pressekonferenz:
„Diese Art kurzfristiger Verlängerungen bietet dem Staat, der Wirtschaft und dem Energiesystem nicht genügend Planungssicherheit.“
Im Vertrag sollen nach seinen Vorstellungen Preise, Mengen, Zeitplan und das Vorgehen bei Lieferstörungen klar geregelt sein.
318 gegen 868 Euro: Ein Preisunterschied, der wehtut
Warum Belgrad an Moskau festhält, zeigt eine Zahl. Kurz vor der letzten Verlängerung erklärte Vučić, Serbien zahle für 1000 Kubikmeter russisches Gas rund 318 Euro. Am europäischen Handelsplatz TTF habe dieselbe Menge damals etwa 868 Euro gekostet, also rund 550 Euro mehr. Überprüfen lässt sich das nicht: Preisformel, Mengen und weitere Vertragsdetails wurden nicht veröffentlicht.
Der eigentliche Dreijahresvertrag ist schon Ende Mai 2025 ausgelaufen. Seitdem hangelt sich Serbien von Nachtrag zu Nachtrag. Die letzte Verlängerung wurde am 30. September vereinbart und gilt zu den bisherigen Konditionen nur bis zum 31. Dezember 2026. Grundlage ist eine Vereinbarung aus dem Jahr 2022 über jährlich 2,5 Milliarden Kubikmeter zwischen Gazprom und dem serbischen Staatskonzern Srbijagas.
Auch Srbijagas arbeitet an einer Verlängerung. Aufsichtsratschef Aleksandar Vulin reiste nach Moskau und kündigte an, er werde jeden seiner Gesprächspartner bitten, „Serbien wohlwollend zu behandeln“.
Kein Blankoscheck für Moskau
Blind an Russland bindet sich die Studentenliste aber nicht. Radivojević will mehr Gas aus Aserbaidschan über den Südlichen Gaskorridor beziehen. Dazu kommt die seit Ende 2023 laufende Verbindungsleitung von Bulgarien nach Serbien, über die auch Flüssiggas vom griechischen Terminal Alexandroupolis ankommen kann. Weitere Optionen sieht er über Ungarn, Nordmazedonien und Griechenland. Mittelfristig könnte auch Gas aus dem rumänischen Feld Neptun Deep im Schwarzen Meer kommen.
Dabei bleibt er nüchtern. Beim Gas über Ungarn müsse man prüfen, woher es wirklich stamme, denn Budapest kaufe selbst große Mengen über TurkStream in Russland. Außerdem sei eine vorhandene Pipeline noch lange kein unterschriebener Liefervertrag.
Und was heißt das für Deutschland?
Russisches Gas fließt seit 1978 nach Serbien, seit 2021 über TurkStream durch das Schwarze Meer und Bulgarien statt über die Ukraine. Deutschland bekommt dagegen seit September 2022 kein russisches Pipelinegas mehr. Die EU verbietet russisches Flüssiggas ab Januar 2027 und Pipelinegas spätestens ab Oktober 2027. Für Serbien gilt das nicht direkt, denn das Land ist seit 2012 nur Beitrittskandidat.
Das Bemerkenswerte daran: Eine Protestbewegung, die viele Beobachter als europafreundlich sehen, stellt bezahlbare Energie und Versorgungssicherheit an die erste Stelle. Für deutsche Familien und Betriebe, die seit Jahren unter hohen Energiepreisen leiden, stellt sich deshalb eine unbequeme Frage. Warum spielt Planungssicherheit in Belgrad offenbar eine größere Rolle als in Berlin?
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